Wohnen
Städtische Verdichtung könnte Wohnraum für 2 Millionen weitere Menschen in der Schweiz schaffen
Eine Studie des Thinktanks zeigt: 30 % der städtischen Gebiete könnten entwickelt werden, um die Wohnungsnot zu lindern, ohne die Bauzonen zu erweitern

Mit einem wegweisenden Vorschlag zur Bewältigung der drängenden Wohnungsnot in der Schweiz hat der Thinktank Urbanistica einen ehrgeizigen Plan vorgestellt, der die Stadtentwicklung im ganzen Land grundlegend verändern könnte. Die Studie legt nahe, dass die Schweiz durch eine gezielte Verdichtung bestehender städtischer Gebiete Wohnraum für bis zu 2 Millionen weitere Einwohnerinnen und Einwohner schaffen könnte, ohne die bestehenden Bauzonen zu erweitern. Dieser innovative Ansatz steht für einen bedeutenden Wandel in der Raumplanungsphilosophie: Er setzt auf eine effiziente Nutzung des vorhandenen Raums statt auf eine Ausdehnung der Siedlungsgebiete.
Erkenntnisse der Studie und mögliche Auswirkungen
Die umfassende Analyse des Instituts Sotomo, die von Urbanistica in Auftrag gegeben wurde, zeigt ein bemerkenswertes Potenzial für die Stadtentwicklung auf. Die Studie kommt zum Schluss, dass 30 % der städtischen Gebiete durch gezielte Verdichtungsmassnahmen entwickelt werden könnten, während 70 % des bestehenden Stadtraums erhalten blieben. Der Plan sieht eine starke Verdichtung auf 8 % des Siedlungsgebiets vor, während 22 % moderat verdichtet würden. Dieser ausgewogene Ansatz ermöglicht nachhaltiges Wachstum und bewahrt zugleich die Lebensqualität in den Städten.
Umsetzungsstrategie
Die Umsetzungsstrategie setzt auf nachhaltige Verdichtung innerhalb der bestehenden Siedlungsgrenzen und berücksichtigt sowohl den Wohnraumbedarf als auch Umweltbelange. Statt neue Gebiete zu erschliessen, legt der Plan den Schwerpunkt auf höhere Gebäude und eine effiziente Raumnutzung in bereits bebauten Gebieten. Damit soll die Wohnungsnot bekämpft und gleichzeitig der Pendlerverkehr verringert sowie die wertvolle Schweizer Landschaft geschützt werden.
Regionale Schwerpunkte und Möglichkeiten
Die Studie zeigt in verschiedenen Schweizer Agglomerationen ein beträchtliches Entwicklungspotenzial auf, mit besonderem Schwerpunkt auf der Westschweiz. Besonders vielversprechende Möglichkeiten gibt es in Genfer Gemeinden wie Vernier und Pregny-Chambésy sowie in den Waadtländer Gemeinden Prilly und Pully. Diese Gebiete wurden aufgrund ihrer bestehenden Infrastruktur und ihres Potenzials für eine nachhaltige Stadtentwicklung ausgewählt.
Hintergrund zur Wohnungskrise
Der Vorschlag zur städtischen Verdichtung kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt, da die Schweiz weiterhin mit einer anhaltenden Wohnungskrise konfrontiert ist. Die Leerwohnungsziffer ist das fünfte Jahr in Folge auf 1 % gesunken. Der Bedarf an innovativen Lösungen war daher noch nie so dringlich. Die vorgeschlagene Verdichtungsstrategie bietet eine praktische Möglichkeit, dieser wachsenden Herausforderung zu begegnen und gleichzeitig dem Bekenntnis der Schweiz zu nachhaltiger Entwicklung und Umweltschutz gerecht zu werden.