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Swiss Observer

Reifenabrieb in Schweizer Gemüse nachgewiesen

Eine Bundesstudie zeigt, dass chemische Zusatzstoffe aus der Reifenproduktion in einem Drittel der untersuchten Gemüseproben nachgewiesen wurden. Dies wirft Fragen zur Lebensmittelsicherheit auf.

Reifenabrieb in Schweizer Gemüse nachgewiesen
AILe News

In einer wegweisenden Untersuchung hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) besorgniserregende Hinweise auf Verunreinigungen durch Reifenabrieb in Gemüse entdeckt, das in der ganzen Schweiz verkauft wird. Die noch nicht veröffentlichte Studie zeigt, dass ein Drittel der untersuchten Gemüseproben chemische Zusatzstoffe enthält, die üblicherweise bei der Reifenproduktion eingesetzt werden. Dies wirft erhebliche Fragen zur Lebensmittelsicherheit in dem traditionell umweltbewussten Land auf.

Methodik und Umfang der Studie

Die umfassende Studie, die Forschende der EPFL in Lausanne durchgeführt haben, untersuchte rund 100 Proben häufig verzehrter Gemüsesorten, darunter Salat, Kohl, Spinat, Zwiebeln, Kartoffeln, Karotten, Tomaten, Peperoni, Zucchetti und Kürbisse. Die untersuchten Produkte stammten aus mehreren europäischen Ländern, darunter der Schweiz, Italien, Spanien und Frankreich. Die Proben wurden sowohl bei Grosshändlern als auch bei Detailhändlern in der Schweiz bezogen. Dieser breit angelegte Ansatz ermöglicht einen repräsentativen Überblick über das Gemüseangebot für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten.

Umweltauswirkungen und Ausbreitungswege der Verschmutzung

Das ETH-Institut für Materialwissenschaft und Technologie hat Reifen als bedeutendes Umweltproblem identifiziert und führt rund 90 Prozent der Mikroplastikverschmutzung auf Reifenabrieb zurück. Wie genau diese Schadstoffe auf das Gemüse übergehen, wird noch untersucht. Die Forschenden vermuten, dass die Verunreinigung über Wasser und Boden erfolgt. Dieser Befund ist besonders bedeutsam für die Schweiz, wo der Umweltschutz einen hohen Stellenwert hat. Die Studie verweist auf ähnliche Bedenken aus der internationalen Forschung, darunter eine US-amerikanische Studie, die reifenbezogene Chemikalien mit einem erheblichen Rückgang der Lachsbestände in städtischen Gewässern in Verbindung brachte.

Auswirkungen auf die Gesundheit und weitere Forschung

Der Nachweis reifenbezogener Chemikalien im Gemüse ist bestätigt, die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sind jedoch noch nicht ausreichend bekannt. Die Studie des BLV unterstreicht, dass umfassende Forschung zu möglichen Gesundheitsrisiken einer langfristigen Belastung durch diese Schadstoffe nötig ist. Die betreffenden Chemikalien werden gezielt eingesetzt, um Leistung und Haltbarkeit von Reifen zu verbessern. Ihr Vorkommen in Lebensmitteln wirft jedoch Fragen zur Anreicherung in Organismen und zu möglichen gesundheitlichen Folgen auf.

Reaktion der Schweiz und Empfehlungen

Als Reaktion auf diese Erkenntnisse dürften die Schweizer Behörden verstärkte Überwachungsmassnahmen einführen und möglicherweise neue Richtlinien für landwirtschaftliche Praktiken erarbeiten. Die Studie betont, dass die Auswirkungen der städtischen Verschmutzung auf die Lebensmittelsicherheit breiter untersucht werden müssen, und fordert innovative Lösungen, um die Verunreinigung durch Reifenabrieb zu verringern. Schweizer Umweltbehörden dürften mit internationalen Partnern zusammenarbeiten, um diese globale Herausforderung für Umwelt und Lebensmittelsicherheit anzugehen.