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Swiss Observer

Holcim verkauft Philippinengeschäft für 807 Millionen US-Dollar an chinesisches Unternehmen

Der Schweizer Baustoffkonzern Holcim verkauft seine Geschäftstätigkeit auf den Philippinen an das chinesische Unternehmen Huaxin Building Materials. Die Transaktion im Wert von 807 Millionen US-Dollar ist Teil der umfassenderen Strategie von Holcim, das Unternehmensportfolio zu schärfen.

Holcim verkauft Philippinengeschäft für 807 Millionen US-Dollar an chinesisches Unternehmen
AISWI swissinfo.ch

Ein Deal über stolze 807 Millionen US-Dollar verändert die globale Bauwirtschaft: Der in Zug ansässige Konzern Holcim besiegelt seinen Rückzug von den Philippinen. Es handelt sich nicht um einen einfachen Rückzug, sondern um einen gezielten Verkauf mit hohem Einsatz, bei dem der Schweizer Branchenriese sein gesamtes regionales Geschäft an das chinesische Unternehmen Huaxin Building Materials abtritt. Der Deal hat einen Wert von rund 654 Millionen Franken und markiert eine entschlossene Neuausrichtung der globalen Ausrichtung von Holcim. In einer ersten Phase wird unmittelbar eine Beteiligung von 68 Prozent für 527 Millionen US-Dollar übertragen. Während der Markt gespannt abwartete, sicherte sich Holcim einen gestaffelten Verkaufsmechanismus für die verbleibenden Aktien, der in den nächsten drei bis fünf Jahren einen garantierten Mindestpreis von 280 Millionen US-Dollar gewährleistet. Dieser strukturierte Ausstieg zeigt, dass Holcim bei seinen Vermögenswerten keine Abstriche beim Preis hinnehmen will. Die Transaktion soll im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen werden und läutet für den Schweizer Konzern eine neue Ära schlanker, fokussierter Geschäftstätigkeit ein.

Chinas Huaxin sichert sich strategischen Zugang

Huaxin Building Materials baut seine Präsenz aggressiv aus und übernimmt mit einem einzigen Schritt eine Mehrheitsbeteiligung von 68 Prozent am Philippinengeschäft von Holcim. Die Übernahme bedeutet eine grundlegende Verschiebung des industriellen Einflusses in Südostasien. Während sich Holcim zurückzieht, um sich auf nachhaltige Lösungen mit hohen Margen zu konzentrieren, setzt Huaxin verstärkt auf die Nachfrage nach traditioneller Infrastruktur. Das chinesische Unternehmen kauft nicht einfach Fabriken, sondern eine marktführende Position in einer der dynamischsten aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens. Der Deal bildet einen faszinierenden Gegensatz: Ein europäischer Konzern setzt auf «grüne» Innovation, während ein chinesischer Branchenriese auf reine Grösse aus ist. Diese Anfangsinvestition von 527 Millionen US-Dollar ist erst der Anfang, denn Huaxin bereitet sich darauf vor, bis 2031 auch die verbleibenden Aktien zu übernehmen. Nun liegt der Schlüssel für diesen Übergang bei den Aufsichtsbehörden, doch die Dynamik ist unübersehbar. Während sich die Schweizer zurückziehen, treten die Chinesen auf den Markt und verändern damit grundlegend das Wettbewerbsgefüge der regionalen Zementindustrie.

Anleger begrüssen die Optimierung des Portfolios

Die Zürcher Börse reagierte gelassen und zuversichtlich: Die Holcim-Aktie, ein Schwergewicht im Swiss Market Index, legte unmittelbar nach der Ankündigung um 0,3 Prozent zu. Die Anlegerinnen und Anleger honorieren offensichtlich Holcims Disziplin. Trotz eines Rückgangs von 6 Prozent seit Januar bleibt die langfristige Entwicklung des Unternehmens beeindruckend: In den vergangenen fünf Jahren erzielte die Aktie eine Rendite von 172 Prozent. Dieser Verkauf ist das jüngste Kapitel eines tiefgreifenden Umbaus, in dessen Rahmen Holcim erst im vergangenen Jahr sein Nordamerikageschäft Amrize in einem Rekorddeal über 33,7 Milliarden US-Dollar abgespalten hat. Mit dem Verkauf nicht strategischer Vermögenswerte wie des Geschäfts auf den Philippinen schärft Holcim den Fokus auf seine Umsatzziele für 2025, die bereits 15,7 Milliarden Franken erreicht haben. Die Botschaft an den Markt ist klar: Holcim jagt nicht mehr um jeden Preis dem Volumen nach. Stattdessen stellt der Konzern ein leistungsstarkes Portfolio zusammen, das Nachhaltigkeit und Innovation gegenüber einer geografischen Ausdehnung priorisiert.

Schweizer Industriekonzern richtet seine Zukunft neu aus

Holcim erfindet neu, was es bedeutet, im 21. Jahrhundert ein Schweizer Industriekonzern zu sein. Die 1912 im Aargau gegründete und 2015 durch die Fusion mit Lafarge neu formierte Gruppe ist heute in 45 Ländern tätig und beschäftigt mehr als 50 000 Mitarbeitende. Doch Holcim von morgen unterscheidet sich stark von Holcim von gestern. Mit dem Verkauf des Geschäfts auf den Philippinen lenkt das Unternehmen Kapital in «innovative Lösungen für nachhaltiges Bauen». Das ist nicht bloss Unternehmensjargon, sondern eine Überlebensstrategie in einer Welt, die klimaneutrale Baustoffe verlangt. Der Verkauf an Huaxin ist ein entscheidender Moment, der den Wandel der Schweiz von der traditionellen Schwerindustrie hin zu Hightech, hochwertigen Dienstleistungen und nachhaltiger Produktion unterstreicht. Indem Holcim sich von älteren Vermögenswerten trennt, festigt der Konzern seine Position als globaler Vorreiter der grünen Transformation. Der Erlös von 807 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf auf den Philippinen dürfte die nächste Welle Schweizer Innovation finanzieren und dafür sorgen, dass der Einfluss des Unternehmens trotz kleinerer Präsenz bedeutender denn je sein wird.