Kultur
Die Schweizer Jazzpionierin Miriam Klein stirbt im Alter von 89 Jahren
Die Schweizer Jazzsängerin Miriam Klein ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Als Pionierin des europäischen Jazz trat sie international auf und arbeitete mit führenden amerikanischen Musikern zusammen, darunter Dexter Gordon und Roy Eldridge.

Miriam Klein, die Basler Sängerin, die sich im europäischen Jazz einen Platz erkämpfte, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Ihre Familie teilte mit, sie sei am 2. Oktober gestorben. Ihre Karriere führte sie über Kontinente und Generationen hinweg, von ihren Anfängen im Paris der Nachkriegszeit bis zu Auftritten mit führenden amerikanischen Jazzmusikern und einer späten Rückkehr ins Tonstudio. Klein arbeitete in einer von Männern dominierten Branche und baute sich ihre eigene Karriere als Musikerin und Unternehmerin auf. Ihr Sohn, der Saxofonist David Klein, beschrieb sie als unabhängige Musikerin, die ohne professionelle Vertretung arbeitete. Sie zog auch vier Kinder gross und übernahm zeitweise allein die Verantwortung für sie. Ihr Lebensweg verband eine ausgeprägt schweizerische Geschichte mit der umfassenderen Geschichte des Jazz: die Geschichte einer in Basel geborenen Künstlerin, die in Wien studierte, in New York Aufnahmen machte und am Montreux Jazz Festival auftrat.
Ihr Weg durch die Jazzmetropolen
Klein begann in den 1950er-Jahren in Paris zu singen und studierte später Musik in Wien, wo sie mit dem Pianisten Joe Zawinul arbeitete, der später zu einer Schlüsselfigur des internationalen Jazz wurde. Sie kehrte in die Schweiz zurück und trat ab den 1960er-Jahren mit ihrem damaligen Ehemann, dem Gitarristen und Trompeter Oscar Klein, auf. Er starb 2006. Ihre Zusammenarbeit reichte weit über die Schweizer Szene hinaus. Zu den amerikanischen Jazzmusikern, mit denen sie arbeitete, gehörten der Saxofonist Dexter Gordon, der Schlagzeuger Billy Cobham, der Trompeter Roy Eldridge sowie die Pianisten Mal Waldron und Roland Hanna. Diese Partnerschaften brachten Klein mit bedeutenden Persönlichkeiten verschiedener Generationen und Stilrichtungen zusammen. Zu den dokumentierten Stationen ihrer Karriere zählen auch Auftritte in Montreux und Albumaufnahmen in New York. Sie arbeitete mit dem Orchester von Schweizer Radio DRS und verband so ihre internationale Tätigkeit mit einer nationalen Rundfunkinstitution.
Der Durchbruch, der sie international bekannt machte
Das Album Lady Like – Miriam Klein sings Billie Holiday von 1973 verschaffte Klein den internationalen Durchbruch. Die Platte war eine Hommage an Holiday, die Klein als ihr Vorbild betrachtete und deren Spitzname «Lady Day» lautete. In den folgenden Jahren trat Klein am Montreux Jazz Festival auf, nahm Alben in New York auf und arbeitete mit dem Orchester von Schweizer Radio DRS zusammen. Ihr Schaffen endete nicht mit dieser Durchbruchsphase. 2001 kehrte sie mit My Marilyn, einem gemeinsam mit ihrem Sohn David Klein, einem Saxofonisten, aufgenommenen Album, ins Tonstudio zurück. Das Duo führte Lieder aus Filmen mit Marilyn Monroe auf. Kleins Karriere bewegte sich zwischen Hommage, Zusammenarbeit und ihrer eigenen Rolle als Bandleaderin und Sängerin. Ihre Diskografie und Festivalauftritte verbinden ihre Geschichte sowohl mit amerikanischen Jazztraditionen als auch mit der Schweizer Konzert- und Rundfunkszene.
Das Leben hinter der Musik in Erinnerung behalten
Klein wurde am 27. März 1937 in Basel in eine jüdische Familie geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Während des Zweiten Weltkriegs nahmen ihre Eltern laut einer kurzen Familienbiografie Flüchtlinge auf, die sich unter Eisenbahnwaggons versteckt über die Schweizer Grenze geschmuggelt hatten. Die Musik blieb auch in späteren Jahren Teil von Kleins Leben. Zuletzt stand sie mit ihrem Partner und musikalischen Weggefährten, dem Jazzpianisten und Komponisten Christian Gutfleisch, auf der Bühne. In Davids Schilderung ihrer Karriere hob ihr Sohn auch hervor, dass sie vier Kinder grosszog und zugleich Musik machte, manchmal als deren alleinige Betreuungsperson. Kleins Weg von Basel über Paris, Wien und Montreux bis nach New York spiegelt sich in der Vielfalt ihrer Auftritte und Zusammenarbeit wider. Ihre Familie, Mitmusiker und Zuhörerinnen und Zuhörer erinnern sich nun an eine Sängerin, deren Schaffen weit über die Schweiz hinausreichte.