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Swiss Observer

Die Schweiz zieht angesichts zunehmender Auswanderung israelische Forschende und Vermögen an

Die Schweiz zieht eine wachsende, wenn auch weiterhin bescheidene Zahl israelischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Beschäftigter im Technologiesektor sowie wohlhabender Migrantinnen und Migranten an, während die Auswanderung aus Israel zunimmt. Der Bericht beleuchtet die Schweizer Zielorte, die Rolle von Forschung und steuerlichen Bedingungen sowie die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Migration.

Die Schweiz zieht angesichts zunehmender Auswanderung israelische Forschende und Vermögen an
AISWI swissinfo.ch

Israel verzeichnete 2025 90’900 Ausreisen und setzte damit einen Auswanderungsboom fort, der seit 2023 die traditionell nach innen gerichtete Migrationsbilanz des Landes verändert hat. Eine von der Lausanner Tageszeitung 24 Heures zitierte Studie der Universität Tel Aviv zählte 2024 91’500 Ausreisen und 2023 86’500. Der Jahresdurchschnitt lag zwischen 2010 und 2019 bei rund 60’000.

Die Schweiz nimmt nur einen kleinen Teil der Auswandernden auf, doch die Bewegung ist in den offiziellen Daten sichtbar. Die Zuwanderung aus Israel in die Schweiz erreichte 2023 mit 257 Personen einen Höchststand, während nur 85 Personen die Schweiz in Richtung Israel verliessen. Die Zuzüge blieben 2024 mit 244 hoch und beliefen sich 2025 auf 212.

Die Verschiebung ist bedeutsam, weil viele Auswandernde in der Technologie, im Gesundheitswesen und anderen hochqualifizierten Bereichen arbeiten. Israels Steuerbehörde warnte, dass anhaltende Abwanderung von Personen mit hohen Einkommen den Staat jährlich bis zu 3,5 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen kosten könnte. Für die Schweiz bringt der Zuzug Forschungskapazitäten, Geschäftskontakte und zusätzliches Vermögen. Zugleich wird das Land Teil einer politisch heiklen Migrationsgeschichte, die von Instabilität, beruflichen Abwägungen und Sorgen um die langfristigen wirtschaftlichen Aussichten geprägt ist.

Forschungsbrücken in Lausanne bauen

Die Zahl der Mitarbeitenden mit israelischer Staatsangehörigkeit an der EPFL stieg von 9,4 Vollzeitäquivalenten 2021 auf 16 im Jahr 2025, wie ein Sprecher des Lausanner Instituts mitteilte. Der Anstieg verlief schrittweise: 10,2 im Jahr 2022, 13,8 im Jahr 2023 und jeweils 16 in den Jahren 2024 und 2025.

Die Zahlen sind gemessen an der internationalen Belegschaft der EPFL bescheiden. Sie zeigen jedoch, wie Schweizer Forschungseinrichtungen von Israels grossem Pool an wissenschaftlicher und technologischer Expertise profitieren können. Lausanne bietet Zugang zu Laboratorien, internationalen Kooperationen und ein stabiles Umfeld für Familien. Entscheidungen über Forschungskarrieren verbinden oft institutionelle Chancen mit persönlicher Sicherheit.

Eine Wissenschaftlerin, die in die Schweiz gezogen ist, sagte gegenüber 24 Heures, ihre berufliche Laufbahn habe ihre Entscheidung beeinflusst, räumte jedoch ein, dass auch die Instabilität in Israel eine Rolle gespielt habe. Sie beschrieb die Schweiz als Land mit hoher Lebensqualität und innerer Ruhe, besonders für Familien. Der Neuanfang hat auch Nachteile. Sie sagte, dass die fehlenden Französischkenntnisse die Integration erschwerten und der Aufbau beruflicher und sozialer Kontakte schwieriger sein könne als in Israel.

Die Erfahrung verweist auf einen bekannten Zielkonflikt in der Schweiz. Forschungseinrichtungen können mit Forschungsqualität und Stabilität internationale Fachkräfte anziehen, während Zugezogene weiterhin mit Sprachbarrieren und dem langsameren Aufbau lokaler Netzwerke konfrontiert sind.

Genf als Standort für neues Vermögen positionieren

Die Attraktivität der Schweiz reicht über die Labors hinaus und umfasst persönliche Sicherheit und finanziellen Schutz. Dem Ausgangsbericht zufolge überdenken wohlhabende Israelis angesichts anhaltender Instabilität und eines umstrittener werdenden internationalen Images Israels, wo sie ihr Vermögen halten.

Sacha Guggenheim, ein Genfer Vermögensverwalter und aktives Mitglied der Schweizerisch-Israelischen Handelskammer, sagte, er habe keinen massenhaften Wegzug israelischer Unternehmen beobachtet. Er sieht eine Veränderung der Geschäftspraxis, insbesondere bei Technologie-Start-ups, die für internationale Geschäfte neutrale Vermittler suchen.

Diese Anpassung könnte Genf und anderen Schweizer Finanzplätzen eine Rolle als vertrauenswürdige Plattformen für grenzüberschreitende Aktivitäten verschaffen. Vermögensverwaltung, Rechtsberatung und Unternehmensstrukturierung können davon profitieren, wenn Kundinnen und Kunden Abstand zu geopolitischen Streitigkeiten wünschen. Die Chance bleibt begrenzt. Die verfügbaren Migrationszahlen zeigen einen wachsenden Zustrom von Einzelpersonen, keine umfassende Verlagerung des israelischen Wirtschaftssektors.

Schweizer Institutionen müssen sich zudem mit genauer Prüfung von Vermögen, Wohnsitz und Steuerkonformität auseinandersetzen. Die Ankunft wohlhabender Migrantinnen und Migranten kann die Nachfrage nach Dienstleistungen und Investitionen steigern, während die politische Debatte rasch auf Wohnraum, Ungleichheit und die Transparenz von Vermögenswerten gelenkt werden kann. Der Bericht liefert Hinweise auf veränderte Strategien, nicht aber auf eine massenhafte Verlagerung von Unternehmen in die Schweiz.

Schweizer Städte zugänglicher machen

Die stärkste Anziehungskraft der Schweiz beruht auf einer Kombination aus Forschungsmöglichkeiten, institutioneller Stabilität und einem berechenbaren Alltag. Für israelische Berufstätige können diese Faktoren die Schwierigkeiten eines Neuanfangs in einem Land überwiegen, das durch Sprachregionen geteilt ist und hohe Lebenshaltungskosten aufweist.

Die im Ausgangsmaterial genannten Zielorte konzentrieren sich auf die Genferseeregion, insbesondere Lausanne und Genf. Die EPFL bietet Lausanne einen klaren wissenschaftlichen Anker. Genf punktet mit internationalem Finanzwesen, Diplomatie und Unternehmensdienstleistungen sowie mit etablierten Verbindungen zu globalen Unternehmen und Institutionen.

Die Integration bleibt eine praktische Herausforderung. Die von 24 Heures zitierte Wissenschaftlerin sagte, ihre begrenzten Französischkenntnisse hätten es erschwert, Kontakte zu knüpfen. Diese Hürde ist für Ehepartnerinnen und Ehepartner, Kinder und Forschende bedeutsam, deren Karrieren ebenso stark von informellen Netzwerken wie von formellen Anstellungen abhängen. Die Mehrsprachigkeit der Schweiz kann neue Möglichkeiten eröffnen, sobald Zugezogene Fuss gefasst haben, stellt aber zunächst auch eine Barriere dar.

Für die kantonalen Behörden bedeutet die Migration, dass die Förderung von Fachkräften mit Schulen, Wohnraum und Sprachförderung verknüpft werden muss. Eine Wissenschaftlerin oder einen Unternehmer zu gewinnen, ist erst der Anfang. Ob Zugezogene bleiben, hängt davon ab, ob Familien rund um den Arbeitsplatz ein dauerhaftes Leben aufbauen können.

Aus Zuzügen langfristigen Mehrwert schaffen

Die Schweiz kann von dieser Bewegung profitieren, auch wenn ihr Ausmass weiterhin begrenzt ist. Das Land zieht Forschende, Beschäftigte im Technologiesektor und wohlhabende Einzelpersonen an, während Israel mehr Menschen verliert als im vorangegangenen Jahrzehnt. Zu den unmittelbaren Vorteilen zählen spezialisierte Fachkenntnisse, internationale Netzwerke und eine zusätzliche Nachfrage nach professionellen Dienstleistungen.

Die weiterreichenden Folgen hängen davon ab, ob sich diese Zuzüge zu einem anhaltenden Muster entwickeln. Die Zahlen der EPFL zeigen über fünf Jahre einen Anstieg der Mitarbeitenden mit israelischer Staatsangehörigkeit. Die nationalen Einwanderungsdaten weisen für jedes der letzten drei erfassten Jahre mehr als 200 Zuzüge aus Israel aus. Diese Zahlen sprechen für eine allmähliche Anziehungskraft, nicht für eine demografische Welle.

Israel steht vor einer grösseren wirtschaftlichen Herausforderung. Die Schätzung der Steuerbehörde, wonach jährlich bis zu 3,5 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen verloren gehen könnten, verdeutlicht die Bedeutung von Personen mit hohen Einkommen für die öffentlichen Finanzen und den Technologiesektor. Unternehmen können ihren Hauptsitz in Israel behalten, während Gründerinnen und Gründer, Vermögenswerte oder internationale Geschäftstätigkeiten ins Ausland verlagert werden. Dadurch lassen sich die Auswirkungen anhand von Migrationsstatistiken allein schwerer messen.

Die Schweizer Politik wird das Verhältnis zwischen Chancen und Belastungen beobachten. Forschungseinrichtungen wollen Fachkräfte, Finanzplätze internationale Kundschaft, und die Kantone müssen Integration und das Vertrauen der Öffentlichkeit sicherstellen. Die nächste Phase wird zeigen, ob die Schweiz zu einem dauerhaften Standort für israelische Fachkräfte wird oder vor allem während einer Zeit der Unsicherheit als vorübergehender Zufluchtsort dient.