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Swiss Observer

Schweizer Cannabisgesetz zur Legalisierung stösst zum Ende der Vernehmlassung auf gemischte Reaktionen

Mit dem Abschluss der Vernehmlassung zu einem Gesetzesentwurf zur Legalisierung von Cannabis hat der Vorschlag Unterstützung erhalten, weil er möglicherweise die Aktivitäten auf dem Schwarzmarkt verringern könnte. Gleichzeitig wurde er von den kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren wegen des mangelnden Schutzes Minderjähriger deutlich kritisiert.

Schweizer Cannabisgesetz zur Legalisierung stösst zum Ende der Vernehmlassung auf gemischte Reaktionen
AISWI swissinfo.ch

Die Frist für eine der umstrittensten Vernehmlassungen der jüngeren Schweizer Gesetzgebungsgeschichte ist offiziell abgelaufen. Anfang Dezember endete die Möglichkeit, über den weitreichenden Vorschlag der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit zu beraten, das Cannabisverbot aufzuheben. Das Land bleibt gespalten. Der Entwurf, der am 29. August in die Vernehmlassung geschickt wurde, soll den Schwarzmarkt eindämmen, indem er einen legalen, regulierten Zugang zu Cannabis für Erwachsene schafft. Doch der Weg zur Legalisierung ist alles andere als einfach.

Während die Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren den Gesetzesentwurf unterstützt und argumentiert, ein regulierter Markt sei der einzige Weg, die Produktsicherheit zu gewährleisten und Gesundheitsrisiken zu verringern, wächst der Widerstand massiv. Im Zentrum steht nicht mehr nur der Drogenkonsum, sondern auch die Umsetzung und der Zeitpunkt. Befürworterinnen und Befürworter halten den Status quo für gescheitert, weil er kriminelle Aktivitäten begünstige. Skeptikerinnen und Skeptiker warnen dagegen, die Schweiz begebe sich ohne Orientierung in ein regulatorisches Minenfeld. Mit dem Ende dieser Vernehmlassung beginnt ein heftiger Gesetzgebungsstreit, der den Willen des Bundesrats zur Modernisierung der Drogenpolitik auf die Probe stellen wird.

Konflikt zwischen den Kantonen: Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren ziehen die Notbremse

In einer deutlichen Absage an die Ambitionen des Bundes hat die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren einen kritischen Mitbericht vorgelegt, der den gesamten Prozess zu gefährden droht. Ihr Urteil ist klar und kompromisslos: Die vorgeschlagene Regulierung sei «zu komplex» und in ihrer jetzigen Form praktisch nicht umsetzbar. Dabei handelt es sich nicht bloss um einen bürokratischen Einwand, sondern um eine grundlegende Ablehnung des logistischen Rahmens des Gesetzes.

Zudem halten die Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren den Schritt für gefährlich verfrüht. Mehrere Schweizer Städte führen derzeit Pilotprojekte durch, um die Auswirkungen eines regulierten Cannabisverkaufs zu untersuchen. Die Verantwortlichen bestehen darauf, dass eine Gesetzgebung vor der Auswertung der Ergebnisse leichtfertig wäre. Damit stehen sie in deutlichem Gegensatz zu ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich Soziales, was innerhalb des kantonalen Vollzugsapparats zu erheblichen Spannungen führt. Während die Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren eine Chance sehen, den Schwarzmarkt auszutrocknen, erwarten die Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren einen administrativen Albtraum, für den die Kantone schlecht gerüstet seien. Diese interne Uneinigkeit ist eine grosse Hürde: Ein Bundesgesetz, das von den Kantonen nicht praktisch vollzogen werden kann, ist zum Scheitern verurteilt.

Jugendschutz: Ein zentraler Streitpunkt

Der Schutz der Jugendlichen in der Schweiz hat sich zum heikelsten Streitpunkt der Debatte entwickelt. Das Blaue Kreuz, die führende Dachorganisation der Schweiz im Bereich der Suchtunterstützung, lehnt das Cannabisproduktegesetz entschieden ab. Seine Haltung ist eindeutig: Die vorgeschlagenen Massnahmen, darunter ein Mindestalter von 18 Jahren für die Abgabe, neutrale Verpackungen und Werbeverbote, seien bei weitem unzureichend. Das Gesetz lasse beim Schutz Minderjähriger eine grosse Lücke, obwohl diese Gruppe bereits besonders anfällig für den Missbrauch von Substanzen sei.

Die Mitte teilt diese Befürchtungen und warnt, dass die Legalisierung von Cannabis für Erwachsene für Minderjährige zwangsläufig zu einem «leichteren Zugang» führen werde. Damit werde der eigentliche Zweck der Regulierung vereitelt. Die angekündigte Stärkung des Jugendschutzes sei eine Illusion. Die Sorge ist gross, dass ein legaler Markt den illegalen nicht ersetzen, sondern ergänzen könnte. So entstünde eine doppelte Bedrohung, bei der Cannabis allgegenwärtig wäre. Für diese Kritikerinnen und Kritiker wirkt der Versuch der Regierung, den Markt zu regulieren, weniger wie eine Schutzmassnahme als wie eine Kapitulation, die Jugendliche schutzlos zurücklässt.

Politische Spaltung: Vorreiter und Bewahrer

Die politischen Lager sind in dieser Frage vollständig gespalten, und die Rhetorik hat sich zugespitzt. Die rechte Schweizerische Volkspartei (SVP) griff den Gesetzesentwurf scharf an und bezeichnete ihn als «grob fahrlässig und kontraproduktiv». Sie argumentiert, dass der Onlineverkauf und die Normalisierung des Drogenkonsums die öffentliche Sicherheit untergrüben und das ohnehin stark belastete Gesundheitssystem unzumutbar strapazierten. Für die SVP ist dies kein Fortschritt, sondern ein Abbau einer verantwortungsvollen Drogenpolitik.

Die Sozialdemokratische Partei (SP) und die Grünliberale Partei (GLP) hingegen setzen sich für den Gesetzesentwurf ein und sehen darin eine notwendige Weiterentwicklung. Die SP stellt sich vor, dass die Schweiz in Europa eine «Vorreiterrolle» einnehmen und sich von gescheiterten Verboten abwenden könnte, hin zu einem System der Schadensminderung und Kontrolle. Die GLP unterstützt diese Sichtweise und erklärt, das geltende Verbot komme einzig dem illegalen Markt zugute. Klare Qualitätsstandards und ein rechtlicher Rahmen seien der einzige Weg, Konsumentinnen und Konsumenten tatsächlich zu schützen. Nach Abschluss der Vernehmlassung ist die ideologische Kluft grösser denn je: Die einen sehen eine Katastrophe für die öffentliche Gesundheit, die anderen einen fortschrittlichen Durchbruch.