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Swiss Observer

Regierung will Befugnisse des Schweizer Nachrichtendienstes ausweiten

Der Schweizer Bundesrat setzt sich für eine überarbeitete Gesetzesvorlage ein, die dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) neue Instrumente und erweiterte Befugnisse geben soll, um Bedrohungen durch Terrorismus, gewalttätigen Extremismus und Cyberangriffe zu überwachen und ihnen entgegenzuwirken. Als Begründung führt er die sich verschlechternde globale Sicherheitslage an.

Regierung will Befugnisse des Schweizer Nachrichtendienstes ausweiten
AISWI swissinfo.ch

Die Zeit der passiven Beobachtung ist vorbei. Der Schweizer Bundesrat hat offiziell erklärt, dass der erst seit 2017 geltende Nachrichtendienst-Rahmen angesichts der sich rasch wandelnden globalen Bedrohungen bereits überholt ist. Mit Verweis auf die weltweit deutlich verschlechterte Sicherheitslage setzt sich die Regierung für eine umgehende Gesetzesreform ein, die dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) mehr Spielraum verschaffen soll. Seit 2020 sieht sich die Schweiz mit einer Zunahme von Bedrohungen konfrontiert, die auf kritische Infrastrukturen abzielen. Dies zwingt sie dazu, ihre Verteidigungsfähigkeit neu zu bewerten.

Es handelt sich nicht bloss um eine Aktualisierung, sondern um einen grundlegenden Kurswechsel. Die Regierung ist der Ansicht, dass der NDB wirksamere Instrumente braucht, um schwerwiegende Bedrohungen im Zusammenhang mit Terrorismus, gewalttätigem Extremismus und Spionage zu erkennen, bevor sie sich konkretisieren. Die vorgeschlagene Revision legt einen starken Schwerpunkt auf die Früherkennung und weitet Überwachungsbefugnisse, die bisher Terrorismusfällen vorbehalten waren, auf gewalttätigen Extremismus aus. Angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen signalisiert Bern, dass die Schweiz moderne hybride Kriege nicht länger mit Waffen aus vergangenen Jahrzehnten führen wird.

Finanzströme durchleuchten

Mit einem Schritt, der das Herzstück der Schweizer Diskretion berührt, soll das neue Gesetz den Schleier des Bankgeheimnisses durchdringen, um Terrornetzwerke aufzuspüren. Die Regierung verlangt, dass der NDB befugt wird, Daten direkt bei Banken und anderen Finanzdienstleistern zu erheben. Diese entscheidende Ausweitung der Befugnisse soll undurchsichtige Finanzströme sichtbar machen, mit denen terroristische Organisationen und komplexe Spionagenetzwerke innerhalb der Schweizer Grenzen und über diese hinaus finanziert werden.

Geld ist der Lebensnerv des Extremismus, und der Bundesrat ist entschlossen, dessen Nachschub zu unterbrechen. Indem Finanzinformationen in das Instrumentarium des NDB aufgenommen werden, sollen die Behörden anhand von Transaktionen Personen und Organisationen mit schädlichen Absichten erkennen, lange bevor diese physische Angriffe verüben können. Diese Massnahme bedeutet eine deutliche Ausweitung der Möglichkeiten des Staates, Daten des privaten Sektors zu überwachen. Bei schwerwiegenden Bedrohungen erhält die nationale Sicherheit Vorrang vor einem absoluten Schutz der finanziellen Privatsphäre.

Das digitale Überwachungsnetz ausweiten

Die digitale Welt ist kein rechtsfreier Raum mehr. Das revidierte Gesetz beschreibt ausdrücklich erweiterte Überwachungsmassnahmen für das Kabelnetz und ermächtigt zur Überwachung von E-Mails, Telefongesprächen und Internetverkehr, der die Schweizer Grenze überquert. Diese Ausweitung trägt der Tatsache Rechnung, dass moderne Bedrohungen, von Cyberangriffen bis hin zu koordiniertem Extremismus, keine Landesgrenzen respektieren. Die Regierung will die blinden Flecken beseitigen, die den NDB bisher behindert haben.

Kritikerinnen und Kritiker haben der Regierung in der Vergangenheit massive Online-Überwachung vorgeworfen. Der Bundesrat hält jedoch daran fest, dass diese Instrumente für das Überleben des Landes von entscheidender Bedeutung sind. Im Zentrum steht die Früherkennung schwerwiegender Bedrohungen. Dazu sollen grenzüberschreitende Datenströme genutzt werden, um Muster zu erkennen, die auf Spionage oder unmittelbar bevorstehende Gewalt hindeuten. Diese entschlossene Haltung zur digitalen Überwachung signalisiert, dass die Schweiz bereit ist, ihre Stellung als Daten-Drehscheibe zu nutzen, um ihre Souveränität zu sichern.

Der strategische Fahrplan

Diese Gesetzesinitiative ist lediglich der Auftakt zu einer umfassenden, dreistufigen Neuausrichtung der Schweizer Sicherheitsarchitektur. Der aktuelle Vorschlag bildet nur die erste Stufe und konzentriert sich auf Früherkennung und Finanzinformationen. Der Bundesrat hat bereits einen konsequenten Fahrplan für die Zukunft skizziert: Ein zweites Paket, das sich gezielt gegen Cyberbedrohungen richtet, soll im Sommer 2026 in die Vernehmlassung gehen.

In einer späteren dritten Stufe sollen die technischen Herausforderungen bei der Überwachung von Funk- und Kabelnetzen angegangen werden. Dieses etappenweise Vorgehen ermöglicht es der Regierung, die nachrichtendienstlichen Fähigkeiten systematisch auszubauen, ohne den Gesetzgebungsprozess zu überlasten. Während die Schweiz sich einer von Instabilität geprägten Welt gegenübersieht, ist die Botschaft aus Bern klar: Die Modernisierung des Nachrichtendienstes ist keine einmalige Korrektur, sondern eine fortlaufende und dringliche Priorität.