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Swiss Observer

21 Prozent mehr geschützte historische Denkmäler in der Schweiz

Die Zahl der geschützten historischen Denkmäler in der Schweiz ist seit 2016 um 21 Prozent gestiegen und erreichte 2022 fast 91’000 Objekte. Dies spiegelt verstärkte Bemühungen um den Erhalt des Kulturerbes wider.

21 Prozent mehr geschützte historische Denkmäler in der Schweiz
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz erlebt einen beispiellosen Aufschwung im Denkmalschutz: Die Zahl der geschützten historischen Denkmäler ist seit 2016 um beachtliche 21 Prozent gestiegen. Das Bundesamt für Statistik bestätigte am Montag, dass es 2022 in der Schweiz fast 91’000 geschützte Objekte gab. Diese Zahl verdeutlicht einen markanten Wandel im Umgang des Landes mit seiner architektonischen Vergangenheit. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine statistische Anpassung, sondern um ein klares Bekenntnis zur nationalen Identität.

Geschützte Denkmäler machen derzeit rund 5 Prozent des gesamten Gebäudebestands der Schweiz aus. Während das Land 4’092 Objekte von nationaler Bedeutung aufweist, ist das umfassendere Verzeichnis erfasster historischer Objekte, einschliesslich solcher ohne strengen gesetzlichen Schutz, auf insgesamt 303’482 angewachsen. Das entspricht 12 Prozent aller Gebäude, Brücken, Brunnen und Statuen in den Kantonen. Während die Modernisierung voranschreitet, wird es immer wichtiger, diese Werte zu erfassen und zu schützen, damit die visuelle Geschichte der Schweiz nicht im Lauf der Zeit verloren geht.

Lokale Schätze prägen das Verzeichnis

Der Motor dieses Aufschwungs im Denkmalschutz liegt nicht in den grossen Bundespalästen, sondern mitten in den lokalen Gemeinschaften. Die Zahlen zeigen, dass die Zahl der geschützten Gebäude von lokaler Bedeutung um 31 Prozent gestiegen ist und damit den Zuwachs von 15 Prozent bei Objekten von regionaler Bedeutung deutlich übertrifft. Diese Diskrepanz zeugt von einer starken Verankerung des Bewusstseins für den Wert des Kulturerbes vor Ort: Die Gemeinden setzen sich mit Nachdruck dafür ein, jene traditionelle Architektur zu schützen, die die Schweizer Landschaft prägt.

Diese lokalen Schutzbestimmungen sind wichtig. Sie bewahren den Alltag, etwa Dorfbrunnen, kleinere Brücken und historische Wohnhäuser, die zwar keine internationalen Schlagzeilen machen, für den kulturellen Zusammenhalt der Kantone aber wesentlich sind. Indem sich die Schweiz auf diese lokalen Werte konzentriert, stellt sie sicher, dass der Schutz des Kulturerbes nicht nur ein Anliegen einer Elite ist, sondern die gesamte gebaute Umwelt umfasst.

Archäologischer Schutz verdoppelt sich

Unter der Erde vollzieht sich ein noch tiefgreifenderer Wandel. Die Fläche der geschützten archäologischen Perimeter hat sich mehr als verdoppelt und ist um beeindruckende 104 Prozent auf 86’419 Hektaren angewachsen. Heute stehen archäologische Zonen, die gesetzlich geschützt sind, auf 1,3 Prozent des gesamten Schweizer Staatsgebiets. Das zeigt deutlich, dass die Schweiz dem, was unter der Erde liegt, ebenso viel Bedeutung beimisst wie dem, was darüber steht.

Die Zahl der archäologischen Fundstellen ist um 27 Prozent auf 53’000 gestiegen. Rund ein Viertel davon, nämlich 12’651, steht unter strengem gesetzlichen Schutz. Die Zahl der festgelegten archäologischen Perimeter, also der Gebiete, die von den Kantonen als besonders vielversprechend für mögliche Funde eingestuft werden, ist um 71 Prozent gestiegen. Durch diese massive Ausweitung der geschützten Gebiete wird sichergestellt, dass künftige Generationen Zugang zu den verborgenen Zeugnissen der Schweizer Geschichte haben, von römischen Ruinen bis zu mittelalterlichen Fundamenten.

Bauprojekte erhöhen den Handlungsdruck

Der starke Ausbau des Schutzes ist eine direkte Reaktion auf eine konkrete Bedrohung: den unaufhörlichen Druck durch Neubauten. Wie das Bundesamt für Statistik festhält, spiegeln die Zunahmen eine Gesellschaft wider, die sich mit der Herausforderung auseinandersetzt, für die Zukunft zu bauen und zugleich die Vergangenheit zu bewahren. Jedes neue Wohnbau- oder Infrastrukturprojekt birgt ein mögliches Risiko für bislang nicht erfasste historische Zeugnisse. Deshalb handeln die Behörden rasch, um gefährdete Orte zu erfassen und zu schützen, bevor sie für immer verloren gehen.

Der Zuwachs ist jedoch teilweise auch administrativ bedingt. Das BFS räumt ein, dass Änderungen der Erhebungsmethode zu den höheren Zahlen beigetragen haben, da das Kulturerbe nun präziser erfasst wird. Der Trend ist dennoch unbestreitbar. Die Schweiz befindet sich in einem schwierigen Balanceakt: Sie muss die Anforderungen der modernen Stadtentwicklung mit der Verantwortung in Einklang bringen, ihre architektonische Identität zu bewahren. Mit dem wachsenden Verzeichnis steigt auch die Verantwortung, es zu pflegen. Damit sind weitere Diskussionen über die Landnutzung und den Erhalt des Kulturerbes in den kommenden Jahren vorgezeichnet.