Tourismus
Schweizer Tourismus erreicht 2024 historischen Höchststand
Schweizer Hotels verzeichneten 2024 mit 42,8 Millionen Logiernächten einen noch nie dagewesenen Höchststand. Die Zahl ausländischer Gäste erreichte den höchsten Stand seit 50 Jahren.

Die Schweizer Hotellerie ist offiziell in eine neue Ära der Stärke eingetreten. In einem eindrücklichen Zeichen ihrer Widerstandsfähigkeit und Attraktivität verzeichneten Schweizer Hotels 2024 mit 42,8 Millionen Logiernächten einen noch nie dagewesenen Höchststand und übertrafen damit den erst ein Jahr zuvor aufgestellten Rekord deutlich. Das Bundesamt für Statistik (BFS) bestätigte am Donnerstag, dass die Branche um 2,6 Prozent zulegte und gegenüber den 41,8 Millionen Logiernächten von 2023 eine Million zusätzliche Logiernächte verbuchte.
Dabei handelt es sich nicht bloss um einen statistischen Anstieg, sondern um eine eindrückliche Bestätigung der unerschütterlichen Stellung der Schweiz als erstklassiges Reiseziel. Während andere Volkswirtschaften mit einer Stagnation nach der Pandemie kämpfen, läuft der Schweizer Tourismusmotor auf Hochtouren. Die Dynamik hielt das ganze Jahr über an: In zehn von zwölf Monaten lagen die Zahlen über dem Vorjahreswert. Die Botschaft ist klar: Die Nachfrage nach Schweizer Luxus, Landschaften und Gastfreundschaft war noch nie so gross.
Der internationale Aufschwung: Höchststand seit 50 Jahren
Der ausländische Tourismus ist mit voller Kraft zurückgekehrt und hat einen Stand erreicht, der seit einem halben Jahrhundert nicht mehr verzeichnet wurde. Die internationale Nachfrage stieg um 5,1 Prozent und brachte 22,0 Millionen ausländische Gäste in die Schweiz. Dieser markante Zustrom bedeutet den höchsten Stand ausländischer Gäste seit 50 Jahren und deutet auf eine vollständige Erholung und Ausweitung des internationalen Marktes hin.
Die inländische Nachfrage blieb derweil stabil bei beachtlichen 20,9 Millionen Logiernächten. Die eigentliche Geschichte ist jedoch die kräftige Rückkehr der internationalen Reisenden. Die Vereinigten Staaten haben sich als unbestrittener Spitzenreiter dieses Wachstums etabliert. In einer bemerkenswerten Verschiebung machten Gäste aus den USA in wichtigen Segmenten mehr als drei Viertel der ausländischen Touristinnen und Touristen aus. Sie trieben den Fernreisemarkt an, während europäische Nachbarländer zögerten. Während sich der Schweizer Binnenmarkt stabilisiert, sorgt die internationale Nachfrage für diesen historischen Boom.
Währungskampf: Der Franken gegen den Dollar
Der wirtschaftliche Hintergrund dieses Tourismusbooms offenbart eine deutliche Kluft. Während der starke Schweizer Franken die Nachfrage aus Europa weiterhin belastet, scheinen die Fernmärkte von den Auswirkungen der Währung unberührt. Europäische Nachbarländer, die mit einer schwachen Konjunktur und dem hohen Wert des Frankens zu kämpfen haben, haben ihre Nachfrage zurückgefahren. Im deutlichen Gegensatz dazu hat der Fernreisemarkt, angeführt von US-amerikanischen Reisenden, ungeachtet der Wechselkurse zugelegt.
Diese Entwicklung schafft eine neue Ausgangslage für Schweizer Hoteliers. Die Abhängigkeit von traditionellen europäischen Märkten nimmt ab und wird durch eine kaufkräftige transatlantische Kundschaft ersetzt. Die Bedeutung des US-Marktes ist insbesondere im Winter gross: Amerikanische Gäste tragen zunehmend dazu bei, die Resorts zu füllen, die sonst unter dem starken Franken leiden könnten. Die Schweiz tauscht damit faktisch Gäste aus der Eurozone gegen eine kaufkräftige Kundschaft von jenseits des Atlantiks ein.
Starke Saisons: Erfolge im Winter und Sommer
Die Saisonalität ist normalerweise eine Herausforderung, 2024 wurde sie zum Erfolg. Sowohl in der Winter- als auch in der Sommersaison purzelten die Rekorde. Die Wintersaison 2023/24 setzte eine neue Bestmarke, unmittelbar gefolgt von einem Rekordsommer 2024. Das Jahr endete im Dezember mit einem starken Ergebnis: Die Buchungen stiegen um beachtliche 7 Prozent.
Diese Beständigkeit über das ganze Jahr hinweg ist entscheidend. Abgesehen von leichten Rückgängen im April und September verzeichnete jeder Monat ein Wachstum. Dieser Erfolg bringt jedoch auch eigene Belastungen mit sich. Während Regionen wie Lauterbrunnen mit den Folgen des Massentourismus konfrontiert sind und sogar Eintrittsgebühren für Tagesgäste erwägen, steht das Land vor einem neuen Dilemma. Die Herausforderung besteht nicht mehr darin, Gäste anzuziehen, sondern die schiere Zahl der Besucherinnen und Besucher zu bewältigen, die unbedingt in die Schweiz reisen wollen. Nach dem historischen Höchststand von 2024 muss sich die Branche nun auf die Nachhaltigkeitsprobleme einstellen, die mit einem derart explosiven Wachstum einhergehen.