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Swiss Observer

Schweizer Ständerat bringt Mercosur-Handelsabkommen trotz Widerstands der Landwirtschaft wieder auf den Weg

Der Schweizer Ständerat hat das Mercosur-Handelsabkommen mit 35 zu sieben Stimmen gutgeheissen und 517 Millionen CHF für die Landwirtschaft bewilligt. Nun geht das Abkommen zurück an den Nationalrat, wo es zuvor am Widerstand der Bauern und der politischen Linken gescheitert war.

Schweizer Ständerat bringt Mercosur-Handelsabkommen trotz Widerstands der Landwirtschaft wieder auf den Weg
AISWI swissinfo.ch

Der Ständerat stimmte am 15. September mit 35 zu sieben Stimmen für das Abkommen und brachte damit ein Handelsabkommen wieder auf den Weg, das der Nationalrat erst wenige Monate zuvor abgelehnt hatte. Der Entscheid schickt das EFTA-Mercosur-Abkommen zurück an den Nationalrat, wo Bauern und linke Parteien zuvor genügend Widerstand mobilisiert hatten, um es zu stoppen.

Der Ständerat verband die Zustimmung mit 517 Millionen CHF für die Schweizer Landwirtschaft von 2028 bis 2033. Diese Summe soll das Abkommen politisch tragfähig machen, nachdem die Bauern deutlich mehr Unterstützung gefordert hatten. Ihr Vorschlag sah 880 Millionen CHF zwischen 2028 und 2035 vor, eine Forderung, die der Ständerat ablehnte.

Mit der Abstimmung rücken der Schutz der Landwirtschaft, der Aussenhandel und Umweltstandards wieder ins Zentrum der Herbstsession. Das Abkommen würde die Zölle für Schweizer Exporteure senken und neue Geschäftsmöglichkeiten in Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay eröffnen. Zudem würde es die Kontingente für ausgewählte südamerikanische Importe, darunter Fleisch und Wein, erhöhen.

Der Nationalrat muss den Vertrag nun erneut beraten. Seine frühere Ablehnung erfolgte nach einer Kampagne von Landwirtschaftsverbänden und einem linken Bündnis, das dagegen protestierte, dass Vorschläge zu Entwaldung und Zwangsarbeit gescheitert waren. Der Ständerat lehnte diese Vorschläge am Montag erneut ab und hielt damit an den umstrittensten Bestimmungen des Abkommens fest.

Bauern beziffern die Kosten des Kompromisses

Das bewilligte Landwirtschaftspaket liegt 363 Millionen CHF unter der Forderung des Landwirtschaftssektors. Diese Lücke erklärt, weshalb der Kompromiss gefährdet bleibt, wenn der Nationalrat das Abkommen erneut berät.

Die Bauern befürchten, dass zusätzliche Importe aus Südamerika die einheimischen Produzenten unter Druck setzen werden, die bereits mit knappen Margen und hohen Produktionskosten zu kämpfen haben. Der Vertrag würde die Schweiz verpflichten, südamerikanische Kontingente zuzulassen und damit mehr Fleisch und Wein aus dem Mercosur-Block auf den Schweizer Markt zu bringen. Die Produzenten argumentieren, dass günstigere Importe den Wert der Schweizer Erzeugnisse beeinträchtigen könnten, deren Kosten höher sind und die strengen Produktionsvorschriften des Landes erfüllen müssen.

Wirtschaftsminister Guy Parmelin weist einen direkten Zusammenhang zwischen dem Abkommen und den aktuellen Schwierigkeiten der Landwirtschaft zurück. Seinen Angaben zufolge wird das Abkommen neben den Chancen für andere Branchen auch die Bedingungen für Schweizer Agrarexporte verbessern. Damit sind die Auseinandersetzungen über die Importkonkurrenz und den Umfang der Entschädigung jedoch nicht beigelegt.

Die vom Ständerat bewilligte Finanzierung gilt für sechs Jahre, während der Vorschlag der Bauern acht Jahre abdeckte. Der Unterschied betrifft sowohl die Höhe als auch die Dauer der staatlichen Unterstützung. Das Parlament muss entscheiden, ob dieses Paket genügend Schutz bietet, um die Zustimmung zu sichern, ohne die langfristige Belastung des Bundeshaushalts zu erhöhen.

Einsparungen im Handel treffen auf Umweltforderungen

Schweizer Exporteure könnten dank des Abkommens jährlich 150 Millionen CHF an Zöllen einsparen. Der 2025 von der EFTA und dem Mercosur abgeschlossene Vertrag würde Schweizer Unternehmen einen günstigeren Zugang zu den Märkten des südamerikanischen Blocks verschaffen.

Die voraussichtlichen Einsparungen sind ein zentrales Argument für die Ratifizierung. Die Schweizer Pharma-, Maschinen-, Lebensmittel- und andere Exportbranchen sind bereits stark auf einen verlässlichen Marktzugang angewiesen. Tiefere Zölle könnten die Kosten für Unternehmen senken, die nach Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay verkaufen. Die vorliegenden Angaben enthalten jedoch keine Prognose zu den Gewinnen der einzelnen Branchen.

Die Zugeständnisse gelten in beide Richtungen. Die Schweiz würde zusätzliche Importkontingente zulassen, insbesondere für Fleisch und Wein. Diese Bestimmungen haben aus dem Vertrag eine innenpolitische Frage der Landwirtschaft gemacht und nicht bloss eine Angelegenheit der Aussenpolitik. Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten könnten eine grössere Auswahl an Importprodukten vorfinden, während die Produzenten Konkurrenz aus Ländern mit anderen Kostenstrukturen und Regulierungssystemen befürchten.

Umweltschutzbestimmungen bleiben ein weiterer Streitpunkt. Linke Abgeordnete stimmten gegen das Abkommen, nachdem ihre Vorschläge zu Entwaldung und Zwangsarbeit gescheitert waren. Der Ständerat lehnte dieselben Massnahmen bei seiner jüngsten Beratung ab. Parmelin sagte, das Abkommen werde nicht zu mehr Handel führen, der mit Entwaldung verbunden ist. Die Gegnerinnen und Gegner stellen diese Zusicherung weiterhin politisch infrage.

Nationalrat steht vor der entscheidenden Abstimmung

Der Nationalrat entscheidet nun unmittelbar über das Schicksal des Abkommens, nachdem er es im Juni knapp abgelehnt hatte. Seine Entscheidung wird zeigen, ob der Finanzierungskompromiss des Ständerats die Vertreterinnen und Vertreter der Bauern überzeugen kann und ob die Linke ihren Widerstand wegen der Schutzbestimmungen zu Arbeit und Umwelt aufrechterhält.

Die Abstimmung findet während einer Herbstsession statt, die bereits von umstrittenen Geschäften geprägt ist, darunter das Paket der Abkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union sowie Pläne zur Finanzierung der Armee. Mercosur wird zu einer weiteren grossen Bewährungsprobe dafür, ob die Regierungskoalition Exportinteressen mit dem innenpolitischen Druck in Einklang bringen kann.

Eine Zustimmung im Nationalrat würde eine wichtige parlamentarische Hürde beseitigen, doch der politische Streit wäre damit nicht beendet. Landwirtschaftsorganisationen haben bereits gezeigt, dass sie gegen den Vertrag mobilisieren können. Umweltgruppen dürften weiterhin verbindliche Massnahmen gegen Entwaldung und Zwangsarbeit in Lieferketten fordern.

Für Schweizer Haushalte würden sich die Auswirkungen des Abkommens über Handelsströme, den Zugang zu Märkten und den Landwirtschaftsmarkt bemerkbar machen. Der Vertrag verspricht Exporteure Zollersparnisse und legt Importkontingente fest, die den Wettbewerb in ausgewählten Lebensmittelkategorien verändern könnten. Die nächste Abstimmung im Parlament wird darüber entscheiden, ob diese Vorteile die politischen Kosten des aktuellen Kompromisses aufwiegen.