Wirtschaft
Schweizer Uhrenexporte gingen 2025 angesichts schwieriger Marktbedingungen weiter zurück
Die Schweizer Uhrenindustrie verzeichnete 2025 einen Rückgang des Exportvolumens um 1,7 Prozent auf insgesamt 25,6 Milliarden CHF. Der Rückgang ist auf schwierige Marktbedingungen zurückzuführen, insbesondere auf den starken Einbruch der Exporte nach China und Hongkong.

Die Schweizer Uhrenindustrie hat offiziell das zweite Jahr in Folge einen Rückgang verzeichnet und kämpft mit einem Rückgang des Exportvolumens um 1,7 Prozent im Jahr 2025. Mit einem Gesamtwert von 25,6 Milliarden CHF sieht sich die Branche einer ernüchternden Realität gegenüber: Der Boom nach der Pandemie ist endgültig vorbei. Auf den Rückgang um 2,8 Prozent im Jahr 2024 folgt damit eine anhaltende Abkühlung in einem der wichtigsten Schweizer Exportsektoren.
Das Jahr endete zwar mit einem überraschenden Hoffnungsschimmer, einem Plus von 3,3 Prozent im Dezember auf 2,10 Milliarden CHF, doch der Gesamttrend gibt weiterhin Anlass zur Sorge. Der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) fand klare Worte für seine Einschätzung und bezeichnete das Jahr als von «grosser Unsicherheit» geprägt. Es handelt sich nicht mehr um eine einfache Marktkorrektur. Wir erleben einen grundlegenden Wandel der globalen Konsumgewohnheiten im Luxussegment, der von unseren Herstellern sofortige strategische Anpassungen verlangt.
Asiatische Märkte brechen ein, China verliert an Glanz
Der Nachfrageeinbruch im Osten ist äusserst alarmierend. Die Exporte nach China sind innerhalb von nur zwei Jahren um mehr als ein Drittel eingebrochen. Diese erstaunliche Zahl verdeutlicht, wie riskant es ist, sich auf einen einzelnen dominierenden Markt zu verlassen. China war einst der Wachstumsmotor der Schweizer Uhrmacherei und hat sich mittlerweile fest als «Sorgenkind» der Branche etabliert.
Der Rückgang setzte sich bis zum Jahresende fort. Allein im Dezember sanken die Exporte nach China um 6,8 Prozent, während Hongkong mit einem Rückgang um 8,0 Prozent noch schlechter abschnitt. Das ist nicht bloss ein vorübergehender Einbruch, sondern ein struktureller Rückzug. Die erwartete Erholung des chinesischen Marktes ist ausgeblieben. Schweizer Marken mit einer starken Ausrichtung auf asiatische Konsumentinnen und Konsumenten bemühen sich nun, diese massiven Verluste auszugleichen.
US-Nachfrage steigt trotz weltweiter Tristesse stark an
In einer dramatischen Wende hat sich die US-amerikanische Nachfrage als unbestrittener Rettungsanker für die Schweizer Uhrenindustrie erwiesen. Während Asien schwächelt, steigt die Nachfrage nach Schweizer Zeitmessern in den USA rasant. Im Dezember schnellten die Exporte in die USA um massive 19,2 Prozent nach oben. Damit festigten die Vereinigten Staaten ihre Stellung als wichtigster Einzelmarkt für unsere Hersteller.
Diese Widerstandsfähigkeit ist angesichts des allgemeinen wirtschaftlichen Umfelds bemerkenswert. Trotz grosser Bedenken wegen Zollfragen und möglicher Handelszölle geben die US-Konsumentinnen und -Konsumenten weiterhin Geld aus. Diese gegenläufige Entwicklung im Osten und Westen verändert die Exportstrategien in Echtzeit. Die Marken richten ihren Fokus nun verstärkt auf den Atlantik und setzen auf die Stärke des US-Marktes, um den Einbruch in Asien auszugleichen. Die Botschaft ist klar: Vorerst regiert der Dollar.
Steigender Franken und hohe Goldpreise schmälern die Margen
Neben der Konsumnachfrage kämpfen Schweizer Hersteller auch mit den Kosten. Der Schweizer Franken und die Goldpreise haben beide Rekordstände erreicht und bilden für die Branche eine brutale doppelte Belastung. Ein starker Franken verteuert unsere Exporte für ausländische Käuferinnen und Käufer erheblich, während Rekordgoldpreise die Rohstoffkosten für Luxusuhren in die Höhe treiben.
Dieser makroökonomische Druckkessel setzt die Margen von beiden Seiten unter Druck. Die Hersteller müssen die Kosten entweder selbst tragen, was die Rentabilität schmälert, oder an Konsumentinnen und Konsumenten weitergeben, die bereits preissensibler werden. Es ist ein schwieriger Balanceakt. In einem Umfeld, das von «grosser Unsicherheit» geprägt ist, wird die Produktion in der Schweiz zunehmend zu einer schweren Belastung.
Unsicherheit trübt den Ausblick auf 2026
Der Ausblick bietet wenig Anlass zur Zuversicht. Der Branchenverband geht davon aus, dass 2026 «bestenfalls stabil» verlaufen wird. Uns steht ein Jahr anhaltender Schwankungen bevor. Für den chinesischen Markt ist keine rasche Erholung zu erwarten, und die Zollfragen in den USA sind weiterhin ungelöst.
Für die Schweiz ist das ein Aufruf zum Handeln. Die Zeiten des mühelosen Wachstums sind vorbei. Erfolg wird 2026 Agilität, striktes Kostenmanagement und eine konsequente Ausrichtung auf Märkte erfordern, die tatsächlich Ergebnisse liefern. Die Schweizer Uhrenindustrie hat schon frühere Krisen überstanden, von der Quarzrevolution bis zum Zeitalter der Smartwatches. Doch um sich im aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Nebel zurechtzufinden, wird sie ihre ganze historische Widerstandskraft brauchen.