Wetter
Der Frühling kommt früh: In der Schweiz werden drei Wochen vor dem Durchschnitt 20 °C erreicht
Ungewöhnlich warmes Wetter hat die Schweiz erreicht, im Tessin kletterten die Temperaturen auf über 20 °C. Dieses bedeutende meteorologische Ereignis trat rund drei Wochen früher ein als im langjährigen Durchschnitt der Region.

Der Winter ist in der Südschweiz abrupt vor die Tür gesetzt worden. Bei einer bemerkenswerten meteorologischen Entwicklung stieg das Quecksilber am Dienstagnachmittag in Cevio im Tessin über die psychologische 20-°C-Marke und läutete damit einen markanten und verfrühten Frühlingsbeginn ein. Das ist nicht einfach nur ein milder Nachmittag, sondern ein statistischer Ausreisser, der Aufmerksamkeit verdient.
Gemäss den definitiven Messungen von MeteoSchweiz wurde die 20-°C-Marke erstaunliche drei Wochen früher als üblich überschritten. Historisch gesehen muss die Alpensüdseite bis zum 15. März warten, gemäss dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020, bis sie solche Wärme erlebt. Doch nun haben wir bereits Ende Februar und geniessen Temperaturen, die zur Frühlings-Tagundnachtgleiche gehören. Während der Kalender darauf besteht, dass noch Winter ist, erzählt die Atmosphäre im Tessin eine völlig andere Geschichte und überspringt praktisch das Schlusskapitel der kalten Jahreszeit.
Das meteorologische Kraftpaket
Hinter diesem ungewöhnlichen Temperaturanstieg steckt ein gewaltiges Hochdruckgebiet, das die Kontrolle über die europäische Wetterkarte übernommen hat. Dieser Hochdruckrücken, der sich vom westlichen Mittelmeerraum bis zu den Alpen erstreckt, wirkt wie ein Förderband und pumpt sehr milde Luft aus Südwesten direkt ins Herz der Schweiz.
MeteoSchweiz bestätigt, dass dieses System die Wetterprognose für den Rest der Woche bestimmen wird. Die Folgen sind klar: Das für den Februar typische graue, feuchte Wetter ist vertrieben worden. Stattdessen steht uns eine längere Periode mit Sonnenschein und zweistelligen Temperaturen bevor. Es handelt sich nicht um einen kurzen Temperaturanstieg, sondern um eine anhaltende Wetterlage, bei der die Höchstwerte am Nachmittag überall regelmässig über 15 °C liegen werden. Die Atmosphäre hat praktisch auf Frühlingsmodus umgeschaltet und ignoriert das Kalenderdatum vollständig.
Nördliches Mittelland und schwindender Schnee
Die Wärme beschränkt sich nicht auf die südlichen Kantone. Sie schwappt über die Alpen und droht, die winterliche Landschaft im Norden in eine Frühlingskulisse zu verwandeln. Den Prognosen zufolge liegen das nördliche Juragebirge, das Wallis und die Region Basel im Zentrum dieser Warmwetterphase, mit Höchstwerten nahe der kritischen Marke von 20 °C.
Besonders alarmierend für Wintersportbegeisterte ist, dass die Nullgradgrenze, also die Höhe, ab der Wasser gefriert, auf über 3200 Meter steigt. Dadurch liegt die Schneefallgrenze weit über den meisten Schweizer Skigebieten. Während die hochgelegenen Gletscher sicher bleiben, droht an tiefer gelegenen Hängen Schneematsch. Der Kontrast ist gross: Während die Städte bei Wärme wie für einen Cafébesuch im Freien geniessen, kämpfen die Berge mit einer raschen Schneeschmelze, die die Schneequalität stark beeinträchtigen könnte, gerade als die Skisaison in ihre Schlussphase geht.
Eine wechselhafte Geschichte der Wärme
Ein Februartag mit 20 °C ist zwar erstaunlich, doch die Klimageschichte der Schweiz zeigt starke Schwankungen zwischen Extremen. Der Bezugszeitraum 1991 bis 2020 legt nahe, dass wir solche Temperaturen erst Mitte März erwarten sollten. Die Klimadaten sind jedoch von starken Anomalien geprägt.
2013 spielte das Wetter noch verrückter: Auf der Alpensüdseite wurden bereits am 4. Januar 20 °C gemessen, an einem Datum, das eindeutig mitten im Winter liegt. Die Geschichte erinnert uns aber auch daran, wie lange Kälte anhalten kann: 1941 wurde an der Station Locarno-Monti die 20-°C-Marke erst am 21. Mai überschritten. Der Trend ist jedoch unbestreitbar. Wenn solche «Frühlingstage» im Kalender immer weiter nach vorne rücken, wird die Definition eines Schweizer Winters zunehmend fliessend. Vorerst tauscht die Schweiz ihre dicken Mäntel gegen Sonnenbrillen, drei Wochen früher als im Durchschnitt. Das lässt uns fragen, ob der Winter noch einmal zurückschlägt oder ob der Frühling die Jahreszeit tatsächlich erobert hat.