Politik
Schweiz bewilligt 11 Milliarden CHF für die internationale Zusammenarbeit
Das Schweizer Parlament gibt knapp 11 Milliarden CHF für die Strategie der internationalen Zusammenarbeit 2025-2028 frei. Die Verwendung der Ukraine-Hilfe sorgt für eine hitzige Debatte.

Nach wochenlangen intensiven politischen Auseinandersetzungen hat der Schweizer Nationalrat die legislative Blockade endlich durchbrochen und ein umfangreiches Finanzpaket von 9,31 Milliarden CHF für die internationale Zusammenarbeit gutgeheissen. Am Donnerstag stimmten die Ratsmitglieder mit 129 zu 66 Stimmen dafür, die Ausgabenbremse zu lockern und damit den Weg für die globale Strategie der Schweiz für 2025-2028 freizumachen. Das ist eine dramatische Kehrtwende gegenüber nur wenigen Tagen zuvor: Bei einer Abstimmung am Montag war die erforderliche qualifizierte Mehrheit von 101 Stimmen verfehlt worden, wodurch die Strategie in der Schwebe blieb.
Die Zustimmung signalisiert ein starkes Bekenntnis zur Rolle der Schweiz auf der globalen Bühne, doch der Erfolg war hart erkämpft. Der Umfang der Finanzierung, die Teil einer umfassenderen Strategie von knapp 11 Milliarden CHF ist, unterstreicht die Tragweite des Entscheids. Während die Schweizerische Volkspartei (SVP) der einzige geschlossene Oppositionsblock blieb, zeigt die klare Mehrheit vom Donnerstag, dass das Parlament trotz finanzpolitischer Bedenken nicht bereit ist, die Schweiz in einer Zeit globaler Instabilität in den Isolationismus zurückfallen zu lassen.
Der Preis des Kompromisses: Millionen gekürzt
Die Strategie hat zwar Bestand, ist jedoch nicht unbeschadet daraus hervorgegangen. Die bewilligten 9,31 Milliarden CHF liegen deutlich unter den 9,66 Milliarden CHF, die der Bundesrat ursprünglich beantragt hatte. Auf Druck finanzpolitischer Hardliner innerhalb der SVP und mit Unterstützung von Verbündeten aus der Mitte wurde das Budget um beträchtliche 351 Millionen CHF gekürzt. Diese Reduktion ist nicht bloss eine Rundungsdifferenz, sondern eine gezielte Sparmassnahme, die der Einschätzung der Exekutive zum globalen Bedarf widerspricht.
Die Debatte machte einen heftigen ideologischen Streit im Bundeshaus sichtbar. Die Befürworterinnen und Befürworter der Kürzung plädierten für strikte Haushaltsdisziplin und konnten erfolgreich darauf hinwirken, den internationalen Zusammenarbeitskredit zu beschneiden. Dieser Erfolg der Sparbefürworter signalisiert einen Stimmungswandel in Bern, wo internationale Grosszügigkeit zunehmend gegen die innenpolitische finanzielle Zurückhaltung abgewogen wird. Die Kürzung zeigt deutlich, dass im aktuellen politischen Klima jeder ins Ausland fliessende Franken vor dem Hintergrund der Sparpolitik im Inland um seinen Fortbestand kämpfen muss.
Die Ukraine im Visier: Der geopolitische Preis
Am umstrittensten ist, dass die Kürzungen gezielt die Ukraine treffen. Aussenminister Ignazio Cassis warnte eindringlich, die Kürzung um 351 Millionen CHF werde nicht gleichmässig verteilt, sondern sich vor allem auf die für die Ukraine vorgesehene Hilfe auswirken. Trotz seiner dringenden Appelle stiessen seine Warnungen im konservativen Lager auf taube Ohren. Dieser Entscheid bringt die Schweiz in eine heikle diplomatische Lage, während der Krieg in Osteuropa weiter tobt.
Mit der gezielten Kürzung dieser Mittel hat das Parlament faktisch eine Priorisierung der Ressourcen erzwungen, die den humanitären Beitrag der Schweiz in der Konfliktzone schmälern könnte. Der Schritt wirft grundlegende Fragen zur Solidarität des Landes mit Kyjiw auf. Die umfassendere Strategie von 11 Milliarden CHF bleibt zwar bestehen, doch der gezielte Wegfall von Mitteln für die Krisenbewältigung deutet darauf hin, dass Teile des Schweizer Politbetriebs zunehmend ermüden oder skeptisch sind, wenn es um langfristige finanzielle Verpflichtungen zugunsten der Ukraine geht.
Showdown im Ständerat: Die letzte legislative Hürde
Das Drama ist noch nicht vorbei. Mit dem Kürzungsentscheid des Nationalrats zeichnet sich eine bevorstehende Konfrontation mit dem Ständerat ab. Dieser hat die vom Bundesrat beantragten 9,66 Milliarden CHF bereits zweimal gutgeheissen und damit unterschiedliche Prioritäten der beiden Kammern deutlich gemacht. Nun liegt der Ball wieder bei den Ständerätinnen und Ständeräten. Sie müssen entscheiden, ob sie den Sparmassnahmen der grossen Kammer nachgeben oder an der ursprünglich beantragten Summe festhalten.
Dieses legislative «Pingpong» sorgt für ein spannungsgeladenes Finale der Strategie 2025-2028. Lehnt der Ständerat die Kürzung um 351 Millionen CHF ab, kommt es zu einem Bereinigungsverfahren, das die Umsetzung weiter verzögern könnte. Angesichts des deutlichen Entscheids des Nationalrats, die Ausgabenbremse nur bei einem tieferen Betrag zu lockern, steht der Ständerat jedoch unter erheblichem Druck, einen Kompromiss einzugehen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die internationale Zusammenarbeit der Schweiz mit voller Kraft vorangeht oder nur mit gestutzten Flügeln weiterkommt.