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Swiss Observer

WHO-Studie zeigt weltweite Auswirkungen von Herpes: Bedeutung für die Schweizer Gesundheit

Ein neuer WHO-Bericht zeigt, dass weltweit einer von fünf Erwachsenen mit Genitalherpes lebt. Schweizer Gesundheitsbehörden prüfen deshalb nationale Präventionsstrategien.

WHO-Studie zeigt weltweite Auswirkungen von Herpes: Bedeutung für die Schweizer Gesundheit
AISWI swissinfo.ch

Eine wegweisende Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat gezeigt, dass weltweit mehr als jede fünfte Person im Alter von 15 bis 49 Jahren mit Genitalherpes lebt. Insgesamt sind dies beispiellose 846 Millionen Menschen. Dieser Befund hat Schweizer Gesundheitsbehörden dazu veranlasst, ihre nationalen Präventionsstrategien neu zu beurteilen. Die in der Fachzeitschrift «Sexually Transmitted Infections» veröffentlichte Studie zeigt, dass sich jährlich rund 42 Millionen Menschen neu anstecken. Das entspricht einer Ansteckung pro Sekunde. Die Schweiz verfügt zwar weiterhin über relativ gut ausgebaute Programme zur sexuellen Gesundheit, prüft diese Erkenntnisse nun aber im Rahmen ihres Gesundheitssystems.

Medizinisches Verständnis und Symptome

Der WHO-Bericht betont, dass rund 90 Prozent der mit Genitalherpes infizierten Personen keine oder nur geringe Symptome haben. Dadurch ist die Erkrankung besonders schwierig zu erkennen und einzudämmen. Wenn Symptome auftreten, handelt es sich typischerweise um schmerzhafte Ausschläge im Genitalbereich und Fieber. Die Studie weist besonders auf die Risiken für schwangere Frauen hin, vor allem in der späten Schwangerschaft, da das Virus während der Geburt auf Neugeborene übertragen werden kann. Die Fähigkeit des Virus, im Körper inaktiv zu bleiben und periodisch Ausbrüche zu verursachen, stellt Gesundheitsfachpersonen in der Schweiz und weltweit vor eine grosse Herausforderung.

Prävention und Schweizer Gesundheitsmassnahmen

Als Reaktion auf die WHO-Erkenntnisse betonen Schweizer Gesundheitsbehörden die Bedeutung vorbeugender Massnahmen, insbesondere der Verwendung von Kondomen, die das Übertragungsrisiko deutlich senken können. Anders als in einigen europäischen Ländern, wo die Verwendung von Kondomen unter jungen Menschen zurückgegangen ist, sind die Schutzraten in der Schweiz relativ stabil geblieben. Die Studienergebnisse haben Forderungen nach einer verstärkten Gesundheitsaufklärung und der Entwicklung neuer Therapien und Impfstoffe ausgelöst. Schweizer Gesundheitsbehörden konzentrieren sich insbesondere darauf, diese Erkenntnisse in die Programme zur Sexualaufklärung und in klinische Behandlungsrichtlinien einzubeziehen.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen

Die weltweiten wirtschaftlichen Folgen von Genitalherpes werden auf jährlich 35 Milliarden US-Dollar geschätzt. Darin enthalten sind Behandlungskosten und Produktivitätsverluste. In der Schweiz wird die Auswirkung im Kontext des fortschrittlichen Gesundheitssystems beurteilt. Die Studienautorinnen und -autoren weisen besonders auf die erheblichen gesellschaftlichen Folgen hin und betonen, dass Scham und Stigmatisierung häufig eine offene Auseinandersetzung mit der Erkrankung verhindern. Diese gesellschaftliche Dimension hat Schweizer Gesundheitsbehörden dazu veranlasst, umfassendere Ansätze zur Behandlung sowohl der medizinischen als auch der psychologischen Aspekte der Erkrankung zu prüfen. Dazu gehören Unterstützungsangebote und öffentliche Sensibilisierungskampagnen, die Stigmatisierung abbauen sollen.