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Swiss Observer

Schwere Dürre erfasst die Schweiz in einem aussergewöhnlich trockenen April

Der nationale Wetterdienst MeteoSchweiz hat eine Warnung herausgegeben. Die Schweiz erlebt einen April, der sich zum trockensten seit Messbeginn entwickelt. Mit Niederschlagsmengen von nur einem Drittel des üblichen Durchschnitts haben einige Regionen weniger als 15 % ihrer gewöhnlichen Niederschläge erhalten. Das gibt Anlass zur Sorge für die Landwirtschaft und wegen der Waldbrandgefahr.

Schwere Dürre erfasst die Schweiz in einem aussergewöhnlich trockenen April
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz erlebt derzeit den trockensten April seit Messbeginn, da ein hartnäckiges Hochdruckgebiet die wichtigen Frühlingsniederschläge blockiert. Laut dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) hat das Land zu dieser Jahreszeit nur ein Drittel der üblichen Niederschlagsmenge erhalten. Das ist nicht bloss eine geringfügige Schwankung, sondern ein systemisches Versagen des saisonalen Wetterzyklus, das die Schweizer Umweltstandards neu definieren könnte. Während die Referenzperiode 1991–2020 normalerweise einen üppigen, niederschlagsreichen Frühling erwarten lässt, zeigt sich die Wirklichkeit vor Ort als karge, staubige Landschaft. Am 23. April erreichte die Krise einen Wendepunkt, und die Meteorologinnen und Meteorologen waren angesichts der ausbleibenden atmosphärischen Bewegung verblüfft. Nur zwei Tage, der 12. und 13. April, brachten eine gewisse Entlastung. Doch diese kurzen Regenschauer waren kaum mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein, denn die Lage ist weiterhin gefährlich trocken. Während der Dürreindex auf kritischem Niveau verharrt, sieht sich das Land mit einer neuen Realität konfrontiert: Der «Wasserturm Europas» läuft leer.

Niederschlagsdefizite erreichen in den Regionen Rekordtiefststände

Das Niederschlagsdefizit betrifft nicht nur das ganze Land, sondern konzentriert sich auf bestimmte Regionen und ist für einzelne Ökosysteme verheerend. Im westlichen Mittelland, im Kanton Wallis und in Teilen des Tessins sind die Niederschläge auf besorgniserregende 15 % des Normalwerts gesunken. Viele Wetterstationen in diesen Regionen haben seit Monatsbeginn gerade einmal 10 Millimeter Regen gemessen. Zum Vergleich: Im Mittelland werden im April normalerweise bis zu 100 Millimeter erwartet, auf der Alpensüdseite bis zu 200 Millimeter. Damit fehlen in einigen der wichtigsten Landwirtschafts- und Wasserhaushaltsgebiete des Landes 85 bis 90 % der üblichen Niederschläge. Der Gegensatz ist augenfällig: Während die Gipfel noch von einer dünner werdenden Schneedecke bedeckt sind, verwandeln sich die Täler in staubige Einöden. Diese regionalen Unterschiede zeigen die zunehmende Verwundbarkeit im Süden und Westen der Schweiz. Dort ist der Feuchtigkeitsmangel keine Prognose mehr, sondern eine akute Notlage.

Energiereserven und Landwirtschaft stehen vor dem Abgrund

Die Energiesicherheit der Schweiz ist unmittelbar bedroht, denn die Wasserreserven in den Stauseen der Wasserkraftwerke sind landesweit auf durchschnittlich nur noch 12 % gesunken. Das Bundesamt für Energie meldet in einzelnen Kantonen noch deutlich tiefere Werte: Die Speicherbecken im Tessin sind zu besorgniserregenden 9 % gefüllt, im Wallis liegt der Wert bei 8 %. Diese Werte liegen deutlich unter dem saisonüblichen Niveau und werfen dringende Fragen zur Stabilität des Schweizer Stromnetzes mit Blick auf die wärmeren Monate auf. Gleichzeitig blickt der Schweizer Bauernverband mit wachsender Sorge zum Himmel. Er hält die Lage für die Ernten zwar noch nicht für «kritisch», doch der Handlungsspielraum schwindet. Kehren die Regenfälle bis Anfang Mai nicht zurück, könnte die Landwirtschaft katastrophale Ernteausfälle erleiden. Das Zusammenspiel von Wassermangel bei der Stromproduktion und für die Nahrungsmittelversorgung führt zu einer Krise an zwei Fronten, die die Schweizer Regierung nun mit wachsender Dringlichkeit bewältigen muss.

Waldbrandgefahr steigt in den Alpen stark an

Die ausgedörrten Bedingungen schüren eine andere Art von Angst: die Gefahr unkontrollierbarer Waldbrände. In weiten Teilen des Kantons Graubünden und im Tessin ist die Gefahrenstufe auf «erheblich» oder «gross» gestiegen. Die lokalen Behörden gehen kein Risiko ein: Mehrere Gemeinden in Graubünden haben für ihre Einwohnerinnen und Einwohner sowie für Touristinnen und Touristen bereits strenge Feuerverbote erlassen. Die charakteristischen Schweizer Föhrenwälder, die normalerweise feucht und widerstandsfähig sind, könnten nun zum Brennstoff für eine Katastrophe werden. Die erhöhte Gefahrenstufe spiegelt eine Veränderung der Waldbrandsaison in den Alpen wider, die früher beginnt und länger dauert. Da der Dürreindex bis Anfang Mai hoch bleibt, stehen die lokalen Feuerwehren unter enormem Druck. Ein einziger Funke könnte unter den aktuellen Bedingungen eine Umweltkatastrophe auslösen, von der sich die Natur erst in Jahrzehnten erholen würde. Damit wären sowohl die Biodiversität als auch die Sicherheit der Berggemeinden bedroht.

Eine Zukunft, die von Klimaextremen geprägt ist

Dieser rekordverdächtige April ist ein deutlicher Weckruf für ein Land, das lange stolz auf seinen Gletscherreichtum war. Die Prognosen von MeteoSchweiz machen wenig Hoffnung für die nahe Zukunft: Vor der ersten Maihälfte werden keine nennenswerten Niederschläge erwartet. Dieser Trend deckt sich mit breiteren Klimaprognosen, denen zufolge die Schweiz auf eine heissere, trockenere und unberechenbarere Zukunft zusteuert. Die Nullgradgrenze steigt, und an die Stelle der traditionellen «Aprilregen» treten lang anhaltende Dürren. Während sich das Land auf häufigere Hitzewellen und heftige Stürme einstellt, ist der Bedarf an wirksamen Strategien zur Klimaanpassung so dringlich wie nie zuvor. Die Schweiz muss nun entscheiden, wie sie ihre schwindenden Wasserressourcen bewirtschaften, ihre Wälder schützen und ihre Energiezukunft sichern will, in einer Welt, in der «beispiellose» Wetterereignisse zum neuen saisonalen Normalzustand werden. Die Dürre von 2026 ist nicht nur ein Wetterereignis, sondern ein Ausblick auf die Zukunft der Schweiz.