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Swiss Observer

Pandemien und Strommangellagen an der Spitze der grössten Risiken für die Schweiz

Eine neue nationale Risikoanalyse des Bundesamts für Bevölkerungsschutz stuft Pandemien und eine lang anhaltende Strommangellage aufgrund ihres hohen Schadenspotenzials und ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit als die bedeutendsten Bedrohungen für die Schweiz ein.

Pandemien und Strommangellagen an der Spitze der grössten Risiken für die Schweiz
AIThe Local Switzerland

Die Schweiz sieht sich mit einer ernüchternden neuen Realität konfrontiert. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) hat seine abschliessende Risikoanalyse 2025 veröffentlicht, und das Urteil ist eindeutig: Pandemien und lang anhaltende Strommangellagen sind heute die mit Abstand grössten Bedrohungen für das Land. Das ist keine Übung, sondern ein datenbasierter Weckruf.

Der Bericht mit dem Titel Katastrophen und Notlagen Schweiz 2025 stuft diese beiden Katastrophen aufgrund einer beunruhigenden Kombination als besonders gefährlich ein: ein enormes Schadenspotenzial und eine erschreckend hohe Eintrittswahrscheinlichkeit. Die Schweiz gehört zwar weiterhin zu den sichersten Ländern der Welt, doch die Analyse des BABS lässt keinen Raum für Selbstzufriedenheit. Wir sehen uns einer Lage gegenüber, in der biologische Bedrohungen und die Unsicherheit der Energieversorgung stärker denn je ins Gewicht fallen. Dass diese beiden Gefahren bei der Analyse von 44 verschiedenen Gefährdungen besonders hervorstechen, signalisiert einen grundlegenden Wandel der Prioritäten für die nationale Sicherheit. Die Regierung schlägt Alarm, und die Botschaft ist klar: Die Frage ist nicht, ob eine Krise den Bund herausfordern wird, sondern welche zuerst eintritt.

Stromnetz unter Druck: Der anhaltende Schatten der Energieknappheit

Heute brennt das Licht vielleicht noch, doch die Gefahr, dass es ausgeht, bleibt sehr hoch. Trotz neuer, seit 2020 umgesetzter Pläne zur Stromrationierung und Gegenmassnahmen ist die Wahrscheinlichkeit einer schwerwiegenden Strommangellage nicht eingebrochen, sondern weiterhin hoch. Der Bericht des BABS stuft sie als technische Gefährdung höchster Stufe ein, die die Wirtschaft lahmlegen und den Alltag in grossem Umfang beeinträchtigen könnte.

Das Risiko, berechnet anhand des möglichen Schadens, ist dank Vorsorgemassnahmen leicht gesunken. Die Eintrittswahrscheinlichkeit hingegen geht nicht zurück. Die Schweiz ringt mit einer anfälligen Energieversorgung, bei der die Versorgung nicht immer gewährleistet werden kann. Dieser Unterschied ist entscheidend: Wir sind besser auf eine Mangellage vorbereitet, doch die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche eintritt, bleibt hartnäckig hoch. Zudem weist die Analyse auf Unfälle in Kernkraftwerken und grossflächige Stromausfälle als damit verbundene technische Gefährdungen hin. In einer digitalisierten Gesellschaft, die auf eine ständige Stromversorgung angewiesen ist, erinnert uns die anhaltende Bedrohung deutlich an die Verwundbarkeit unserer Infrastruktur.

Virale Unsicherheit: Warum die PandemiebBedrohung stark zunimmt

Ein beunruhigender Trend: Die Gefahr einer neuen Pandemie ist in den vergangenen sechs Jahren deutlich gestiegen. Während die Welt versucht, die jüngste Vergangenheit hinter sich zu lassen, warnen Schweizer Fachleute, dass die Voraussetzungen für eine biologische Katastrophe günstiger sind denn je. Das BABS führt diese zunehmende Gefahr auf ein tödliches Zusammenspiel zurück: die ungezügelte Globalisierung, den intensiveren Kontakt zwischen Menschen und Tieren sowie die destabilisierenden Folgen des Klimawandels.

Anders als bei der Strommangellage, bei der Gegenmassnahmen das Risiko stabilisiert haben, nimmt die PandemiebBedrohung zu. Das Schadenspotenzial, gemessen an den menschlichen Opfern und den wirtschaftlichen Folgen, wird als extrem eingestuft. Unter den gesellschaftlichen Gefährdungen gehören Pandemien inzwischen neben bewaffneten Konflikten zu den zerstörerischsten Bedrohungen für den Bund. Dies zeigt deutlich: Die öffentliche Gesundheit ist nicht mehr nur eine medizinische Angelegenheit, sondern ein vorrangiges Anliegen der nationalen Sicherheit. Dem Bericht zufolge nimmt unsere Gefährdung durch Viren unausweichlich zu, je stärker unsere Welt vernetzt ist und je instabiler unsere Umwelt wird.

Wechselnde Gefahren: Neue Bedrohungen treten auf, alte verlieren an Bedeutung

Die Risikolandschaft ist nicht unveränderlich, sondern entwickelt sich ständig weiter. Die Analyse 2025 nimmt neue Gefährdungen in die Liste auf: Erdrutsche, Starkregen mit Oberflächenabfluss und Engpässe bei der Erdgasversorgung gelten nun offiziell als Gefahren. Diese Ergänzungen spiegeln das sich wandelnde Klima und die veränderte geopolitische Lage der Energieversorgung wider.

Andere Gefahren wurden hingegen aus dem Register gestrichen. Als Zeichen für den technologischen Fortschritt und wirksame Abwehrmassnahmen gelten Unwetter, Ausfälle von Rechenzentren und Angriffe auf gefährliche Bahngüter nicht mehr als nationale Risiken höchster Stufe. Besonders überraschend ist vielleicht, dass gross angelegte, koordinierte Cyberkatastrophen zwar als zunehmende Alltagsbelastung anerkannt werden, aber nur als «teilweise plausibel» gelten. Fachleute argumentieren, dass die gleichzeitige Ausschaltung mehrerer Sektoren so komplex wäre, dass es potenziellen Tätern derzeit an konkreten Absichten fehle. Diese Unterscheidung ist entscheidend: Wir sind digitalen Scharmützeln ausgesetzt, doch eine digitale Apokalypse gilt derzeit als weniger wahrscheinlich als eine biologische.

Die Wirkung der Megatrends: Wie Geopolitik und Klima Sicherheit neu definieren

Dieser Bericht ist mehr als eine Liste von Gefahren. Er ist ein Wegweiser für das Überleben in einer von «Megatrends» geprägten Zeit. Der Klimawandel, die rasche Digitalisierung und die geopolitische Polarisierung sind die unsichtbaren Kräfte, die diese Risiken antreiben. Die Analyse des BABS, an der insgesamt 265 Fachleute aus Wissenschaft, Verwaltung und Privatwirtschaft mitgewirkt haben, kommt zum Schluss, dass diese globalen Kräfte das Sicherheitsprofil der Schweiz über Jahrzehnte hinweg weiter verändern werden.

Die Folgen sind weitreichend. Das Dokument dient als grundlegender Leitfaden für die Vorsorgeplanung auf allen staatlichen Ebenen, beim Bund, in den Kantonen und in den Gemeinden. Es ist ein klarer Auftrag an die Betreiber kritischer Infrastrukturen, ihre Schutzmassnahmen zu verstärken. Während die Schweiz einer Zukunft entgegengeht, in der Naturgefahren wie Erdbeben und Überschwemmungen neben gesellschaftlichen Bedrohungen wie bewaffneten Konflikten stehen, ist die Botschaft unmissverständlich: Anpassungsfähigkeit ist unser einziger wirklicher Schutz. Die Zeit statischer Abwehr ist vorbei, die Zeit dynamischer Widerstandsfähigkeit hat begonnen.