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Swiss Observer

Barbesitzer von Crans-Montana in Untersuchungshaft, Servicetür war laut eigener Aussage verschlossen

Jacques Moretti, Mitinhaber der Bar Le Constellation, ist nach dem tödlichen Neujahrsbrand in Untersuchungshaft genommen worden. Berichten zufolge räumte er gegenüber den Ermittlern ein, dass in der Unglücksnacht eine Servicetür von innen verschlossen war. 80 Opfer liegen weiterhin im Spital.

Barbesitzer von Crans-Montana in Untersuchungshaft, Servicetür war laut eigener Aussage verschlossen
AIThe Local Switzerland

Die Ermittlungen zur Tragödie von Crans-Montana haben eine dramatische Wendung genommen: Jacques Moretti, Mitinhaber des Le Constellation, ist in Untersuchungshaft genommen worden. In einem belastenden Geständnis, das den Fall der Anklage wohl prägen wird, räumte Moretti gegenüber den Ermittlern ein, dass in der Brandnacht eine wichtige Servicetür von innen verschlossen war. Diese Enthüllung trifft ein Land, das sich noch immer vom Verlust von 40 Menschenleben erholt, schwer.

Während seine Frau und Mitinhaberin Jessica Moretti nach der Anhörung am Freitag freigelassen wurde, bleibt Jacques hinter Gittern. Die Staatsanwaltschaft begründet dies mit Fluchtgefahr. Seine Aussage zeichnet ein erschütterndes Bild des Chaos: Moretti behauptet, er habe erst bemerkt, dass der Ausgang verschlossen war, als das Feuer bereits ausgebrochen war. Nachdem er die Tür von aussen aufgedrückt hatte, bot sich ihm ein grausiger Anblick: Mehrere Opfer lagen an der Tür aufgetürmt, gefangen bei ihrem verzweifelten Fluchtversuch. Das Eingeständnis, dass ein Ausgang in einem überfüllten Lokal verschlossen war, verschärft die Vorwürfe der Fahrlässigkeit erheblich. Sie umfassen nun fahrlässige Tötung und Brandstiftung.

Tödliche Fahrlässigkeit: Die Heimwerker-Umbauten, die den Inferno-Brand anfachten

Die Katastrophe im Le Constellation scheint auf eine tödliche Kombination aus amateurhaften Umbauten und gefährlichen Abläufen beim Service zurückzuführen zu sein. Die Ermittler konzentrieren sich auf den Schallschutzschaumstoff an der Kellerdecke. Moretti räumte ein, ihn 2015 in einem gewöhnlichen Baumarkt gekauft und selbst angebracht zu haben. Es handelte sich nicht um professionelles, feuerhemmendes Material, sondern um einen Brandbeschleuniger, der nur auf einen Funken wartete.

Dieser Funke kam in Form von Pyrotechnik. Jessica Moretti bestätigte, dass Wunderkerzen beim Servieren von Wein üblich waren. «Wenn wir eine Flasche servieren, stellen wir immer eine Wunderkerze dazu», sagte sie. Jacques Moretti beharrte zwar darauf, den Schaumstoff zuvor mit Kerzen getestet zu haben, doch die Heftigkeit des Feuers lässt auf eine katastrophale Fehleinschätzung schliessen. Zudem räumte Moretti trotz strenger Altersbeschränkungen eine «Lücke im Protokoll» ein und gab zu, dass sich wahrscheinlich Minderjährige ohne die vorgeschriebene Aufsicht durch Erwachsene im Lokal aufhielten. Sie stellten die Mehrheit der 40 Todesopfer. Die Vorwürfe der fahrlässigen Brandstiftung drehen sich nun um diese amateurhaften Umbauten, die aus einer Feier eine Todesfalle machten.

Ein Land blutet: 80 Überlebende kämpfen um ihr Leben

Die Zahl der Todesopfer liegt bei erschütternden 40, doch die Krise ist noch lange nicht vorbei. Ganze 80 Opfer liegen weiterhin im Spital und kämpfen in der Schweiz und im Ausland mit schweren Verbrennungen und Verletzungen der Atemwege. Staatsrat Mathias Reynard bezeichnete die medizinische Lage als «kompliziert und schwierig» und würdigte den unermüdlichen Einsatz des Pflegepersonals, das derzeit von der grossen Zahl schwer verletzter Patientinnen und Patienten stark gefordert ist.

Insgesamt wurden bei der Panik 116 Menschen verletzt. Diese Zahl verdeutlicht, wie dicht gedrängt die Menge in der Kellerbar war. Während Familien Beerdigungen vorbereiten, halten Dutzende andere in Wartesälen Wache und hoffen, dass ihre Angehörigen nicht ebenfalls zu den Todesopfern zählen. Die Opfer, vorwiegend Jugendliche, stehen für eine verlorene Generation der Region. Das Trauma geht über die körperlichen Verletzungen hinaus: Die seelischen Narben bei Überlebenden und Einsatzkräften werden jahrelange Unterstützung erfordern. Der Kanton hat deshalb umgehend finanzielle Hilfe und Anlaufstellen für Betroffene eingerichtet.

Der Staat fordert Gerechtigkeit: «Konsequenzen ohne Verzögerung»

Die Schweiz trauert nicht nur, sie fordert auch Rechenschaft. Bei einer nationalen Gedenkfeier fand Bundespräsident Guy Parmelin deutliche Worte und verlangte «Konsequenzen ohne Verzögerung oder Nachsicht». Die Anwesenheit internationaler Führungspersönlichkeiten, darunter des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, unterstreicht die grenzüberschreitende Tragweite der Tragödie. Die Wut ist jedoch vor allem vor Ort spürbar.

«Das ist sowohl eine moralische Verantwortung als auch eine Pflicht des Staates», erklärte Parmelin. Damit machte er deutlich, dass das Justizsystem unter enormem Druck stehen wird, rasch ein hartes Urteil zu fällen. Die Untersuchungshaft für Jacques Moretti dürfte erst der Auftakt eines langwierigen Rechtsstreits sein. Die Walliser Staatsanwaltschaft hat vier Staatsanwälte mit der Leitung der Ermittlungen beauftragt. Die Botschaft ist klar: Das «Land der Regeln» hat es versäumt, seine Jugend zu schützen, und der Staat wird nichts unversucht lassen, um die Fahrlässigkeit zu ahnden, die zu dieser Schreckensnacht geführt hat. Als in den Alpen fünf Minuten lang die Kirchenglocken läuteten, galten ihre Schläge nicht nur den Toten, sondern auch dem Ende einer Ära der Nachlässigkeit in der öffentlichen Sicherheit.