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Swiss Observer

Mikroplastikverschmutzung bedroht europäische Flüsse

Neue Forschungsergebnisse zeigen alarmierende Mengen an Mikroplastik in wichtigen europäischen Gewässern, darunter auch in Schweizer Flüssen, und geben Anlass zu Umweltbedenken.

Mikroplastikverschmutzung bedroht europäische Flüsse
AIThe Local Switzerland

Eine wegweisende Forschungsinitiative mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 19 Forschungslabors hat besorgniserregende Mengen an Mikroplastik in den wichtigsten europäischen Flüssen nachgewiesen. Die umfassende Studie, die kürzlich veröffentlicht wurde, zeigt, dass Mikroplastik inzwischen in Europas Gewässern allgegenwärtig ist und kein Flusssystem von dieser modernen Umweltkrise verschont bleibt.

Ausmass der Verschmutzung

Das Ausmass der Verschmutzung hat alarmierende Werte erreicht: Forschende dokumentierten in europäischen Flüssen durchschnittlich drei Mikroplastikpartikel pro Kubikmeter Wasser. Besonders besorgniserregende Zahlen weist die Rhône auf, die in der Schweiz entspringt: Bei Valence fliessen jede Sekunde rund 3000 Plastikpartikel vorbei. Die Verschmutzung erstreckt sich durch die gesamte Wassersäule. Dabei sind unsichtbare Mikroplastikpartikel häufiger als sichtbare.

Quellen und Arten von Mikroplastik

Die Forschung hat mehrere Quellen der Mikroplastikverschmutzung identifiziert. Überraschenderweise stammen 25 Prozent der gefundenen Mikroplastikpartikel aus industriellen Kunststoffpellets und nicht aus Konsumabfällen. Zu den häufigsten Quellen gehören synthetische Textilfasern aus Kleidung, Reifenabrieb und zersetzte Kunststoffprodukte. Zu diesen Partikeln, von denen einige kleiner als ein Reiskorn sind, gehören auch die berüchtigten «Meerjungfrauentränen», rohe Kunststoffgranulate, die bei der Herstellung verwendet werden.

Folgen für Umwelt und Gesundheit

Die weitverbreitete Verschmutzung hat schwerwiegende Folgen für aquatische Ökosysteme und die menschliche Gesundheit. Forschende haben an Mikroplastik haftende virulente Bakterien entdeckt, die beim Menschen Infektionen verursachen können. Da unsichtbares Mikroplastik in der gesamten Wassersäule verteilt ist, wird es von verschiedenen Wasserorganismen aufgenommen. So könnte es in die Nahrungskette gelangen und die Biodiversität beeinträchtigen.

Schweizer Perspektive und Massnahmen

Aus Schweizer Sicht ist diese Forschung besonders bedeutsam, da viele wichtige europäische Flüsse, darunter die Rhône, in den Schweizer Alpen entspringen. Die Rolle der Schweiz bei der Überwachung und Bekämpfung dieser Verschmutzung ist für den Umwelt- und Gewässerschutz in der Schweiz wie auch in Europa entscheidend. Die internationale wissenschaftliche Koalition fordert eine deutliche Verringerung der Primärkunststoffproduktion und verweist auf den direkten Zusammenhang zwischen der Kunststoffherstellung und der Umweltverschmutzung.