Verkehr
Schaffhausen fordert wegen Verspätungen, dass Züge der Deutschen Bahn an der Grenze enden
Der Kanton Schaffhausen ergreift Massnahmen gegen chronisch verspätete deutsche Züge, um die Fahrplanverlässlichkeit zu gewährleisten

In einer bedeutenden Entwicklung für die schweizerisch-deutschen Bahnbeziehungen hat der Kanton Schaffhausen klar Stellung gegen die anhaltenden Verspätungen der Züge der Deutschen Bahn (DB) bezogen, die in die Schweiz fahren. Der Schweizer Kanton hat formell beantragt, dass die DB-Züge an der Grenze enden. Damit kommt ein weiteres Kapitel in den laufenden Bemühungen der Schweiz hinzu, ihre bekannten Pünktlichkeitsstandards im Bahnverkehr aufrechtzuerhalten.
Chronische Verspätungen und Leistungsunterschiede
Der deutliche Unterschied bei der Pünktlichkeit zwischen dem Schweizer und dem deutschen Bahnverkehr hat einen kritischen Punkt erreicht. 2024 waren nur 64 % der Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn pünktlich, während die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) eine beachtliche Pünktlichkeitsquote von 93,2 % erreichten. Dieser erhebliche Unterschied bereitet den Schweizer Verkehrsbehörden zunehmend Probleme. Sie legen grossen Wert darauf, den Ruf des Landes für einen präzisen und zuverlässigen öffentlichen Verkehr zu wahren.
Frühere Massnahmen in Basel
Schaffhausens Vorgehen folgt einem Präzedenzfall in Basel, wo die SBB bereits beschlossen hatten, bestimmte DB-Verbindungen ab 2025 an der Grenze enden zu lassen. Zu den betroffenen Strecken gehören die EuroCity-Verbindung von Hamburg nach Interlaken Ost und die Verbindung von Dortmund nach Zürich. Diese Massnahmen wurden umgesetzt, um das eng koordinierte Schweizer Bahnnetz vor Störungen von ausserhalb zu schützen.
Forderungen aus Schaffhausen
In einem deutlich formulierten Schreiben an die SBB haben die Schaffhauser Kantonsbehörden beantragt, die Verbindung Stuttgart–Zürich in Singen, unmittelbar nördlich der schweizerisch-deutschen Grenze, zu unterbrechen. Der Kanton betont, seine Einwohnerinnen und Einwohner «haben ein Recht auf zuverlässige Verbindungen nach Zürich». Dieser Vorschlag würde den Fahrgästen ermöglichen, auf Schweizer Züge umzusteigen und so pünktlich an ihren Zielorten anzukommen. Die Lösung entspricht dem bereits in Basel erfolgreich umgesetzten Vorgehen. Die Antwort der SBB auf diesen konkreten Antrag steht jedoch noch aus.
Auswirkungen auf den grenzüberschreitenden Reiseverkehr
Diese Massnahmen könnten für Reisende im internationalen Verkehr zusätzliche Umstiege bedeuten, spiegeln aber das Engagement der Schweiz wider, ihre hohen Standards im Bahnverkehr aufrechtzuerhalten. Züge, die aus der Schweiz nach Deutschland zurückfahren, verkehren weiterhin normal, denn im Mittelpunkt steht der Schutz der inländischen Pünktlichkeit in der Schweiz. Diese Entwicklung deutet auf einen zunehmenden Trend in der Schweizer Verkehrspolitik hin: Bei anhaltenden Verspätungen von ausserhalb wird die Zuverlässigkeit direkten internationalen Verbindungen vorgezogen.