Technologie
Die Schweiz entwickelt ein KI-gestütztes System zum Schutz der Kulturen
Das Schweizer Agrarforschungszentrum Agroscope entwickelt ein innovatives, KI-basiertes Schrecksystem, um Kulturen vor Vogelschäden zu schützen. Damit markiert das Zentrum einen Wandel hin zu intelligenten Lösungen für die Landwirtschaft.

Das Schweizer Agrarforschungszentrum Agroscope macht einen bedeutenden Schritt in Richtung intelligenter Landwirtschaft: Es entwickelt ein innovatives, KI-gestütztes Schrecksystem, um Kulturen vor Vogelschäden zu schützen. Dieses wegweisende Projekt markiert den Wechsel von herkömmlichen, oft unwirksamen Methoden zu einer Hightech-Lösung, die intelligente Vögel überlisten, Ernten schützen und die Effizienz der Landwirtschaft steigern soll.
Die Herausforderung, Rabenvögel auszutricksen
Schweizer Landwirtinnen und Landwirte stehen vor einer anhaltenden Herausforderung durch Rabenvögel, zu denen unter anderem Krähen und Saatkrähen gehören. Diese Vögel richten vor allem auf frisch gesäten Mais- und Sonnenblumenfeldern grosse Schäden an. Das Kernproblem ist laut Agroscope, dass sich diese intelligenten Tiere rasch an herkömmliche Abwehrmittel gewöhnen. Statische Vogelscheuchen, Hörner und Ballone verlieren ihre Wirkung, sobald die Vögel erkennen, dass von ihnen keine echte Gefahr ausgeht. Auch drastischere Massnahmen wie die Bestandsregulierung durch Abschüsse haben sich langfristig nicht als erfolgreich erwiesen. «Die Kulturen sind nur während einiger Wochen gefährdet, aber die Rabenvögel lernen sehr schnell», erklärt Thomas Anken von der Forschungsgruppe Intelligente Technologien in der Landwirtschaft bei Agroscope. Das zeige, wie nötig ein dynamischerer und intelligenterer Ansatz sei.
So funktioniert die KI-Vogelscheuche
Das neue System hat mit den strohgefüllten Figuren von früher wenig gemein. Die derzeit auf mehreren Feldern getesteten Prototypen bestehen aus einer Metallkonstruktion mit Solarpanel, Erkennungskamera und Horn. Die KI ist das Gehirn des Systems. Die Kamera erkennt Rabenvögel auf dem Feld, und das System entscheidet intelligent über die geeignete Reaktion. Indem es Zeitpunkt und Art des akustischen Alarms variiert, schafft die KI eine unvorhersehbare Umgebung und verhindert so, dass sich die Vögel an die Bedrohung gewöhnen. Diese Fähigkeit, «schneller zu sein als die Anpassungsfähigkeit der Tiere», ist entscheidend für den möglichen Erfolg.
Die Zukunft der intelligenten Landwirtschaft in der Schweiz
Agroscope hat bereits Prototypen im Einsatz und will ab 2026 ein marktreifes System entwickeln. Das Projekt wird vom Bundesamt für Landwirtschaft finanziell unterstützt, was auf eine starke staatliche Förderung landwirtschaftlicher Innovationen hindeutet. In einem besonders interessanten Teil der Forschung analysieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch die Warnrufe verschiedener Rabenvogelarten und berücksichtigen dabei sogar regionale «Dialekte». So kann das System bestimmte, besonders wirksame Laute einsetzen, um die Vögel zu vertreiben und die Strategie zum Schutz der Kulturen weiter zu individualisieren und zu optimieren.
Eine Schweizer Tradition der Innovation
Das Projekt ist ein Musterbeispiel für den Schweizer Ansatz zur Problemlösung, der fundierte Forschung mit praktischen Hightech-Anwendungen verbindet. Mit Investitionen in KI zur Bewältigung eines seit Langem bestehenden landwirtschaftlichen Problems stärkt die Schweiz ihre Stellung als Innovationsführerin. Dieser Schritt hin zu intelligenter Landwirtschaft soll nicht nur die Existenzgrundlage der Landwirtinnen und Landwirte schützen, sondern auch einen nachhaltigeren und effizienteren Landwirtschaftssektor fördern und mithilfe modernster Technologie die Ernährungssicherheit gewährleisten.