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Swiss Observer

Schweizer Spital stellt Europarekord bei Innovation in der Herztransplantation auf

Das Berner Inselspital hält ein Spenderherz mithilfe einer revolutionären Ex-vivo-Perfusionstechnik 12 Stunden lang funktionsfähig und verdoppelt damit die Erfolgsrate von Transplantationen

Schweizer Spital stellt Europarekord bei Innovation in der Herztransplantation auf
AISWI swissinfo.ch

Das Berner Inselspital hat die Grenzen der Transplantationsmedizin gesprengt: Ein menschliches Herz blieb unglaubliche 12 Stunden lang am Leben, bevor es erfolgreich eingepflanzt wurde. Das ist nicht einfach ein medizinischer Eingriff, sondern auch eine logistische Meisterleistung, die einen neuen Europarekord aufstellt. Als Unwetter das für Bern vorgesehene Transportflugzeug am Boden hielt, mussten die Ärztinnen und Ärzte eine entscheidende Wahl treffen: Sie transportierten das Organ mit dem Auto durch die anspruchsvolle Schweizer Landschaft. Früher hätte diese Verzögerung für das Organ das Todesurteil bedeutet. Herkömmliche Methoden lassen ein Zeitfenster von höchstens vier Stunden, bevor Gewebeschäden unumkehrbar werden. Das Team des Inselspitals trotzte diesen Widrigkeiten jedoch und verwandelte eine mögliche Tragödie in einen wegweisenden Erfolg für die Innovation im Gesundheitswesen. Das Herz überstand nicht nur die lange Reise, sondern kam in optimalem Zustand an und war bereit, ein Leben zu retten. Dieses Ereignis zeigt, dass Entfernung und Wetter keine unüberwindbaren Hindernisse im Wettlauf gegen die Zeit mehr sind.

Das Ende der Kühlbox

Die Ära der Kühlbox aus Kunststoff ist vorbei. Jahrzehntelang verliessen sich Chirurginnen und Chirurgen auf eine primitive Methode: Sie trennten das Organ ab, spülten es mit einer kalten Lösung und betteten es in Eis. Diese sogenannte kalte Ischämie setzte die Lebensfunktionen aus, erhielt das Organ aber nur knapp am Leben. Die Funktionsfähigkeit war auf gerade einmal vier Stunden begrenzt. Das Inselspital hat diese überholte Praxis zugunsten der revolutionären Ex-vivo-Perfusionstechnologie aufgegeben. Statt das Herz durch Kälte stillzulegen, hält diese hochmoderne Maschine das Organ warm, lässt es schlagen und versorgt es mit Nährstoffen. Sie pumpt eine sauerstoffreiche, nährstoffhaltige Lösung durch die Gefässe des Herzens und ahmt so die natürliche Umgebung des menschlichen Körpers nach. Das ist eine aktive Konservierung. Das Herz bleibt stoffwechselaktiv, sodass die Ärztinnen und Ärzte seine Funktion während des Transports laufend beurteilen können. Indem das Organ in einem nahezu physiologischen Zustand gehalten wird, haben Schweizer Ärztinnen und Ärzte das sichere Transportzeitfenster effektiv verdreifacht. So wird aus einem Wettlauf gegen die Uhr ein kontrollierter und präziser medizinischer Eingriff.

Deutlich höhere Erfolgsraten

Die Auswirkungen dieser Innovation zeigen sich unmittelbar und sind statistisch eindeutig. David Reineke, Leiter der Herzchirurgie am Inselspital, nimmt kein Blatt vor den Mund und bezeichnet die Technologie als «absoluten Gamechanger» für die Schweizer Transplantationsmedizin. Die Daten bestätigen seine Zuversicht. Seit der Einführung dieser Methode sind die Wartezeiten auf geeignete Organe am Spital um ein Drittel gesunken. Noch bemerkenswerter ist, dass sich die Zahl der Patientinnen und Patienten, die eine lebensrettende Transplantation erhalten, innert kürzester Zeit verdoppelt hat. Dieser Anstieg hilft, einen entscheidenden Engpass im Gesundheitswesen zu überwinden: den Mangel an geeigneten Organen. Weil das Zeitfenster, in dem ein Organ funktionsfähig bleibt, auf 12 Stunden verlängert wird, vergrössert sich der geografische Einzugsbereich möglicher Spenderinnen und Spender. Dadurch werden Vermittlungen über viel grössere Distanzen möglich. Wir erleben einen markanten Effizienzsprung, der sich direkt in geretteten Leben niederschlägt. Die Technologie verschafft nicht nur mehr Zeit, sondern auch Patientinnen und Patienten Hoffnung, die zuvor keine hatten.

Eine neue Ära für die Schweizer Medizin

Dem Patienten, der im Zentrum dieser rekordverdächtigen Operation stand, geht es Berichten zufolge sehr gut. Er ist ein lebendiger Beweis für die Exzellenz der Schweizer Medizin. Dieser Erfolg festigt den Status des Inselspitals als weltweit führende Institution für Innovationen in der Transplantationsmedizin. Wir lösen uns von den Einschränkungen durch geografische Distanzen und Wetter. Wenn ein Herz eine zwölfstündige Autofahrt durch einen Sturm übersteht, wachsen die Möglichkeiten für den internationalen Organaustausch exponentiell. Dieser Erfolg läutet eine Zukunft ein, in der die einst «unmögliche» Logistik zum Routineverfahren wird. Die Schweiz setzt nicht einfach neue Technologien ein, sondern leistet Pionierarbeit bei ihrer Anwendung unter extremsten Bedingungen. Wenn sich diese Technologie als Standard etabliert, könnte der beängstigende Mangel an verfügbaren Organen auf der Warteliste endlich zurückgehen. An seine Stelle träte ein System, das von Widerstandsfähigkeit, Präzision und beispiellosen Überlebensraten geprägt ist.