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Swiss Observer

SWISS und SBB führen neue kombinierte Reiserouten ein

Die Schweizer Fluggesellschaft SWISS arbeitet mit der SBB zusammen, um das Angebot «Air Rail» auszubauen. Neu können Zug- und Flugreisen zu weiteren Zielen kombiniert gebucht werden.

SWISS und SBB führen neue kombinierte Reiserouten ein
AIThe Local Switzerland

Die Verkehrsinfrastruktur der Schweiz erlebt einen bedeutenden Wandel: SWISS und die SBB bauen ihr gemeinsames «Air Rail»-Netz kräftig aus. Ab dem 27. Oktober kommen drei wichtige neue Verbindungen hinzu: St. Gallen, Konstanz und Locarno. Damit steigt die Zahl der angebundenen Ziele auf insgesamt 24. Die Partnerschaft zwischen der nationalen Fluggesellschaft und der Bundesbahn wird dadurch weiter gestärkt.

Die Aufnahme dieser Städte ist nicht bloss eine Anpassung des Fahrplans, sondern steht für einen grundlegenden Wandel in der Gestaltung der Schweizer Mobilität. Indem der östliche Verkehrsknotenpunkt St. Gallen, die Grenzstadt Konstanz und das südliche Locarno direkt in das Ökosystem des Flughafens Zürich eingebunden werden, lassen die Betreiber das Land gewissermassen schrumpfen. «Mit dem Ausbau steigt die Zahl der Air-Rail-Ziele auf 24. Für Reisende wird das Umsteigen zwischen Zug und Flugzeug damit noch einfacher», erklärten die Unternehmen in einer gemeinsamen Medienmitteilung. Der Ausbau signalisiert ein klares Ziel: den intermodalen Reisemarkt zu dominieren, indem der Wechsel vom Zug zum Flugzeug genauso nahtlos wird wie ein Anschlussflug.

Nahtlose Integration: Die Revolution des Einzeltickets

Die Bürokratie wird zugunsten der Effizienz abgebaut. Die Zeiten, in denen versierte Reisende mit getrennten Buchungen jonglieren und separate Reisepläne verwalten mussten, gehen rasch zu Ende. Das zentrale Versprechen von Air Rail ist seine konsequente Einfachheit: eine Buchung, ein Ticket, umfassende Abdeckung. Reisende müssen nicht mehr unabhängig vom Buchungssystem von SWISS die Benutzeroberfläche der SBB nutzen.

Das System beseitigt die Hindernisse des Reisens mit verschiedenen Verkehrsmitteln. Eine Person kann eine Reise von Locarno nach New York in einer einzigen Buchung reservieren. Wie die Fluggesellschaft klar erklärt: «Bei Antritt der Reise müssen Reisende nur einmal einchecken. Anschliessend erhalten sie ihre Bordkarte, die auch ihr Bahnticket enthält, direkt von SWISS.» Diese Integration bietet zudem ein wichtiges Sicherheitsnetz: Da die Zugfahrt als Teil des Fluges gilt, sind die Anschlüsse garantiert. Hat der Zug Verspätung, übernimmt die Fluggesellschaft die Verantwortung. Das ist ein grosser Vorteil gegenüber getrennten Buchungen. Das ist nicht bloss bequem, sondern eine Modernisierung des Reiseerlebnisses.

Von Alpenferienorten zu grenzüberschreitenden Knotenpunkten

Das Netz reicht nun weit über die grossen Zentren hinaus. Während wichtige Städte wie Genf, Bern und Lausanne zentrale Pfeiler bleiben, hat das System auch den tourismusorientierten Kanton Graubünden stark erschlossen. Die Hauptstadt Chur sowie renommierte Alpenferienorte wie Davos, Klosters und St. Moritz sind vollständig eingebunden. So beginnt die Reise zu den exklusivsten Skipisten der Schweiz bereits, wenn Reisende am Flughafen Zürich aus dem Flugzeug steigen.

Darüber hinaus macht die Partnerschaft nicht an Landesgrenzen halt. Das Netz schafft einen nahtlosen Korridor in die Nachbarländer und umfasst auch München in Deutschland und Bregenz in Österreich. Indem diese ausländischen Bahnhöfe als Erweiterungen des Flughafens Zürich behandelt werden, erschliesst SWISS einen breiteren europäischen Markt. Ob Geschäftsreisende auf dem Weg von München oder Touristinnen und Touristen, die über Bellinzona und Lugano ins Tessin reisen: Die Infrastruktur wird so umgestaltet, dass der Verkehr mit bisher unerreichter Leichtigkeit über den wichtigsten Luftfahrtknotenpunkt der Schweiz geleitet wird.

Aus der Krise entstanden: Der strategische Kurswechsel

Innovation entsteht oft aus den Trümmern einer Krise. Das Angebot Air Rail entstand in der Covid-Pandemie von 2020, als die Luftfahrtindustrie vor einer existenziellen Bedrohung stand. Als die Nachfrage einbrach und die häufigen Kurzstreckenflüge zwischen Zürich und Genf von zehn pro Tag auf gerade einmal zwei zurückgingen, mussten sich die Betreiber anpassen. Züge sprangen in die Bresche und ersetzten Flügel durch Räder, um die grundlegende Anbindung aufrechtzuerhalten.

Was als Krisenmassnahme begann, hat sich zu einer dauerhaften, nachhaltigen Strategie entwickelt. Kurzstrecken-Zubringerflüge im Inland durch Hochgeschwindigkeitszüge zu ersetzen, ist längst nicht mehr nur eine Übergangslösung, sondern die Zukunft eines umweltbewussten Reisens in Europa. Mit der Festigung ihrer Partnerschaft erkennen SWISS und die SBB an, dass der Zug bei den Distanzen innerhalb der kompakten Schweizer Geografie kein Konkurrent des Flugzeugs, sondern der bessere Partner ist. Mit nun 24 Zielen zeigt dieses Modell, dass der Kurswechsel während der Pandemie die Schweizer Reisekultur dauerhaft verändert hat.