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Swiss Observer

Schweiz stellt 1,5 Milliarden Franken für den Wiederaufbau der Ukraine bereit

Die Schweizer Regierung legt konkrete Prioritäten für die Wiederaufbauhilfe für die Ukraine bis 2028 fest. Im Mittelpunkt stehen die städtische Infrastruktur und die Wiederherstellung grundlegender Dienstleistungen.

Schweiz stellt 1,5 Milliarden Franken für den Wiederaufbau der Ukraine bereit
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz verstärkt ihr Engagement in Osteuropa und stellt für den Wiederaufbau der Ukraine bis 2028 die beträchtliche Summe von 1,5 Milliarden Franken (1,65 Milliarden US-Dollar) bereit. Der Bundesrat geht über blosse diplomatische Rhetorik hinaus und legt einen Finanzierungsfahrplan fest, der Bern ins Zentrum der Wiederaufbauarbeiten rückt. Diese erste Tranche bildet den Auftakt des neu definierten «Länderprogramms 2025–2028», eines strategischen Rahmens, der dort finanzielle Mittel bereitstellen soll, wo sie am dringendsten benötigt werden.

Während andere Länder über die Feinheiten der Hilfe diskutieren, hat die Schweiz ihre Prioritäten mit höchster Präzision festgelegt. Die Strategie der Regierung ist keine kurzfristige Lösung, sondern ein entschlossenes Eingreifen, das eine erschütterte Nation stabilisieren soll. Mit der Zusage eines bedeutenden Teils des Budgets für internationale Zusammenarbeit signalisiert Bern, dass Schweizer Neutralität nicht Gleichgültigkeit bedeutet. Die Mittel sind ausdrücklich dafür vorgesehen, die Lücke zwischen unmittelbarer Nothilfe und langfristiger Entwicklung zu schliessen und sicherzustellen, dass der Schweizer Franken angesichts der anhaltenden Aggression zu einer tragenden Säule der ukrainischen Widerstandsfähigkeit wird.

Aus Trümmern Neues schaffen: Infrastruktur und Wirtschaft

Trümmer müssen dem Geschäftsleben weichen, und der Schweizer Plan nimmt diese Herausforderung direkt in Angriff. Der Auftrag ist klar: Die zerstörte städtische Infrastruktur soll wiederaufgebaut und die lebenswichtigen Dienstleistungen sollen wiederhergestellt werden, die eine Gesellschaft funktionsfähig halten. Der Bundesrat hat die Instandsetzung der vom Krieg gezeichneten Städte als zentrale Priorität erkannt. Er hält fest, dass sich ein Land nicht erholen kann, wenn die Menschen keine Wohnungen, Schulen oder Spitäler haben. Doch die Strategie geht über Beton und Stahl hinaus: Sie soll die ukrainische Wirtschaft wieder in Schwung bringen.

Die Schweiz setzt stark auf den Privatsektor und richtet den Fokus insbesondere auf ukrainische kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Ziel ist es, diese Unternehmen in den globalen Markt einzubinden und ihnen die Unterstützung zu geben, die sie brauchen, um die erdrückenden Folgen des Krieges zu überstehen. Indem Bern die lokalen und regionalen Behörden dabei stärkt, den Wiederaufbau anzuführen, stellt die Schweiz sicher, dass die Hilfe nicht bloss eine Zuwendung ist, sondern ein Instrument zur Selbstermächtigung. Dieser zweigleisige Ansatz, der den Wiederaufbau der Infrastruktur mit der Stärkung des wirtschaftlichen Fundaments verbindet, zeugt von einem differenzierten Verständnis dessen, was eine echte Erholung erfordert. Der Schweizer Ansatz verlangt hochwertige öffentliche Dienstleistungen ohne Diskriminierung und zielt darauf ab, ein System aufzubauen, das gegen Korruption gewappnet ist.

Mehr als Wiederaufbau: Gerechtigkeit, Minenräumung und Menschenrechte

Ohne Sicherheit ist Frieden unmöglich, und ein Wiederaufbau auf vermintem Gebiet ist vergeblich. In Anerkennung dieser düsteren Realität hat die Schweizer Regierung die humanitäre Minenräumung zu einem unverzichtbaren Pfeiler ihres Hilfspakets erklärt. Die sichtbaren Wunden des Landes müssen geheilt werden, bevor man sich den Wunden der Menschen zuwenden kann. Dies ist äusserst dringlich: Wo Krieg herrscht, ist Schutz das vorrangige Bedürfnis. Die Schweiz setzt ihr Fachwissen ein, um die tödlichen Überreste des Konflikts zu beseitigen, die Zivilpersonen täglich bedrohen.

Das Engagement der Schweiz erstreckt sich jedoch auch auf die moralische und rechtliche Ebene. Das Programm stellt Mittel für die schwierige Suche nach vermissten Personen und deren Identifizierung bereit, darunter Soldatinnen und Soldaten sowie Zivilpersonen. So erhalten Tausende trauernde Familien Gewissheit. Zudem finanziert Bern die Dokumentation und strafrechtliche Verfolgung von Verstössen gegen das humanitäre Völkerrecht. Indem die Schweiz die Suche nach Gerechtigkeit unterstützt, unterstreicht sie, dass Rechenschaft ebenso wichtig ist wie Infrastruktur. Dieser umfassende Ansatz geht die unsichtbaren Wunden des Krieges ebenso an wie die sichtbaren Zerstörungen und soll sicherstellen, dass der Frieden, zu dessen Aufbau die Schweiz beiträgt, auf Gerechtigkeit und Menschenrechten gründet.

Der lange Weg: Ein strategischer Horizont von zwölf Jahren

Dies ist ein Marathon, kein Sprint. Das Länderprogramm markiert den Startschuss für einen umfassenden, zwölfjährigen Unterstützungsprozess des Bundes, in dessen Rahmen insgesamt 5 Milliarden Franken in die Ukraine fliessen sollen. Botschafter Jacques Gerber wurde mit der Leitung dieses gewaltigen Vorhabens betraut. Er soll die komplexe Umsetzung internationaler Hilfe steuern. Seine Rolle ist entscheidend: Er verantwortet die erste Tranche von 1,5 Milliarden Franken, die den Kurs für das Schweizer Engagement im kommenden Jahrzehnt vorgibt.

Die Regierung blickt bereits über den aktuellen Planungshorizont hinaus und prüft Finanzierungsquellen für die nächste Phase von 2029 bis 2036. Diese langfristige Perspektive unterscheidet sich deutlich von den kurzfristigen, reaktiven Hilfspolitiken, die andernorts oft zu beobachten sind. Mit einer Strategie, die sich über mehr als ein Jahrzehnt erstreckt, bietet die Schweiz der Ukraine etwas, das beinahe so wertvoll ist wie das Geld selbst: Planbarkeit. Während sich die geopolitische Lage verändert, sorgt Berns beständiges Engagement dafür, dass die Unterstützung für einen gerechten und nachhaltigen Frieden unabhängig von der jeweiligen Lage weiterfliesst.