Verkehr
Die Schweiz bereitet sich mit 1'600 Extrazügen auf Grossveranstaltungen vor
Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) kündigen an, 2025 für besondere Anlässe 1'600 zusätzliche Züge einzusetzen, darunter den Eurovision Song Contest und die UEFA Women’s EURO 2025.

Die Schweiz stellt sich 2025 auf eine Verkehrswende ein: Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) mobilisieren einen grossen Teil ihrer Flotte. Um ein beispielloses Veranstaltungsjahr zu bewältigen, haben die SBB angekündigt, beeindruckende 1'600 zusätzliche Züge einzusetzen. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr, als lediglich 650 Extrazüge organisiert wurden, und entspricht einer Kapazitätssteigerung von mehr als 140 Prozent. Dabei handelt es sich nicht um eine blosse Anpassung, sondern um eine umfassende Neuausrichtung des Betriebs, damit das Land mobil bleibt.
Das Ausmass dieses Vorhabens verdeutlicht, was auf die Schweiz zukommt. Die SBB bereiten sich darauf vor, im Laufe des Jahres mehr als 1'400 einzelne Veranstaltungen zu unterstützen und das Bahnnetz so zur pulsierenden Lebensader des kulturellen Lebens im Land zu machen. Der reguläre Fahrplan ist für seine Präzision bekannt. Diese zusätzlichen Angebote zeigen jedoch, dass die öffentliche Infrastruktur vorausschauend und mit Nachdruck ausgebaut wird. Die Botschaft ist klar: Die Schweiz ist bereit für Grossveranstaltungen, und die Bahn kann mit ihrer typisch schweizerischen Effizienz Millionen von Reisenden befördern.
Doppelveranstaltung: Eurovision und UEFA
Zwei riesige internationale Veranstaltungen werden den Schweizer Kalender prägen und logistische Leistungen auf Weltniveau erfordern. Allein für die UEFA Women’s EURO 2025 und den Eurovision Song Contest werden zusammengenommen fast 900'000 Besucherinnen und Besucher in Schweizer Städte reisen. Der Druck ist enorm. Die Women’s EURO vom 2. bis 27. Juli dürfte 650'000 Fans anziehen, die sich auf verschiedene Austragungsorte verteilen. Basel wird sich derweil vom 13. bis 17. Mai zum Zentrum der europäischen Popkultur verwandeln und rund 250'000 Eurovision-Fans empfangen.
Diese Zahlen sind nicht bloss Statistiken, sondern stehen für eine enorme Mobilitätswelle, die die SBB reibungslos bewältigen müssen. Um dem drohenden Chaos entgegenzuwirken, setzen die Bahnen nicht nur auf zusätzliches Rollmaterial, sondern auch auf mehr Personal. Damit der Passagierfluss und die Sicherheit gewährleistet sind, wollen die SBB bei diesen Veranstaltungen gezielt 2'000 Kundenbetreuende einsetzen. Diese personelle Infrastruktur ist entscheidend. Die Züge schaffen die nötige Kapazität, während die Mitarbeitenden vor Ort Staus verhindern und dafür sorgen sollen, dass die internationale Aufmerksamkeit den Festlichkeiten gilt und nicht überfüllten Perrons.
Tradition trifft auf Verkehr: grosse Anlässe im Inland
Während sich die internationale Aufmerksamkeit auf Fussball und Musik richtet, sorgen auch einheimische Traditionen für enorme logistische Anforderungen. Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Mollis dürfte an einem einzigen Wochenende Ende August beeindruckende 350'000 Besucherinnen und Besucher anziehen. Dieser einzelne Anlass erreicht in seiner Dichte beinahe das Ausmass der internationalen Grossveranstaltungen und erfordert für den Kanton Glarus eine präzise und leistungsfähige Transportplanung. Dass ein Schwingfest eine derart umfassende Unterstützung der Infrastruktur erhält, zeugt von der grossen Begeisterung in der Schweiz für Traditionen.
Auch das Eidgenössische Turnfest in Lausanne macht den Sommerfahrplan komplexer. Es findet vom 12. bis 22. Juni statt und wird 70'000 aktive Teilnehmende sowie 150'000 Besucherinnen und Besucher in die Stadt bringen. Anders als bei Veranstaltungen, an denen nur Zuschauerinnen und Zuschauer teilnehmen, stellt der Transport Zehntausender Athletinnen und Athleten samt Ausrüstung das Bahnnetz vor besondere räumliche Herausforderungen. Das Engagement der SBB für traditionelle und sportliche Veranstaltungen zeigt, dass die Strategie für 2025 umfassend ist: Ob für einen weltweiten Pop-Hit oder ein traditionelles Schwingfest, die Züge sollen fahren.
Auf dem logistischen Drahtseil
Trotz der ambitionierten Planung stehen die SBB vor einer kritischen Realität: Das Bahnnetz wird ausgebaut. Eine schwierige zeitliche Überschneidung bedeutet, dass wichtige Baustellen gleichzeitig mit den Grossveranstaltungen in Betrieb sein werden. Besonders betroffen ist die Strecke zwischen Freiburg und Bern, die vom 28. Juni bis zum 24. August während acht Wochen vollständig gesperrt wird. Die Sperrung fällt direkt mit der UEFA Women’s EURO zusammen und könnte damit einen Engpass im Herzen des Schweizer Verkehrssystems verursachen.
Die SBB haben offen eingeräumt, dass dies eine grosse Herausforderung darstellt. Hunderttausende Fans um eine unterbrochene Hauptverkehrsachse herumzuleiten, erfordert eine ausgeklügelte Planung und wahrscheinlich den Einsatz eines umfangreichen Ersatzbusangebots. Die Kombination aus rekordhohen Passagierzahlen und wichtigen Unterhaltsarbeiten schafft für die Schweizer Verkehrsplanerinnen und Verkehrsplaner eine Situation mit hohem Einsatz. Der Erfolg der Veranstaltungssaison 2025 hängt nicht nur von den 1'600 zusätzlichen Zügen ab, sondern auch davon, wie flexibel sich das Netz an diese Einschränkungen anpassen kann, ohne zum Stillstand zu kommen.