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Swiss Observer

Kritische Lawinengefahr in der Schweiz: Snowboarder stirbt in Davos

Während in den Alpen vor einer kritischen Lawinengefahr gewarnt wird, ist nahe Davos ein 38-jähriger Snowboarder ums Leben gekommen. Damit steigt die Zahl der Lawinentoten in diesem Winter auf zwölf. Die Behörden warnen vor grossen, spontanen Lawinen, die Wintersportgebiete und Verkehrswege gefährden.

Kritische Lawinengefahr in der Schweiz: Snowboarder stirbt in Davos
AISWI swissinfo.ch

Die Schweizer Alpen haben ein weiteres Leben gefordert. Damit steigt die traurige Zahl der Todesopfer in diesem Winter auf zwölf. Am Sonntagnachmittag wurde ein 38-jähriger Schweizer Snowboarder unterhalb des Schwarzhorns im bekannten Skigebiet Parsenn bei Davos verschüttet und getötet. Trotz eines gross angelegten, rasch mobilisierten Rettungseinsatzes konnte der Berg sein Opfer nicht lebend hergeben.

Der Rettungseinsatz war enorm und unterstreicht die Schwere des Unglücks. Eine Begleitperson alarmierte umgehend die Behörden. Daraufhin rückten 16 Mitarbeitende der Bergbahnen, fünf Fachleute des SOS-Rettungszentrums, SAC-Bergretter mit drei Lawinenhunden sowie eine Rega-Helikoptercrew aus. Obwohl mehr als 40 Einsatzkräfte und Freiwillige das freie Gelände absuchten, endete der Einsatz tragisch. Der jüngste Todesfall in Graubünden führt auf brutale Weise vor Augen, wie unberechenbar die aktuelle Schneedecke ist. Es handelt sich nicht bloss um eine Statistik: Eine Familie ist schwer getroffen und eine Gemeinschaft trauert, während die Zahl der Todesopfer in dieser Saison unaufhaltsam steigt.

Kritische Warnung: Gefahrenstufe steigt auf hoch

Die Schweiz sieht sich derzeit mit einer kritischen Lawinensituation konfrontiert, die von den Behörden als sehr instabil bezeichnet wird. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat eindringlich gewarnt: Die Lawinengefahr steigt stark an. Bis Dienstag wird erwartet, dass im gesamten Kanton Graubünden die Gefahrenstufe 4, hoch, erreicht wird. Das ist kein Probealarm: Spontane Lawinen grossen Ausmasses könnten die Berghänge hinunterdonnern, ohne dass ein Mensch sie auslöst.

Eine gefährliche Mischung aus Neuschnee und stürmischen Winden hat am Alpennordhang und im Wallis instabile Triebschneeansammlungen entstehen lassen. Im WSL-Bulletin wird ausdrücklich davor gewarnt, dass Lawinen unter diesen Bedingungen leicht ausgelöst werden können. Werden tiefere, schwache Schichten der Schneedecke gestört, könnten die Lawinen katastrophale Ausmasse erreichen. Die Schneefallgrenze ist auf 1’000 Meter gestiegen, wodurch die Schneedecke zusätzlich belastet und instabil wird. Für Wintersportlerinnen und Wintersportler ist die Botschaft eindeutig: Wer sich derzeit abseits gesicherter Pisten bewegt, spielt russisches Roulette.

Infrastruktur lahmgelegt und Ortschaften evakuiert

Die heftigen Winterstürme greifen von den Gipfeln auf wichtige Infrastrukturen und Wohngebiete über. Die Naturgewalten haben bereits wichtige Verkehrsachsen unterbrochen: Am Montagmorgen donnerte nahe Goppenstein eine spontane Lawine nieder und beeinträchtigte den Bahnverkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Brig und Frutigen. Der Vorfall zeigt, wie weit die aktuelle Gefahr reicht: Sie beschränkt sich nicht auf hochalpine Freeride-Gebiete, sondern bedroht auch die Talböden und Verkehrswege, die die Schweiz in Bewegung halten.

Noch alarmierender ist die Lage in der Walliser Gemeinde Orsières, wo die Behörden rund 50 Einwohnerinnen und Einwohner evakuieren mussten. Unwetter und heftige Winde machten es zu gefährlich, die Bevölkerung vor Ort zu lassen, und erforderten einen sofortigen Rückzug. Diese vorsorgliche Massnahme zeigt, wie unberechenbar die aktuelle Sturmperiode ist. Zwar dürfte der Niederschlag bis Dienstagabend nachlassen, doch die Beeinträchtigungen im Alltag bleiben erheblich. Das Schweizer Verkehrsnetz, sonst ein Vorbild an Zuverlässigkeit, ist derzeit den Naturgewalten ausgeliefert.

Tödliche regionale Verteilung: Das Wallis trägt die Hauptlast

Die Todesfallstatistik dieses Winters zeigt ein beunruhigendes Muster und eine tödliche geografische Verteilung in den Schweizer Alpen. Von den bisher zwölf Todesopfern entfielen sieben auf den Kanton Wallis, das Zentrum der Tragödie. Damit stammt mehr als die Hälfte der Todesfälle aus diesem Kanton. Graubünden folgt mit drei Todesopfern, darunter der jüngste Todesfall in Davos, während im Tessin zwei Menschen ums Leben gekommen sind.

Diese regionale Ungleichheit zeichnet ein düsteres Bild der Verhältnisse im Südwesten. Die Gefahr ist zwar weit verbreitet, doch die besondere Kombination aus Gelände und Wetter im Wallis hat sich in dieser Saison als besonders tödlich erwiesen. Für Mittwoch sagt die WSL voraus, dass die akute Gefahr mit nachlassenden Niederschlägen zwar leicht abnehmen könnte, das Risiko aber hoch bleibt. Die Schneedecke bleibt tückisch, und die statistische Wahrscheinlichkeit weiterer Unglücke ist beunruhigend hoch. Die Schweiz bleibt in Alarmbereitschaft und hofft, den Anstieg der Todesopfer noch vor Ende des Winters aufzuhalten.