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Swiss Observer

Schweizer Treibstoffpreise erreichen neuen Jahreshöchststand

Die durchschnittlichen Benzinpreise in der Schweiz haben CHF 2.10 pro Liter erreicht, Diesel kostet CHF 2.38. Damit nähern sich die Preise den Rekordwerten nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine und belasten die Haushalts- und Transportkosten zusätzlich.

Schweizer Treibstoffpreise erreichen neuen Jahreshöchststand
AISWI swissinfo.ch

CHF 2.10 pro Liter für Bleifrei 95 bedeuten gemäss den neuesten Zahlen des Touring Club Schweiz an Schweizer Tankstellen einen neuen Jahreshöchststand. Der Durchschnittspreis ist innerhalb einer Woche um 5 Rappen gestiegen. Damit setzt sich der stetige Anstieg fort, der sich direkt auf die Kosten für den Arbeitsweg, Lieferungen und alltägliche Fahrten auswirkt.

Diesel ist dem Höchststand, der während des Energieschocks nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine erreicht wurde, noch näher gekommen. Der Durchschnittspreis liegt nun bei CHF 2.38 pro Liter, nur 2 Rappen unter dem Rekordwert von CHF 2.40 aus dem Jahr 2022. Bleifrei 98 kostet durchschnittlich CHF 2.21.

Der Preisanstieg hat sich im Laufe des Jahres beschleunigt. Benzin ist seit Januar um rund 27% teurer geworden, Diesel um rund 33%. Für eine Autofahrerin oder einen Autofahrer, die oder der 50 Liter Bleifrei 95 tankt, bedeutet der aktuelle Durchschnittspreis eine Tankrechnung von rund CHF 105, ohne allfällige lokale Preisunterschiede.

Die am 16. September 2026 veröffentlichten Zahlen bringen Schweizer Haushalten und Unternehmen zum Ende der sommerlichen Reisezeit kaum Entlastung. Sie zeigen auch, wie rasch sich internationaler Energiedruck an den Tankstellen eines Landes bemerkbar machen kann, das den grössten Teil seines Treibstoffs importiert und stark auf den Strassenverkehr angewiesen ist.

Diesel nähert sich dem Höchststand von 2022

Diesel liegt nun nur noch 2 Rappen unter dem Rekordwert von 2022, was den aktuellen Anstieg direkt in einen historischen Zusammenhang stellt. In den Monaten nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine erreichte Bleifrei 95 bis zu CHF 2.31 pro Liter, während Diesel auf CHF 2.40 stieg. Die heutigen Preise liegen noch unter diesen Höchstständen, doch der Abstand hat sich stark verringert.

Der Vergleich ist relevant, weil der Preisanstieg von 2022 die Haushaltsbudgets und Betriebskosten in der ganzen Schweiz veränderte. Berufstätige, die auf ein Auto angewiesen sind, zahlten mehr für den Arbeitsweg, während Unternehmen höhere Rechnungen für Transport, Bau und Lieferungen erhielten. Die neuesten Zahlen lassen diesen Druck wieder aufleben, auch wenn der frühere Benzinrekord noch nicht erreicht ist.

Die Preiserhöhungen fielen je nach Treibstoff unterschiedlich aus. Ein Anstieg der Benzinpreise um 27% seit Jahresbeginn steht einem Anstieg der Dieselpreise um 33% gegenüber. Dieser Unterschied betrifft Nutzfahrzeuge, Lieferwagen und Lastwagen, die Waren im ganzen Land transportieren. Unternehmen geben einen Teil der Transportkosten in der Regel entlang der Lieferketten weiter. Wie stark sich dies auswirkt, hängt jedoch von Verträgen, dem Treibstoffverbrauch und der Möglichkeit ab, Preise anzupassen.

Die Durchschnittswerte des Touring Club Schweiz bilden den nationalen Markt ab. Je nach Standort, Wettbewerb, Mietkosten und Einkaufsbedingungen können einzelne Tankstellen mehr oder weniger verlangen. Autofahrerinnen und Autofahrer in Grenzregionen vergleichen Schweizer Preise möglicherweise auch mit jenen jenseits der Grenze, was den lokalen Wettbewerb zusätzlich beeinflusst.

Globale Lieferketten treiben den Preisanstieg

Rotterdam, der Dollar und der Rhein beeinflussen die Preise an Schweizer Tankstellen. Der Touring Club Schweiz nennt drei wichtige Faktoren: die Preise für raffinierte Produkte an der Rotterdamer Börse, den Wechselkurs des US-Dollars und die Frachtraten für den Transport auf dem Rhein. Jedes Glied dieser Kette kann sich auf die Kosten für Schweizer Autofahrerinnen und Autofahrer auswirken, selbst wenn sich die Bedingungen an einer lokalen Tankstelle scheinbar nicht ändern.

Der Markt hat zudem mit einer verringerten Raffineriekapazität zu kämpfen. Von Keystone-SDA zitierte Fachleute verweisen auf Zerstörungen von Raffinerien im Zusammenhang mit den Kriegen im Iran und in der Ukraine als einen weiteren Grund für den aktuellen Preisdruck. Schäden an Raffinerien können die Versorgung mit verwendbarem Benzin und Diesel einschränken und den Markt verknappen, selbst wenn sich die Rohölproduktion nicht im gleichen Ausmass verändert.

Die Rohölpreise haben den Anstieg weiter beschleunigt. Brent wurde am Mittwochmorgen vorübergehend zu mehr als USD 108 pro Fass gehandelt, einem Stand, der zuletzt im Juli erreicht worden war. Höhere Rohölpreise können sich auf raffinierte Produkte übertragen. Zeitpunkt und Ausmass hängen jedoch von Wechselkursen, Transportkosten, Lagerbeständen und Raffineriemargen ab.

In der Schweiz kommen diese internationalen Entwicklungen über ein eng verflochtenes Versorgungssystem an. Ein stärkerer Dollar kann die Importkosten erhöhen, während höhere Frachtraten auf dem Rhein den Transport des Treibstoffs ins Landesinnere verteuern können. So entsteht ein Inlandspreis, der von Ereignissen weit ausserhalb der Tankstelle geprägt wird.

Höhere Treibstoffkosten belasten den Strassenverkehr

Die Aussichten lassen keine unmittelbare Verbilligung des Treibstoffs erkennen. Brent-Rohöl wird wieder zu mehr als USD 108 pro Fass gehandelt, während die durch Konflikte beschädigte Raffineriekapazität die Versorgung mit raffinierten Produkten weiterhin belastet. Bleiben die Preise für Rohöl und raffinierte Produkte hoch, dürften Schweizer Autofahrerinnen und Autofahrer sowie Transportunternehmen an den Tankstellen weiter unter Druck stehen.

Die Auswirkungen werden über den privaten Autoverkehr hinausreichen. Diesel wird häufig von Frachtunternehmen, Lieferflotten und anderen Nutzfahrzeugen verwendet. Anhaltende Preiserhöhungen können deshalb die Kosten für den Warentransport zwischen Schweizer Städten und über die Bergstrecken des Landes erhöhen. Haushalte könnten die Auswirkungen auch über Liefergebühren und die Preise von Produkten spüren, die auf der Strasse transportiert werden müssen.

Wie Swissinfo im Mai berichtete, unterhält die Schweiz obligatorische Treibstofflager, die bei Versorgungsengpässen eingesetzt werden können. Diese Reserven sind jedoch für Notfälle bei der Versorgung vorgesehen und senken die Preise nicht automatisch, wenn Rohöl, Schiffsverkehr oder raffinierte Produkte teuer sind.

Die nächsten Preisbewegungen hängen von mehreren Faktoren ab: dem Markt in Rotterdam, dem Dollar, den Frachtraten auf dem Rhein, der Verfügbarkeit von Raffinerien und der Entwicklung des Brent-Rohölpreises. Vorerst zeigen die Zahlen das Ausmass des Drucks deutlich. Benzin ist seit Januar um mehr als ein Viertel gestiegen, Diesel um ein Drittel, und Diesel liegt bereits in unmittelbarer Nähe seines Rekordwerts von 2022.