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Swiss Observer

Aussichten für die Schweizer Beschäftigung verbessern sich, KOF-Indikator steigt im dritten Quartal

Trotz globaler wirtschaftlicher Unsicherheiten verbessern sich die Aussichten auf dem Schweizer Arbeitsmarkt, wie der jüngste Beschäftigungsindikator des KOF Instituts zeigt. Der Index stieg im dritten Quartal auf 2,1 Punkte und signalisiert eine anhaltende Erholung sowie einen robusten Arbeitsmarkt, insbesondere im Detailhandel.

Aussichten für die Schweizer Beschäftigung verbessern sich, KOF-Indikator steigt im dritten Quartal
AISWI swissinfo.ch

Der Schweizer Arbeitsmarkt legt mit einer Entschlossenheit zu, die der globalen wirtschaftlichen Unsicherheit trotzt. Der KOF-Beschäftigungsindikator ist im dritten Quartal 2026 auf 2,1 Punkte gestiegen, ein deutlicher Anstieg um 0,5 Punkte gegenüber der Vorperiode. Das ist keine geringfügige Schwankung, sondern ein starkes Signal dafür, dass die Schweizer Wirtschaft die Stagnation von 2025 hinter sich lässt. Mit dem Überschreiten des langjährigen Durchschnitts von 1,7 Punkten beweist das Land seine strukturelle Stärke. Über 4'200 Unternehmen wurden befragt, und ihre gemeinsame Botschaft ist eindeutig: Die Erholung, die Ende letzten Jahres eingesetzt hat, flackert nicht nur, sie brennt hell. Während die europäischen Nachbarländer mit schwachem Wachstum kämpfen, nimmt der Schweizer Motor Fahrt auf und gewinnt die Dynamik zurück, die seit dem Höchststand Mitte 2022 verloren gegangen war. Diese Erholung markiert ein klares Ende der negativen Werte, die noch vor einem Jahr verzeichnet wurden, und positioniert die Schweiz als Bollwerk der Stabilität in einer volatilen Welt.

Detailhandel legt zu, während die Industrie kämpft

Im Schweizer Detailhandel hat sich das Blatt dramatisch gewendet: Der Sektor ist endlich aus einem zweijährigen Dornröschenschlaf erwacht. Der Indikator für den Detailhandel stieg von einem enttäuschenden Wert von -3,1 auf vielversprechende 2,9 Punkte und erreichte damit zum ersten Mal seit Mitte 2024 wieder den positiven Bereich. Diese Wende deutet auf ein erneuertes Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten hin, das die wirtschaftliche Erzählung des Jahres neu prägen könnte. Die verarbeitende Industrie erzählt jedoch eine andere Geschichte. Ihr Index liegt bei -5,3 Punkten und findet zum vierten Mal in Folge keinen festen Boden. Zwar verlangsamt sich der Rückgang, doch der Sektor liegt weiterhin deutlich im negativen Bereich. Der Grosshandel kämpft unterdessen weiter und verharrt bei -1,9 Punkten. Dieser starke Kontrast zwischen Optimismus bei den Konsumentinnen und Konsumenten und Zurückhaltung in der Industrie schafft ein komplexes Bild, durch das sich die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger bei ihren Bemühungen um ein ausgewogenes nationales Wachstum bewegen müssen.

Bau boomt, während das Gastgewerbe stark nachgibt

Der Schweizer Bausektor arbeitet mit einer beispiellosen Intensität und erreicht auf der KOF-Skala beeindruckende 11,2 Punkte. Diese starke Leistung bildet das Fundament der aktuellen Erholung bei der Beschäftigung und wird von einer anhaltend hohen Nachfrage sowie Investitionen in die Infrastruktur getragen. Im deutlichen Gegensatz dazu steht das Gastgewerbe vor einer Krise. Sein Index ist auf -8,8 Punkte gefallen, den besorgniserregendsten Wert seit den schwierigen Tagen Anfang 2021. Diese Entwicklung ist entscheidend: Während Kräne die Schweizer Skyline prägen, kämpft der Dienstleistungssektor mit einem starken Rückgang der Einstellungsabsichten. Das Gastgewerbe ist derzeit das «Sorgenkind» der Schweizer Wirtschaft und kann mit der andernorts beobachteten Erholung nicht Schritt halten. Die Spannung zwischen dem physischen Wachstum des Landes und seiner Dienstleistungskapazität zeigt, dass sich der Arbeitsmarkt hin zu Schwerindustrie und Bau verschiebt.

Der Weg zur Stabilität

Die Schweiz steht an einem entscheidenden Wendepunkt, und der KOF-Indikator weist den Weg zu vorsichtigem Optimismus. Die Rückkehr auf 2,1 Punkte, gleich stark wie Anfang 2026, deutet darauf hin, dass der Arbeitsmarkt seinen Rhythmus gefunden hat. Für die Arbeitnehmenden in der Schweiz sind die Folgen weitreichend: In wichtigen Branchen nimmt die Arbeitsplatzsicherheit zu, während andere schmerzhafte Umstrukturierungen durchlaufen. Die Widerstandsfähigkeit des Detailhandels und des Bausektors bietet einen nötigen Puffer gegen den Rückgang in der verarbeitenden Industrie. Mit Blick auf die Zukunft bleibt entscheidend, ob sich das Gastgewerbe aus seinem derzeitigen Tief erholen kann. Im weiteren Verlauf des Jahres 2026 wird das Schweizer Modell der wirtschaftlichen Anpassungsfähigkeit auf die Probe gestellt. Hält der aktuelle Trend an, wird die Schweiz den globalen Sturm nicht nur überstehen, sondern mit einem stärker diversifizierten und robusteren Arbeitsmarkt daraus hervorgehen. Die Botschaft an die Welt ist klar: Die Schweizer Wirtschaft überlebt nicht nur, sie entwickelt sich strategisch weiter.