Gesundheit
Schweizer Behörden untersuchen Säuglingsmilch, während Danone Rückruf in Europa ausweitet
Nachdem mehrere Babys Symptome einer möglichen Toxinexposition zeigten, haben Schweizer Behörden eine Untersuchung zu Chargen von Säuglingsmilch eingeleitet. Der Schritt erfolgt, während der französische Lebensmittelkonzern Danone einen vorsorglichen Rückruf von Säuglingsmilch auf mehrere europäische Länder ausweitet.

Schweizer Gesundheitsbehörden versuchen fieberhaft, eine mögliche Gesundheitskrise einzudämmen, nachdem beunruhigende Meldungen eingegangen sind, wonach mehrere Babys Symptome im Zusammenhang mit einer Toxinexposition entwickelt haben. Die Schweizer Lebensmittelsicherheitsbehörde hat bestätigt, dass sie nach diesen Meldungen Chargen von Säuglingsmilch intensiv untersucht. Damit hat sich die Lebensmittelsicherheitsaffäre, die den Kontinent in Atem hält, deutlich zugespitzt. «Den Behörden wurden in den vergangenen Tagen mehrere Fälle von Symptomen bei Babys gemeldet», teilte die Behörde mit. Damit gehe man unmittelbar von einer vorsorglichen Überwachung zu einer aktiven Untersuchung über.
Viel steht auf dem Spiel. Die Behörden arbeiten unter Hochdruck daran, die Quelle der Kontamination zurückzuverfolgen und jedes betroffene Produkt innerhalb der Schweizer Landesgrenzen zu identifizieren. Das vorrangige Ziel ist klar und kompromisslos: Diese Produkte müssen vom Markt genommen werden, bevor weitere Kinder gefährdet werden. Erste Ergebnisse werden zwar bis Ende der Woche erwartet, doch allein die Tatsache, dass in der Schweiz Fälle mit Symptomen aufgetreten sind, hat das Sicherheitsgefühl erschüttert, das normalerweise mit den strengen Lebensmittelstandards des Landes verbunden ist. Es geht längst nicht mehr nur um Papierkram, sondern um eine aktive Gesundheitsuntersuchung zum Schutz der besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppe des Landes.
Danone weitet Sicherheitsmassnahmen in Europa aus
Während die Schweiz mit Fällen im eigenen Land zu kämpfen hat, hat der französische multinationale Konzern Danone seine Rückrufmassnahmen deutlich ausgeweitet. Das wirft einen Schatten auf den europäischen Markt. Am Freitag weitete der Lebensmittelkonzern seinen Rückruf auf das Vereinigte Königreich, Spanien, Kroatien und Slowenien aus. Dabei räumte er ein, dass das Toxin Cereulid, das starke Übelkeit und Erbrechen verursachen kann, in bestimmten Chargen enthalten sein könnte. Dem war am Donnerstag eine erste Rückrufwelle vorausgegangen, von der bereits Österreich, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Polen, Rumänien und die Schweiz betroffen waren.
Der Umfang dieser Aktion ist enorm. Allein im Vereinigten Königreich bestätigte die Food Standards Agency (FSA), dass Danone mehrere Produkte von Aptamil und Cow & Gate aus den Verkaufsregalen nimmt. Obwohl Danone mit der Aussage «Wir möchten alle Eltern beruhigen: Unsere Säuglingsmilch ist sicher» versuchte, die Besorgnis zu zerstreuen, zeigt die rasche Ausweitung der Rückrufliste, dass sich das Unternehmen im Krisenmodus befindet. Das Rückrufvolumen ist inzwischen grösser als bei allen Rückrufen seit Mitte Januar. Dies deutet darauf hin, dass die Kontamination weiter verbreitet sein könnte als zunächst befürchtet. Eltern auf dem ganzen Kontinent prüfen nun zunehmend beunruhigt die Chargennummern, während die Liste der betroffenen Länder weiter wächst.
Die Verbindung zu Wuhan: Lieferkette unter Beschuss
Die Spur der Kontamination führt direkt in die zentralchinesische Stadt Wuhan und macht eine kritische Schwachstelle in der globalen Lebensmittelversorgungskette sichtbar. Im Zentrum der Untersuchungen steht Cabio Biotech, einer der weltweit grössten Hersteller von ARA, einer für die Entwicklung von Säuglingen wichtigen Fettsäure. In den Produktionsanlagen dieses bedeutenden Lieferanten wurde das Toxin Cereulid entdeckt. Diese Enthüllung hat eine heftige Reaktion auf die mangelnde Transparenz bei der internationalen Beschaffung von Zutaten ausgelöst.
Die Schweizer Behörden erklärten ausdrücklich, ihr Ziel sei es, «das kontaminierte Rohmaterial eines chinesischen Unternehmens durch internationale Produktions- und Lieferketten zurückzuverfolgen». Dies führt die Komplexität der modernen Lebensmittelherstellung deutlich vor Augen: Eine einzige verunreinigte Zutat aus einer Fabrik in Asien kann Gesundheitswarnungen in Kinderkrippen von Zürich bis London auslösen. Das betreffende Toxin, Cereulid, ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Es kann akute Symptome einer Lebensmittelvergiftung verursachen. Dass ein solcher Schadstoff in die Lieferkette grosser multinationaler Unternehmen gelangt ist, weist auf erhebliche Mängel bei der Qualitätskontrolle hin. Diese werden nun behoben, allerdings um einen hohen Preis für das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten.
Globale Folgen und Reaktion der Branche
Dieser Vorfall ist kein Einzelfall, sondern Teil einer erstaunlichen Rückrufwelle, die seit Dezember mehr als 60 Länder betrifft. Die Branche ist erschüttert. Der Schweizer Konzern Nestlé hatte bereits im Dezember und Januar Rückrufe eingeleitet, nachdem dasselbe Toxin entdeckt worden war. Das deutet auf ein systemisches Problem und nicht auf das Versagen eines einzelnen Unternehmens hin. Die britische Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency untersucht derzeit 36 Fälle, in denen Kinder Symptome entwickelten, die mit einer Vergiftung vereinbar sind. Schwere Erkrankungen wurden glücklicherweise bisher nicht bestätigt.
Die Regulierungsbehörden greifen durch. Europäische Behörden haben kürzlich strengere Grenzwerte für Cereulid festgelegt. Dieser Schritt löste die jüngste Welle von Produktrückrufen aus. Während sich die Branche dieser Herausforderung stellt, lautet die Botschaft an die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten: höchste Wachsamkeit. Die Untersuchung läuft weiter, wobei Transparenz und rasches Handeln im Vordergrund stehen. Die kommenden Tage werden entscheidend sein, wenn die Testergebnisse das Ausmass der Kontamination bestätigen. Vorerst hat jedoch die absolute Sicherheit der Säuglinge in der Schweiz oberste Priorität.