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Swiss Observer

Pandemien und Strommangellagen an der Spitze der nationalen Risikoliste der Schweiz

Eine neue nationale Risikoanalyse für 2025, die vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz veröffentlicht wurde, bezeichnet eine schwere Pandemie und eine länger andauernde Strommangellage als die beiden grössten Risiken für die Schweiz. Ausschlaggebend sind ihr Schadenspotenzial und die Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens.

Pandemien und Strommangellagen an der Spitze der nationalen Risikoliste der Schweiz
AIThe Local Switzerland

Heute hallt aus Bern eine eindringliche Warnung wider: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) präsentiert seine nationale Risikoanalyse 2025. Das Urteil ist klar und beunruhigend: Die grössten Gefahren für die Schweiz gehen von zwei unterschiedlichen, aber gleichermassen verheerenden Bedrohungen aus: schweren Pandemien und länger andauernden Strommangellagen. Obwohl die Schweiz weiterhin zu den sichersten Ländern der Welt zählt, räumt der neue Bericht mit jeder Illusion der Unverwundbarkeit auf.

Die Analyse stützt sich auf das Fachwissen von 265 Spezialistinnen und Spezialisten und hebt diese beiden Gefahren als jene mit der höchsten Kombination aus Schadenspotenzial und Eintrittswahrscheinlichkeit hervor. Das ist keine rein theoretische Übung, sondern ein Aufruf zum Handeln an alle Kantone und Gemeinden. Der Bericht mit dem Titel «Katastrophen und Notlagen Schweiz 2025» erinnert eindringlich daran, dass trotz unserer Stabilität die beiden Schreckgespenster einer Gesundheitskrise und eines Zusammenbruchs des Stromnetzes grösser sind als jede andere Bedrohung. Im Jahr 2026 signalisiert der Bund, dass Vorsorge nicht mehr freiwillig, sondern eine nationale Notwendigkeit ist.

Energiesicherheit auf Messers Schneide

Die Lichter brennen zwar, doch die Gefahr, dass sie ausgehen, bleibt alarmierend hoch. Das unmittelbare Risiko einer Strommangellage ist gegenüber der Analyse von 2020 zwar technisch gesehen gesunken, dank neuer, einschneidender Bewirtschaftungspläne. Die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts wird jedoch weiterhin als «hoch» eingestuft. Das ist ein entscheidender Unterschied: Wir sind besser darauf vorbereitet, das Chaos zu bewältigen, doch die Wahrscheinlichkeit, dass es eintritt, ist unverändert.

Die Abhängigkeit der Schweiz von komplexen, miteinander verbundenen europäischen Stromnetzen bringt sie in eine prekäre Lage. Technische Gefahren wie Stromausfälle und Unfälle in Kernkraftwerken prägen die Risikolandschaft weiterhin. Die Analyse des BABS zeigt, dass sich die Massnahmen zur Risikominderung zwar verbessert haben, die grundlegende Verletzlichkeit unserer Energieinfrastruktur aber bestehen bleibt. Ein grossflächiger Stromausfall wäre nicht bloss lästig: Er würde die Wirtschaft lähmen und wichtige Dienstleistungen beeinträchtigen. Die Botschaft an den Energiesektor ist unmissverständlich: Die Wachsamkeit darf nicht nachlassen, und der Spielraum zwischen Stabilität und Dunkelheit bleibt hauchdünn.

Die wachsende Gefahr viraler Bedrohungen

Ein beunruhigender Trend: Die Gefahr einer neuen Pandemie hat in den letzten sechs Jahren deutlich zugenommen. Das BABS führt diese wachsende Gefahr auf eine brisante Mischung moderner Gegebenheiten zurück: die ungebremste Globalisierung, den intensiveren Kontakt zwischen Menschen und Tieren sowie die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels. Anders als bei Strommangellagen, bei denen die Massnahmen zur Risikominderung das Risiko stabilisiert haben, zeigt die Entwicklung bei biologischen Bedrohungen deutlich nach oben.

Pandemien werden als «gesellschaftliche Gefahren» eingestuft, ihr Potenzial für wirtschaftliche Verwüstungen kann es jedoch mit jeder Naturkatastrophe aufnehmen. Der Analyse zufolge haben uns die Erfahrungen des vergangenen Jahrzehnts nicht gegen künftige Ausbrüche gewappnet. Vielmehr sind die Bedingungen für die Ausbreitung von Viren günstiger denn je. Eine künftige Pandemie könnte massive Opferzahlen verursachen und die Wirtschaft lahmlegen. Sie wäre ein Katastrophenszenario, das sofortige und umfassende Präventionsplanung erfordert. Der Bericht macht deutlich: Die Frage ist nicht, ob ein weiterer Krankheitserreger auftreten wird, sondern wann und ob die Schweiz bereit sein wird.

Eine sich wandelnde nationale Gefahrenlage

Die Risikolandschaft ist nicht statisch, sondern verändert sich unberechenbar. Die Analyse 2025 identifiziert insgesamt 44 relevante Gefahren, und seit dem letzten Bericht hat sich einiges verändert. Neu auf der Liste sind Hangrutsche, Starkregen mit Oberflächenabfluss und Erdgasversorgungsausfälle. Sie sind direkte Folgen des Klimawandels und der geopolitischen Instabilität. Andere Risiken wie Unwetter und Ausfälle von Rechenzentren wurden hingegen gestrichen, weil technologische Fortschritte und bessere Massnahmen zur Risikominderung erzielt wurden.

Cyberangriffe gelten zwar als zunehmendes Alltagsärgernis, doch die Fachleute bieten eine überraschende Einordnung. Ein grossangelegter, koordinierter Cyberangriff, der mehrere Sektoren lahmlegen könnte, wird aufgrund seiner enormen Komplexität als nur «teilweise plausibel» beurteilt. Digitale Scharmützel sind zwar unvermeidlich, doch die Wahrscheinlichkeit einer digitalen Apokalypse ist derzeit geringer als jene physischer Bedrohungen wie Erdbeben oder Überschwemmungen. Diese Neubewertung ermöglicht es den Behörden, ihre Mittel dort einzusetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden: bei konkreten Gefahren mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit, die die Schweiz bedrohen.

Mit den Megatrends umgehen

Mit Blick auf die Zukunft muss sich die Schweiz mit einer Reihe von «Megatrends» auseinandersetzen. Der Klimawandel, die Digitalisierung und die geopolitische Polarisierung sind unsichtbare Kräfte, die unsere künftige Sicherheit prägen. Der Bericht kommt zum Schluss, dass diese Entwicklungen das Risikoprofil des Landes auch in den kommenden Jahrzehnten stark beeinflussen werden. Die Analyse ist mehr als eine Liste von Gefahren: Sie ist ein strategischer Plan für das Überleben.

Bund, Kantone und Gemeinden sowie Betreiberinnen und Betreiber kritischer Infrastrukturen müssen diese Erkenntnisse nun nutzen, um das Land zu stärken. Die Mitwirkung von 265 Fachleuten aus Privatwirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft stellt sicher, dass der Bericht eine umfassende, datengestützte Orientierungshilfe bietet. Angesichts einer ungewissen Zukunft ist der Auftrag klar: Wir müssen uns an diese Megatrends anpassen, sonst laufen wir Gefahr, von ihnen überwältigt zu werden. Die Widerstandsfähigkeit der Schweiz hängt davon ab, diese Daten in konkrete und entschlossene Massnahmen umzusetzen.