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Swiss Observer

Freihandelsabkommen Schweiz-Indien tritt im Oktober in Kraft

Das EFTA-Indien-Handelsabkommen verbessert den Zugang zum Schweizer Markt und stärkt die Wirtschaftsbeziehungen mit der aufstrebenden asiatischen Wirtschaftsmacht.

Freihandelsabkommen Schweiz-Indien tritt im Oktober in Kraft
AISWI swissinfo.ch

Das Warten hat endlich ein Ende. Nach einem zermürbenden Verhandlungsmarathon von 16 Jahren hat die Schweizer Regierung offiziell bestätigt, dass das wegweisende Freihandelsabkommen (TEPA) mit Indien am 1. Oktober 2025 in Kraft tritt. Dabei handelt es sich nicht bloss um einen diplomatischen Handschlag, sondern um einen tiefgreifenden Wandel in der schweizerischen Aussenwirtschaftspolitik, der die Türen zu einer der dynamischsten Volkswirtschaften der Welt öffnet. Der Bundesrat hat keine Zeit verloren und heute die erforderlichen regulatorischen Anpassungen zur Umsetzung der Zollkonzessionen beschlossen, die für Schweizer Unternehmen die Rahmenbedingungen neu gestalten werden.

Das Abkommen umfasst die EFTA-Staaten Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein sowie die asiatische Wirtschaftsmacht Indien. Mit der Festlegung eines Inkrafttretens signalisiert Bern das Ende der Unsicherheit und den Beginn eines vielversprechenden neuen Kapitels. Das Abkommen soll dem bilateralen Handel umgehend Rechtssicherheit und Planbarkeit verschaffen, ein entscheidender Faktor für Schweizer Unternehmen, die ihre Präsenz im Osten ausbauen wollen. Während die globalen Märkte schwanken, bietet dieses verbindliche Datum unseren Exporteuren den festen Boden, auf den sie dringend gewartet haben.

Milliardenpotenzial erschliessen: Der enorme wirtschaftliche Gewinn

Die Zahlen sind beeindruckend. Mit dem neuen Abkommen baut Neu-Delhi Handelshemmnisse ab und gewährt der Schweiz für 94,7 Prozent der heutigen Exporte einen verbesserten Marktzugang, Gold ausgenommen. Das ist ein Wendepunkt für die Schweizer Industrie. Nach Ablauf der Übergangsfristen dürften die jährlichen Zolleinsparungen bis zu 167 Millionen Franken (207 Millionen US-Dollar) betragen. Das ist kein Kleingeld, sondern Kapital, das wieder in Schweizer Innovation und Arbeitsplätze investiert werden kann.

Zu den Gewinnern des Abkommens zählen die tragenden Säulen der Schweizer Wirtschaft. Hersteller von Pharmazeutika, Präzisionsmaschinen, optischen Instrumenten und unseren ikonischen Uhren profitieren von tieferen Zöllen. Dadurch werden ihre Produkte auf dem geschäftigen indischen Markt deutlich wettbewerbsfähiger. Auch verarbeitete Landwirtschaftsprodukte dürften profitieren. Mit diesen Konzessionen hat die Schweiz ihr Exportpotenzial gezielt gestärkt und dafür gesorgt, dass «Made in Switzerland» in Asien weiterhin eine führende Rolle spielt.

Neue Massstäbe setzen: Ein historischer Wandel für die Nachhaltigkeit

Dieses Abkommen setzt sich über historische Entwicklungen hinweg und markiert einen entscheidenden Wendepunkt für die Ethik im Welthandel. Erstmals hat Indien in einem Freihandelsabkommen rechtsverbindlichen Verpflichtungen zu Handel und nachhaltiger Entwicklung zugestimmt. Das ist ein grosser Erfolg für die Schweizer Diplomatie und internationale Standards. Die Bestimmung stellt sicher, dass das Wirtschaftswachstum nicht auf Kosten der Menschenrechte oder der Umwelt geht.

Das Abkommen schreibt vor, dass keine der beiden Parteien den Umwelt- oder Arbeitnehmerschutz abbauen darf, um sich einen Handelsvorteil zu verschaffen. Es bekräftigt ausdrücklich die Verpflichtungen aus internationalen Abkommen in den Bereichen Soziales und Umwelt. Darüber hinaus enthält das Abkommen ein wegweisendes Kapitel zur Investitionsförderung: Die EFTA-Staaten verpflichten sich aktiv dazu, Investitionen in Indien zu fördern und so Arbeitsplätze zu schaffen, während Neu-Delhi ein günstiges Investitionsklima zusichert. Das zeigt, dass moderne Handelsabkommen sowohl rentabel als auch verantwortungsvoll sein können und müssen.

Strategisch überlebenswichtig: Diversifizierung jenseits traditioneller Grenzen

Kein Zweifel: Das globale Handelsumfeld ist schwierig. Angesichts des zunehmenden Protektionismus und grosser Akteure wie den USA, die in einigen Sektoren prohibitive Zölle von bis zu 39 Prozent erheben, ist es riskant, sich auf traditionelle Märkte zu verlassen. Dieses Freihandelsabkommen ist die strategische Antwort der Schweiz auf diese Schwankungen. Es ist ein gezielter Schritt, um die Absatzmärkte zu diversifizieren und die Abhängigkeit von unberechenbaren westlichen Partnern zu verringern.

Mit dem gesicherten privilegierten Zugang zum bevölkerungsreichsten Land der Welt schützt sich die Schweiz vor geopolitischen Erschütterungen. Der Bund hat klargemacht: Dieses Abkommen ist ein wichtiges Instrument, um die Schweiz als erstklassigen Wirtschaftsstandort zu erhalten. Es sichert unsere Fähigkeit, Wertschöpfung zu erzielen, und schützt Arbeitsplätze im Inland vor internationalen Turbulenzen. In einer unsicheren Welt hat die Schweiz soeben eine starke Brücke in die Zukunft gebaut.