Politik
Schweizer Eltern könnten dank neuer Initiative 36 Wochen Elternzeit erhalten
Eine neue Volksinitiative fordert 18 Wochen Elternzeit für jeden Elternteil, insgesamt also 36 Wochen. Damit schlägt sie eine bedeutende Ausweitung der Schweizer Familienpolitik vor.

In der Schweiz ist eine wegweisende Volksinitiative lanciert worden, die eine deutliche Ausweitung des Anspruchs auf Elternzeit vorsieht. Die von einer Koalition aus Gewerkschaften, Frauenorganisationen und linksgerichteten politischen Parteien getragene Initiative fordert insgesamt 36 Wochen Elternzeit, davon 18 Wochen für jeden Elternteil. Die am 1. April lancierte ambitionierte Vorlage stellt eine grundlegende Änderung der Schweizer Familienpolitik und der Rechte am Arbeitsplatz dar.
Aktuelles Urlaubssystem und vorgeschlagene Änderungen
Das aktuelle Schweizer System sieht 14 Wochen Mutterschaftsurlaub und lediglich 2 Wochen Vaterschaftsurlaub vor. Die neue Initiative schlägt eine deutliche Ausweitung auf 18 Wochen für jeden Elternteil vor. Dabei sollen höchstens viereinhalb Wochen gleichzeitig bezogen werden können. Die Vorlage sieht ein Entschädigungsmodell ähnlich demjenigen beim Militärdienst vor: 69 Franken pro Tag oder 80 Prozent des letzten Lohns für anspruchsberechtigte Erwerbstätige. Bei Haushalten mit tiefem Einkommen würde die Entschädigung dem regulären Lohn entsprechen, um die finanzielle Stabilität während der Elternzeit zu gewährleisten.
Wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen
Die Befürworterinnen und Befürworter der Initiative argumentieren, die längere Elternzeit würde die Gleichstellung im Familien- und Berufsleben fördern. Prognosen zufolge könnte das neue System jährlich rund 2500 Vollzeitbeschäftigte zusätzlich auf den Arbeitsmarkt bringen und so die Umsetzungskosten möglicherweise innerhalb von zwei Jahrzehnten ausgleichen. Das Initiativkomitee betont: «Familienzeit ist das neue Generationengut, das erwerbstätigen Eltern die nötige Infrastruktur bietet, um die Gesellschaft als Ganzes zu unterstützen.» Die Vorlage soll dem Arbeitskräftemangel in der Schweiz entgegenwirken und gleichzeitig moderne Familienstrukturen unterstützen.
Herausforderungen bei der Umsetzung und Zeitplan
Bis eine Gesetzesänderung zustande kommt, muss die Initiative mehrere Hürden überwinden. Das Initiativkomitee muss bis zum 1. Oktober 2025 100 000 gültige Unterschriften sammeln, damit die Vorlage zur Abstimmung kommt. Die Finanzierung bleibt ein zentraler Diskussionspunkt, da die Initiative weder genaue Kosten noch Finanzierungsquellen nennt. Für die Finanzierung schlägt die Vorlage ein Modell nach dem Vorbild der Entschädigung für Militär- oder Zivildienst vor. Fragen zur finanziellen Tragbarkeit und zur Umsetzung bleiben jedoch offen.
Kantonale Präzedenzfälle und Opposition
Frühere Versuche, die Elternzeit auf kantonaler Ebene auszubauen, stiessen auf erhebliche Schwierigkeiten. Genf nahm zwar 24 Wochen Elternzeit an, doch die Umsetzung wurde wegen der Unvereinbarkeit mit dem Bundesrecht blockiert. Ähnliche Initiativen in Thurgau und Bern wurden abgelehnt, und die Zürcher Stimmberechtigten verwarfen 2022 eine Vorlage für 36 Wochen. Diese Präzedenzfälle unterstreichen, dass die Schweiz traditionell grossen Wert auf Eigenverantwortung und finanzielle Selbstständigkeit legt, und deuten auf mögliche Hürden für die nationale Initiative hin.