Stadler Rail
Stadler Rail erhält Auftrag über acht Lokomotiven in Italien
Stadler Rail wird acht Zweikraftlokomotiven an Mercitalia Shunting & Terminal in Italien liefern. Der Artikel beleuchtet die Bi-Mode-Technologie des Schweizer Herstellers, die Gründe für Italiens Investitionen in einen flexiblen Schienengüterverkehr und die Bedeutung des Auftrags für Stadlers internationales Geschäft.

Acht neue Lokomotiven werden Italiens elektrifizierte und nicht elektrifizierte Bahnstrecken verbinden. Stadler Rail hat einen Auftrag zur Lieferung von acht Eurolight-Dual-Lokomotiven an Mercitalia Shunting & Terminal erhalten, den italienischen Güterverkehrs- und Terminalbetreiber, der innerhalb der Ferrovie-dello-Stato-Gruppe von FS Logistix kontrolliert wird. Der im Kanton Thurgau ansässige Hersteller gab den Auftrag am 16. September 2026 bekannt und bezeichnete ihn als Schritt hin zu einem effizienteren, flexibleren und nachhaltigeren Güterverkehr.
Der Auftrag verschafft Stadler einen weiteren Zugang zu einem bedeutenden europäischen Bahnmarkt, während Italien die für den Gütertransport im nationalen Netz eingesetzten Fahrzeuge modernisiert. Die Lokomotiven von Mercitalia werden auf die besonderen Bedingungen des italienischen Bahnnetzes ausgelegt, darunter Strecken ohne Fahrleitungsstrom.
Der Zeitpunkt rückt die Technologie zudem ins Blickfeld des internationalen Fachpublikums. Stadler will die Lokomotive am 22. September an der InnoTrans vorstellen, der alle zwei Jahre in Berlin stattfindenden Fachmesse für Verkehrstechnik. Für den grössten Schweizer Schienenfahrzeughersteller ist der Auftrag ein sichtbarer Beleg dafür, wie seine Ingenieurskompetenz in der Ostschweiz für den grenzüberschreitenden Güterverkehr eingesetzt wird.
Bi-Mode-Technologie im Rampenlicht
Die Eurolight Dual kann während der Fahrt den Antriebsmodus wechseln. Die Lokomotive kombiniert elektrischen Antrieb mit 3 kV Gleichstrom mit einem Dieselmotor. So kann sie Strom aus elektrifizierten Strecken beziehen und mit Diesel weiterfahren, wenn auf einer Strecke, in einem Terminal oder auf einem Industriegleis keine Fahrleitung vorhanden ist.
Für Güterverkehrsbetreiber kann diese Kombination den Bedarf verringern, an der Grenze zwischen elektrifizierten und nicht elektrifizierten Abschnitten die Lokomotive zu wechseln. Sie gibt Mercitalia zudem mehr Spielraum, dieselbe Lokomotivbaureihe auf verschiedenen Teilen des italienischen Netzes einzusetzen. In der gemeinsamen Mitteilung wird das Modell als leistungsstark und leicht beschrieben, mit einer Achslast von lediglich 20 Tonnen.
Dieser Wert ist für den Netzzugang von Bedeutung. Eine niedrigere Achslast kann es einer Lokomotive ermöglichen, sowohl auf wichtigen Korridoren als auch auf Nebenstrecken zu verkehren, für die oft unterschiedliche Infrastrukturvorgaben gelten. Stadler erklärt, das Modell eigne sich für den Einsatz in ganz Italien, einschliesslich Haupt- und Nebenstrecken.
Stadler-Manager Inigo Parra sagte, der Auftrag zeige den Mehrwert der Bi-Mode-Technologie für Betreiber, die ihre betriebliche Leistungsfähigkeit maximieren und gleichzeitig ihren ökologischen Fussabdruck verringern wollen. In der Medienmitteilung werden weder die erwarteten Emissionseinsparungen noch eine Reduktion des Treibstoffverbrauchs beziffert.
Flexibilität in ganz Italien ausbauen
Italien investiert in Flexibilität für ein Bahnnetz mit unterschiedlichen Betriebsbedingungen. Der Auftrag über acht Lokomotiven ist Teil eines Investitionsprogramms im Umfang von rund 1 Milliarde Euro, wie Sabrina De Filippis, Geschäftsführerin von FS Logistix, erklärte. Mit dem Programm soll der Bestand an modernen, effizienten und flexiblen Fahrzeugen im italienischen Netz erweitert werden.
Güterzüge verkehren nicht nur auf vollständig elektrifizierten Hauptkorridoren. Sie bedienen auch Terminals, Logistikzentren und Industrieanschlüsse, wo Fahrleitungen fehlen können. Eine Zweikraftlokomotive kann mit einem Fahrzeug einen grösseren Teil der Strecke zurücklegen und bietet den Betreibern damit eine Option für Routen mit unterschiedlichen Infrastrukturtypen.
Auch die Achslast von 20 Tonnen ist für den vorgesehenen Einsatz der Eurolight Dual zentral. Laut der gemeinsamen Medienmitteilung ermöglicht diese Auslegung den Betrieb auf Haupt- und Nebenstrecken in ganz Italien. Dieses breite Einsatzprofil unterstützt Mercitalia bei der Abwicklung des Güterverkehrs in einem vielfältigen nationalen Netz.
Die Mitteilung nennt weder einen Lieferzeitplan noch den Auftragswert für die acht Lokomotiven oder eine Aufschlüsselung des umfassenderen Investitionsprogramms. Diese Angaben werden entscheidend dafür sein, wie schnell sich der Auftrag auf die tägliche Güterverkehrskapazität auswirkt.
Schweizer Schienenfahrzeugbau international ausbauen
Der Auftrag erweitert Stadler Rails internationales Geschäft über Personenzüge hinaus. Stadler mit Sitz im Kanton Thurgau hat ein globales Portfolio aufgebaut, zu dem neben Lokomotiven auch Regional-, Stadt- und Intercity-Züge gehören. Der italienische Auftrag ergänzt diese Exportbilanz um acht spezialisierte Güterlokomotiven und verbindet das Unternehmen mit FS Logistix, einem Teil der italienischen Staatsbahngruppe.
Der Auftrag verdeutlicht auch, wie attraktiv auf ein nationales Netz zugeschnittene Fahrzeuge sein können. Stadler entwickelte diese Ausführung der Eurolight Dual speziell für die Bedingungen des italienischen Bahnnetzes. Sie kombiniert das italienische 3-kV-Gleichstromsystem mit Dieselantrieb und einer niedrigen Achslast. Solche Anpassungen können Herstellern helfen, bei Flotteninvestitionen zu konkurrieren, wenn eine Standardlokomotive die lokalen Anforderungen nicht erfüllt.
Stadler-Manager Inigo Parra stellte die Leistungsfähigkeit und die Umweltwirkung in den Mittelpunkt. Diese Vorteile hängen davon ab, wie Mercitalia die Lokomotiven einsetzt, wie lange sie mit elektrischem Antrieb fahren und in welchem Zustand sich die befahrenen Strecken befinden.
Für den Schweizer Hersteller bietet die öffentliche Präsentation an der InnoTrans die Gelegenheit, die Plattform weiteren Betreibern anzubieten, die eine einzelne Lokomotive für Strecken mit unterschiedlicher Infrastruktur suchen. Mit dem italienischen Auftrag gibt es dafür einen konkreten Kunden und ein konkretes Einsatzumfeld.
Die italienische Plattform nach Berlin bringen
Am 22. September wird Stadlers italienische Güterlokomotive der internationalen Bahnbranche vorgestellt. Das Unternehmen präsentiert die Eurolight Dual an der InnoTrans in Berlin, vier Tage nach Bekanntgabe des Auftrags. Die Veranstaltung bietet potenziellen Kunden einen ersten Blick auf eine Lokomotive, die auf elektrifizierten und nicht elektrifizierten Streckenabschnitten verkehren soll.
Der unmittelbare Auftrag umfasst lediglich acht Einheiten, ist jedoch Teil des Investitionsprogramms von FS Logistix im Umfang von rund 1 Milliarde Euro. Seine längerfristige Bedeutung hängt vom Einsatz der Flotte, der Einhaltung der Liefertermine und davon ab, ob das Zweikraftkonzept die betrieblichen und ökologischen Ziele von Mercitalia erfüllt.
Für die Schweiz zeigt der Auftrag, wie ein Hersteller mit Hauptsitz im Kanton Thurgau dank spezialisierter Ingenieurskompetenz und der Anpassung an ausländische Bahnsysteme wettbewerbsfähig ist. Das Unternehmen muss gleichzeitig einem italienischen Betreiber dienen, die Anforderungen des italienischen Netzes erfüllen und das Produkt einem internationalen Publikum präsentieren.
Die Mitteilung enthält keine Angaben zu Produktionsstandorten, Lieferterminen oder dem Preis des Auftrags. Diese fehlenden Informationen werden wichtig sein, um die Auswirkungen auf Stadlers Werke, Zulieferer und Geschäftsergebnisse beurteilen zu können. Der bestätigte Schritt ist klar: Acht Lokomotiven werden Teil eines italienischen Programms zur Beschaffung flexiblerer Fahrzeuge für den Schienengüterverkehr.