Schweiz
Schweizer Reisen in die USA gehen unter Trump stark zurück
Die Zahl der Schweizer Besuche in den Vereinigten Staaten ist unter Donald Trump stark zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2026 sanken die Ankünfte um 16,5 Prozent.

Die Zahl der Schweizer Ankünfte in den Vereinigten Staaten sank im ersten Halbjahr 2026 um 16,5 Prozent. Damit setzte sich der im Vorjahr begonnene Rückgang fort und die USA steuern auf das schwächste Ergebnis bei Schweizer Besucherinnen und Besuchern seit fast zwei Jahrzehnten zu. Zwischen Januar und Juni überquerten rund 120'000 Schweizer Reisende den Atlantik, wie Andrea Beffa, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands, mitteilte. Die Zahl lag unter jener des gleichen Zeitraums 2025, als die Buchungen bereits rückläufig waren.
Der Rückgang hat sich während Donald Trumps zweiter Amtszeit beschleunigt. 2025 sank die Zahl der Schweizer Besucherinnen und Besucher um 10,6 Prozent auf etwas mehr als 361'000, gegenüber 404'434 Ankünften im Jahr 2024. Beffa rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit rund 300'000 Ankünften aus der Schweiz, falls sich der Trend fortsetzt. Damit läge die Gesamtzahl ungefähr auf dem Stand von 2007.
Die Zahlen sind auch über die Ankünfte an Flughäfen hinaus von Bedeutung. Schweizer Reisende geben Geld für Hotels, Restaurants, Verkehrsnetze, Nationalparks und kulturelle Sehenswürdigkeiten aus. Ein anhaltender Rückgang würde Reiseziele treffen, die sich seit Langem an europäische Besucherinnen und Besucher richten, von New York und Florida bis zu den Nationalparks im Westen. Die Entwicklung liefert zudem einen ersten Anhaltspunkt dafür, wie politische Entwicklungen in Washington den Alltag der Beziehungen zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten beeinflussen.
Die Politik verändert den Blick Schweizer Reisender auf Amerika
Laut einer von Swissinfo zitierten Umfrage von Allianz Partners geben inzwischen 65 Prozent der Befragten in der Schweiz an, keine Reise in die Vereinigten Staaten zu planen. Ein Jahr zuvor lag dieser Anteil bei 53 Prozent. Die Veränderung deutet auf mehr als eine vorübergehende Schwankung bei den Buchungen hin. Für eine wachsende Zahl Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten ist das politische Klima zu einem Faktor bei der Ferienplanung geworden.
Die Umfrage ergab auch, dass 7 Prozent eine Reise in die USA stornieren wollten, gegenüber 2 Prozent im Vorjahr. Pia Bodner, Leiterin Marketing und Produkte bei Allianz Travel, sagte, der Anstieg sei überraschend, da sich die Menschen weitgehend an die politische Situation in den Vereinigten Staaten gewöhnt hätten.
Die Umfrage belegt nicht, dass Trump allein für jede stornierte Buchung verantwortlich ist. Flugpreise, Wechselkurse, Haushaltsbudgets und konkurrierende Fernreiseziele können die Nachfrage ebenfalls beeinflussen. Doch der Zeitpunkt macht es schwierig, das Weisse Haus aus der Reisedebatte auszuklammern. Trumps Handelspolitik hat zudem ein breiteres Klima der Unsicherheit für Schweizer Unternehmen und Konsumentinnen und Konsumenten geschaffen. Die Vereinigten Staaten kündigten im August 2025 einen Zoll von 39 Prozent auf Schweizer Waren an. Das schärfte die Aufmerksamkeit in Bern und in der gesamten Schweizer Wirtschaft weiter.
Günstigere Flüge gewinnen jüngere Reisende kaum zurück
Nur 9 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer unter 30 Jahren gaben an, häufiger in die Vereinigten Staaten reisen zu wollen. Das bildet ein begrenztes Gegengewicht zum allgemeinen Rückgang. Bodner vermutete, dass günstigere Flugpreise jüngeren Reisenden die Reise erleichtern könnten. Der Befund zeigt, dass der Preis den allgemeinen Rückgang zwar abmildern, aber nicht umkehren kann.
Die Reisekosten sind für Schweizer Haushalte weiterhin ein praktischer Faktor. Eine Fernreise ab Zürich oder Genf umfasst Flugtickets, Unterkunft, Versicherung, Verpflegung und einen potenziell schwankenden Wechselkurs. Steigen die Preise, können Reisende eine USA-Reise verschieben oder ihr Geld stattdessen in Europa, Asien oder anderen Reisezielen ausgeben. Günstigere Flugpreise können jüngere Kundinnen und Kunden anziehen, die flexibler sind, überwinden aber nicht unbedingt Bedenken gegenüber dem politischen Klima am Reiseziel.
Die verfügbaren Daten zeigen nicht, wie viele Buchungen wegen der Flugpreise geändert wurden, wie viele aus politischen Gründen und wie viele auf normale Veränderungen bei der Feriennachfrage zurückzuführen sind. Sie zeigen jedoch, dass sich die öffentliche Stimmung und die Kaufentscheidungen in dieselbe Richtung bewegen. Der Anstieg des Anteils geplanter Stornierungen von 2 auf 7 Prozent ist für Reisebüros besonders bedeutsam, da stornierte Reisen Flüge, Hotels und lokale Anbieter betreffen, nachdem die Buchungen bereits vorgenommen wurden.
Weniger Ferien belasten die Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA
Eine Jahresgesamtzahl von rund 300'000 Schweizer Ankünften würde die USA nahe an den Besucherstand von 2007 bringen, so die Prognose des Schweizer Reise-Verbands. Das wäre eine deutliche Umkehr gegenüber der bis 2024 verzeichneten Erholung, als mehr als 404'000 Ankünfte aus der Schweiz registriert wurden.
Für die US-Tourismusbehörden und Unternehmen besteht die unmittelbare Herausforderung darin, festzustellen, ob der Rückgang vorübergehend ist oder strukturelle Züge annimmt. Ein Regierungswechsel, veränderte Flugpreise oder ein schwächerer Franken könnten die Nachfrage beeinflussen. Anhaltende Stornierungen und ein steigender Anteil von Befragten in der Schweiz, die keinen Besuch planen, würden auf ein tiefer liegendes Reputationsproblem hindeuten, das sich nicht allein mit Preisnachlässen lösen lässt.
Die Folgen reichen auch über den Tourismus hinaus. Schweizer und amerikanische Bürgerinnen und Bürger pflegen durch Geschäftsbeziehungen, Bildung, Familienbesuche und kulturellen Austausch Kontakte. Weniger Ferienreisen schränken die Möglichkeiten für informelle Begegnungen ein, während Zölle und Meinungsverschiedenheiten über die Wirtschaftspolitik die Beziehung bereits auf die Probe stellen. Schweizer Reisebüros werden die Buchungssaison im Herbst und Winter genau beobachten. Die nächsten Datenveröffentlichungen dürften zeigen, ob der Rückgang im ersten Halbjahr auf eine verzögerte Erholung oder auf eine dauerhafte Veränderung der Einschätzung der Vereinigten Staaten durch Schweizer Reisende zurückgeht.