Wirtschaft
Schweizer Marken On und Mammut im globalen Klimabericht zur Modeindustrie bewertet
Ein neuer Bericht zu den Klimazielen der Modeindustrie zeigt, dass die meisten grossen Unternehmen nicht auf Kurs sind. Die Schweizer Unternehmen On und Mammut erhielten mittelmässige bis schlechte Noten. On wurde dafür kritisiert, sich öffentlich nicht zur Energiewende zu bekennen. Dies verdeutlicht die Kluft zwischen Anspruch und Umsetzung in der Branche.

Die globale Modeindustrie besteht ihre Klimaprüfung nicht, und die Ergebnisse sind alarmierend. Laut dem «Fossil-Free Fashion Scorecard 2025» der NGO Stand.earth sind erstaunliche 93 Prozent der weltweit grössten Modeunternehmen völlig ausser Kurs, wenn es darum geht, wichtige Klimaziele zu erreichen. Nur drei der 42 einflussreichsten Marken sind derzeit auf einem klaren Weg, die globale Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen. Dies ist ein systemisches Versagen der gesamten Branche, von Luxuskonzernen bis hin zu Fast-Fashion-Riesen.
Während viele Unternehmen Ziele für erneuerbaren Strom in ihren eigenen Fabriken zum Standard gemacht haben, sieht sich die Branche mit einer viel düstereren Realität konfrontiert: den Emissionen ausgelagerter Lieferketten. Stand.earth berichtet, dass diese zentrale Herausforderung sträflich vernachlässigt wird. Die Kluft zwischen öffentlichem Anspruch und tatsächlicher Umsetzung wird grösser, sodass sich die grosse Mehrheit der Branche immer weiter von den Zielen des Pariser Abkommens entfernt. Während sich die Klimakrise beschleunigt, stellt die Unfähigkeit der Modewelt, ihre Lieferketten sauberer zu gestalten, eine direkte Bedrohung für die globale Umweltstabilität dar.
On Running: Ein Stolpern auf der Weltbühne
Der in Zürich ansässige Liebling On Running ist auf seinem Weg zu mehr Nachhaltigkeit auf eine erhebliche Hürde gestossen. Trotz seines kometenhaften Aufstiegs auf dem Weltmarkt und eines Markenimages, das tief in der Schweizer Natur verwurzelt ist, erhielt On eine enttäuschende Gesamtnote von D+. Besonders gravierend ist die Note F, die das Unternehmen für sein fehlendes öffentliches Bekenntnis zur Energiewende erhielt. Diese deutliche Bewertung macht eine entscheidende Diskrepanz zwischen dem eleganten, naturverbundenen Marketing der Marke und ihrer Umweltpolitik auf Unternehmensebene sichtbar.
Im Vergleich hinkt On seinen stärksten internationalen Konkurrenten hinterher. Während On mit D+ abschneidet, erzielten die Konkurrenten Nike und Adidas die Noten C beziehungsweise C-. Der Bericht hebt hervor, dass der Schweizer Schuhhersteller beim Bekenntnis zum Umweltschutz besonders schlecht abschneidet, einem Massstab, der für eine moderne Outdoor-Marke zentral sein sollte. Für ein Unternehmen, das stolz auf seine Innovationen ist, ist diese ungenügende Note ein Weckruf: Technologischer Fortschritt bei der Leistung muss mit entschlossenem Klimaschutz einhergehen.
Mammut: Gemischte Noten, aber Erfolg beim Versand
Die Schweizer Traditionsmarke Mammut schneidet etwas besser ab als ihr Zürcher Pendant, sieht sich aber weiterhin mit einer gemischten Bilanz konfrontiert. Der Outdoor-Bekleidungsriese erhielt die Gesamtnote C und liegt damit im Mittelfeld. Mammut gelang jedoch ein besonderer Erfolg, der die Marke von allen anderen in der Analyse unterscheidet: In der Kategorie umweltfreundlicher Versand erzielte sie die Note A+. Als einziges Unternehmen unter den 42 untersuchten erreichte Mammut in dieser Kategorie die bestmögliche Bewertung und bewies damit, dass nachhaltige Logistik möglich ist.
Dieser Erfolg in der Versandlogistik zeigt, dass Schweizer Präzision ökologische Fortschritte vorantreiben kann. Die Gesamtnote C deutet jedoch darauf hin, dass Spitzenleistungen in einem Bereich Schwächen in anderen nicht ausgleichen können. Mammut ist zwar beim Transport führend, doch die umfassendere Dekarbonisierung von Produktion und Materialien bleibt eine Herausforderung. Der Gegensatz zwischen den starken Leistungen beim Versand und der durchschnittlichen Gesamtbewertung verdeutlicht die Komplexität der Lieferkettenproblematik, die selbst etablierte Schweizer Unternehmen nicht vollständig lösen können.
Die Emissionskrise der Fast Fashion
Während Schweizer Marken ihre eigenen Nachhaltigkeitshürden meistern müssen, treibt der globale Fast-Fashion-Sektor die Emissionen auf beispiellose Höhen. Der Bericht nennt eine schockierende Zahl zum chinesischen Händler Shein: Das Unternehmen hat seine ausgelagerten Emissionen in den vergangenen Jahren um gewaltige 170 Prozent gesteigert. Zum Vergleich: Shein verursacht inzwischen CO2-Emissionen in einer Höhe, die denen des gesamten Libanon entspricht. Dieser Anstieg zeigt die katastrophalen Auswirkungen des Ultra-Fast-Fashion-Modells auf unseren Planeten.
Bemerkenswerterweise stehen nicht Luxusmarken an der Spitze, sondern der schwedische Konzern H&M (B+) und die US-Marke Eileen Fisher (B-), die als einzige beide eine B-Note erhielten. Dadurch entsteht ein komplexes Bild, in dem einige Massenmarktanbieter bei ihrer Klimastrategie besser abschneiden als Premiummarken. Für die Schweiz, die weltweit am zweithäufigsten Fast Fashion konsumiert, sind diese Erkenntnisse von entscheidender Bedeutung. Die Branche steht an einem Wendepunkt, und ohne radikale Veränderungen bei ausgelagerten Lieferketten bleibt das Ziel einer fossilfreien Modezukunft ein ferner Traum.