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Swiss Observer

Saharastaubwolke zieht über die Schweiz, Himmel färbt sich orange

Ein Tiefdruckgebiet über Nordafrika hat eine bedeutende Saharastaubwolke in die Schweiz transportiert. Dadurch ist die Sicht deutlich eingeschränkt und das Land in einen gelb-orangen Schimmer getaucht. Das Phänomen dürfte am Freitag seinen Höhepunkt erreichen und die Luftqualität sowie die Wetterlage beeinflussen.

Saharastaubwolke zieht über die Schweiz, Himmel färbt sich orange
AISWI swissinfo.ch

Ein surreales, sepiafarbenes Schleierband hat sich über die Schweizer Landschaft gelegt, während eine riesige Saharastaubwolke über das Land zieht. In der Westschweiz ist die Sicht bereits stark zurückgegangen. Die dichte Partikelwolke verwandelt vertraute Alpenpanoramen in geisterhafte Silhouetten. Meteonews bestätigte am Donnerstagnachmittag, dass die westlichen Kantone derzeit mit den höchsten Konzentrationen zu kämpfen haben, und erklärte unmissverständlich, «dass sich bereits viel Saharastaub in der Luft befindet». Während der Osten zunächst noch von klarem Himmel profitierte, drängt der Dunst unerbittlich nach Osten und verschluckt den Horizont in einem gelb-orangen Schimmer. Dabei handelt es sich nicht nur um ein visuelles Schauspiel, sondern um ein bedeutendes atmosphärisches Ereignis, das die Qualität der Luft, die wir atmen, verändert. Während die Sonne kaum durch den schwebenden Sand dringt, erlebt die Schweiz ein Wetterphänomen, das unwirklich erscheint: Der makellos blaue Himmel über den Alpen verwandelt sich in eine schwere, undurchsichtige Decke.

Sturm Regina: Der Motor hinter dem Staub

Verursacht wird dieser atmosphärische Einfall durch das Tiefdruckgebiet «Regina», das derzeit über Marokko tobt. Das kräftige Tief wirkt wie eine riesige atmosphärische Pumpe: Es wirbelt grosse Mengen Wüstensand aus der Sahara auf und schleudert sie in die oberen Schichten der Atmosphäre. Dort werden die Partikel von Höhenströmungen erfasst und Tausende Kilometer weit nach Norden Richtung Mitteleuropa getragen. Es zeigt, wie eng die globalen Wettersysteme miteinander verbunden sind, wenn ein Sturm in Nordafrika die Bedingungen in Bern und Zürich so stark beeinflussen kann. Während schwerere Partikel rasch zu Boden sinken, legen die feineren Staubteilchen die weite Strecke zurück und werden von den Winden über den Kontinent getragen. Dieser dynamische Transportmechanismus verdeutlicht die enorme Energie des Tiefdruckgebiets «Regina», das weiterhin afrikanischen Boden direkt ins Herz der Schweiz befördert.

Millionen Tonnen in der Luft

Das Ausmass dieses Sedimenttransports ist schlicht überwältigend. Jedes Jahr gibt die Sahara 60 bis 200 Millionen Tonnen Staub an die Atmosphäre ab. Diese Menge übertrifft Industrieemissionen deutlich, wenn man allein die Masse betrachtet. Die Schweiz ist ein wichtiger Auffangort für diese Fracht aus der Luft. Daten der hoch gelegenen Forschungsstation auf dem Jungfraujoch zeigen, dass die Staubbelastung regelmässig auftritt: Die Sensoren messen Saharastaub insgesamt 200 bis 650 Stunden pro Jahr. Das ist keine seltene Ausnahme, sondern ein massiver, wiederkehrender geologischer Transport. Das aktuelle Ereignis trägt erheblich zu diesen Jahreswerten bei und macht die Schweizer Atmosphäre vorübergehend zu einem Reservoir für nordafrikanischen Boden. Wenn sich die Partikel absetzen, verschwinden sie nicht einfach: Sie überziehen Autos, Fenster und Gletscher mit einem feinen rotbraunen Film. So erinnern sie sichtbar an die Millionen Tonnen Material, die sich lautlos über unseren Köpfen bewegen.

Höhepunkt am Freitag und saisonale Muster

Die Bevölkerung sollte sich darauf einstellen, dass sich die Lage weiter verschärft: Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) prognostiziert, dass die Staubkonzentration am Freitag ihren absoluten Höchststand erreicht. Wir befinden uns derzeit mitten in der Hauptsaison für solche Ereignisse. Historische Daten bestätigen, dass Saharastaub am häufigsten zwischen März und Juni in die Schweiz gelangt, mit einer zweiten Saison im Spätherbst. Auch wenn der Himmel apokalyptisch wirken mag, entspricht dies einem gut dokumentierten klimatischen Muster. Die Dichte dieser speziellen Staubwolke ist jedoch bemerkenswert. Gegen das Wochenende dürften sich die Höhenströmungen verlagern und den Himmel schliesslich wieder freiblasen. Bis dahin steht die Schweiz weiterhin unter dem Einfluss der Wüste. Das erinnert eindrücklich daran, dass die Natur Grenzen überwinden und unsere Umwelt über Nacht verändern kann.