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Swiss Observer

UBS erhöht Vergütung in der US-Vermögensverwaltung

Der Schweizer Bankenriese erhöht die Vergütung seiner Beraterinnen und Berater, um angesichts des harten Wettbewerbs auf dem US-Markt Spitzenkräfte zu halten

UBS erhöht Vergütung in der US-Vermögensverwaltung
AISWI swissinfo.ch

UBS lässt die Samthandschuhe fallen. Mit einem aggressiven Schritt will der Schweizer Bankenriese seine Position in der grössten Volkswirtschaft der Welt festigen: Ab dem 1. Januar will er die Vergütung seiner US-Vermögensberaterinnen und -berater deutlich erhöhen. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine Anpassung, sondern um einen taktischen Schlag, der die Abwanderung von Spitzenkräften zu Konkurrenten an der Wall Street stoppen soll. Der im September intern von Rob Karofsky und Michael Camacho angekündigte neue Plan zeigt, dass UBS bereit ist, für die Sicherung ihrer Zukunft in Amerika einen Aufpreis zu zahlen.

Der Zeitpunkt ist entscheidend. An der Wall Street herrscht derzeit ein harter Kampf um Finanzfachkräfte, und UBS hatte zuvor gezögert, mit den exorbitanten Ausgaben ihrer amerikanischen Mitbewerber gleichzuziehen. Doch die Lage verändert sich. Indem UBS die Geldschatulle öffnet, sendet die Bank eine klare Botschaft: Sie will sich nicht länger auf die Verteidigung beschränken. Mit diesem strategischen Kurswechsel will sie leistungsstarke Mitarbeitende an sich binden und neue Spitzenkräfte gewinnen. Damit fordert sie einheimische Branchenriesen wie Morgan Stanley direkt auf deren eigenem Terrain heraus.

Die 60-Prozent-Lösung

Die Zahlen sind enorm. Im Zentrum der Überarbeitung steht die Einführung einer exklusiven Vergütungsstufe, die die branchenüblichen Standards sprengt. Beraterinnen und Berater, die jährlich mehr als 20 Millionen Dollar Umsatz erzielen, erhalten neu eine Vergütung von satten 60 Prozent des von ihnen erwirtschafteten Geschäfts. Damit steht UBS an der Spitze der Vergütungsskala und schafft für die erfolgreichsten Verdienenden der Branche einen goldenen Käfig.

Die grosszügigen Anpassungen gehen jedoch über die absolute Elite hinaus. Die Bank erhöht auch die Vergütungssätze für den Kern ihrer Belegschaft, also für Mitarbeitende mit einem Umsatz zwischen 1 und 3 Millionen Dollar, und hebt die Barvergütung für die Gruppe mit einem Umsatz zwischen 3 und 4 Millionen Dollar an. Zudem berücksichtigt das neue Vergütungsmodell mit Blick auf langfristige Stabilität die Dauer der Betriebszugehörigkeit und belohnt damit ausdrücklich die Treue zur Bank. Mit höheren Spesenpauschalen und der Möglichkeit, aufgeschobene Vergütungen in UBS-Aktien zu beziehen, setzt die Bank darauf, dass eine besser verdienende Beraterin oder ein besser verdienender Berater auch loyal bleibt.

Die Abwanderung stoppen

Diese Finanzspritze kommt zu einem Zeitpunkt, an dem UBS mit einer harten Realität konfrontiert ist: Die Zahl der Mitarbeitenden in den USA schrumpft. Die Bank kämpft derzeit mit einem deutlichen Rückgang ihrer Belegschaft. Die Gesamtzahl der Finanzberaterinnen und -berater in Amerika sank 2024 auf 5773, gegenüber 6002 im Vorjahr. Dieser Rückgang kam nicht zufällig zustande, sondern war die direkte Folge einer Fehleinschätzung.

Finanzchef Todd Tuckner hatte zuvor gewarnt, dass Kürzungen bei den Vergütungsbestandteilen im vergangenen Jahr zu «Abwanderung» führen würden. Seine Prognose erwies sich als alarmierend zutreffend. Prominente Teams wechselten zu Konkurrenten und nahmen ihre lukrativen Kundenportfolios mit. UBS muss nun rasch ihren Kurs ändern. Die Region Amerika weist im globalen Portfolio der Bank bereits das höchste Verhältnis von Kosten zu Erträgen auf, und CEO Sergio Ermotti hat eingeräumt, dass dem Unternehmen die Fähigkeiten seiner grösseren US-Konkurrenten fehlen. Mit der neuen Vergütungsstrategie will UBS die Abwanderung stoppen und das Unternehmen stabilisieren, bevor sich der Abstand weiter vergrössert. Es ist ein verzweifelter, aber notwendiger Versuch.

Der regulatorische Druck in der Schweiz

Während UBS in New York um Marktanteile kämpft, braut sich in der Schweiz eine immer grössere Krise zusammen. Schweizer Regulierungsbehörden setzen die Bank stark unter Druck, ihre Kapitalpuffer zu erhöhen. Die möglichen Anforderungen belaufen sich auf bis zu 26 Milliarden Dollar. Der Druck im Inland hat wilde Spekulationen ausgelöst, darunter Berichte, wonach UBS erwogen habe, ihren Hauptsitz ins Ausland zu verlegen, um sich den verschärften regulatorischen Vorgaben zu entziehen. Die Bank hat sich offiziell nicht zu dieser Möglichkeit geäussert, doch das Gerücht macht deutlich, wie ernst die Lage ist.

Der US-Markt steht im Zentrum dieses Dilemmas. Die RBC-Analystin Anke Reingen weist darauf hin, dass die US-Geschäftseinheit mit einem Buchwert von 32 Milliarden Dollar einen erheblichen Teil des Kapitals ausmacht, das UBS beschaffen muss. Trotz der im Vergleich zur Schweizer Kernregion geringeren Profitabilität ist der Verkauf der US-Einheit kein gangbarer Ausweg. «UBS dürfte kaum die US-Geschäftseinheit verkaufen wollen, nur um den Kapitalzuschlag zu vermeiden», sagt Reingen. Stattdessen setzt UBS noch stärker auf die USA. Die Bank betrachtet den Markt nicht nur als Kostenstelle, sondern auch als wichtigen, wenn auch teuren Wachstumsmotor für die Zukunft.