Bildung
Schweizer Studie: Weiterbildung steigert das Monatseinkommen um bis zu CHF 1’300
Bundesstudie zeigt die erheblichen finanziellen Vorteile von Weiterbildung über einen Zeitraum von zehn Jahren

In der Schweiz kommt Selbstzufriedenheit teuer zu stehen. Eine am Dienstag veröffentlichte wegweisende Studie des Bundesamts für Statistik (BFS) kommt zu einem unmissverständlichen Schluss: Weiterbildung ist nicht nur eine intellektuelle Betätigung, sondern auch eine finanzielle Notwendigkeit. Die Daten zeigen, dass Berufstätige, die sich innerhalb von zehn Jahren nach ihrem Abschluss weiterbilden, ihr monatliches Einkommen im Vergleich zu jenen, die sich nicht weiterentwickeln, um beeindruckende CHF 400 bis CHF 1’300 steigern.
Das BFS hat die beruflichen Werdegänge von 150’000 Personen untersucht, die 2012 ihren Abschluss gemacht haben, und den Wert von Ehrgeiz beziffert. Unabhängig davon, ob es sich um einen Abschluss der Sekundarstufe II oder einen Tertiärabschluss handelt, ist der Trend eindeutig. Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, fällt finanziell zurück, während engagierte Berufstätige deutlich höhere Löhne erzielen. In einer Wirtschaft, die mit steigenden Kosten zu kämpfen hat, stellen diese zusätzlichen CHF 15’600 pro Jahr eine wichtige finanzielle Absicherung dar und senden eine klare Botschaft an die Schweizer Arbeitnehmenden: Die Türen zum Unterricht sollten nie ganz geschlossen werden.
Berufsbildung: Die verborgene Goldgrube
Das Schweizer Berufsbildungsmodell, das weltweit oft als «Goldstandard» bezeichnet wird, erweist sich auch in barer Münze als wertvoll. Während Hochschulabschlüsse oft die Schlagzeilen beherrschen, zeigen die BFS-Daten, dass sich auch für Absolventinnen und Absolventen der Berufsbildung eine Weiterbildung finanziell lohnt. Wer ein eidgenössisches Diplom einer höheren Berufsbildung erworben hat und sich weiterbildet, verdient rund CHF 1’000 mehr pro Monat.
Noch eindrücklicher ist die Entwicklung bei Absolventinnen und Absolventen einer höheren Berufsbildung, deren Lohnvorsprung CHF 1’100 bis CHF 1’200 beträgt. Zum Vergleich: Bei Personen mit einem Bachelorabschluss einer Universität fällt der Zuwachs mit CHF 600 bis CHF 800 bescheidener aus. Diese Daten stellen die verbreitete Vorstellung infrage, dass ausschliesslich akademische Laufbahnen zu einem deutlichen Einkommensanstieg führen. Auf dem Schweizer Arbeitsmarkt bringen praktische Fähigkeiten in Verbindung mit kontinuierlicher Weiterbildung Erträge, die mit traditionellen akademischen Laufbahnen mithalten und sie oft übertreffen.
Branchen mit Spitzenlöhnen: Wo das grosse Geld fliesst
Nicht alle Berufswege sind gleich, und die Unterschiede bei den Spitzenlöhnen sind beträchtlich. Die Studie zeigt bestimmte Bereiche auf, in denen die Einkommensmöglichkeiten besonders hoch sind. Wer ein möglichst hohes Einkommen anstrebt, ist mit einem eidgenössischen Diplom in Rechnungswesen, Marketing oder Sekretariat bestens aufgestellt. Der durchschnittliche Monatslohn beträgt in diesen Bereichen CHF 12’700.
Dicht dahinter folgen die technischen und betriebswirtschaftlichen Spitzenkräfte. Ein Masterabschluss in Management und Verwaltung bringt CHF 11’700 ein, während eine Promotion in Elektro- und Maschineningenieurwesen einen Lohn von CHF 12’400 ermöglicht. Bei Inhaberinnen und Inhabern eines eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses liegt der Technologiesektor an der Spitze: Beschäftigte in Informations- und Kommunikationstechnologien verdienen CHF 7’900. Diese Zahlen verdeutlichen eine entscheidende Realität des Arbeitsmarkts: Spezialisierung zahlt sich aus. Generalistinnen und Generalisten mögen sich behaupten, doch Fachkräfte in stark nachgefragten Bereichen sind besonders erfolgreich und erzielen Löhne, die sie in die oberen Ränge der Schweizer Wirtschaft katapultieren.
Die hartnäckige Lohnlücke zwischen den Geschlechtern bleibt bestehen
Trotz der klaren finanziellen Vorteile einer Weiterbildung bleibt auf dem Schweizer Arbeitsmarkt eine besorgniserregende Ungleichheit bestehen. Die BFS-Daten zeigen eine ernüchternde Zahl: Zehn Jahre nach dem Abschluss verdienen Frauen 20% weniger als Männer, unabhängig von ihrer Bildungsstufe. Das ist keine geringfügige Abweichung, sondern eine strukturelle Kluft.
Die Lohnlücke schwankt, verschwindet aber nie. Bei Personen mit einem Lehrabschluss beträgt sie 16%, bei Hochschulabsolventinnen und -absolventen steigt sie auf 19% und bei Personen mit einer höheren Berufsbildung sogar auf erschreckende 33%. Ein Teil des Unterschieds wird auf die niedrigere Erwerbsquote von Frauen zurückgeführt. Doch auch bei einer Berechnung auf Basis von Vollzeitarbeit bleibt die Lohnlücke bestehen und liegt zwischen 6% und 12%. Die Daten erinnern eindrücklich daran, dass eine Weiterbildung zwar das Einkommen aller erhöht, die Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern in der Schweiz aber noch nicht hergestellt hat.
Mobilität und Beförderung: Der Weg nach oben
Die Loyalität gegenüber einem einzigen Arbeitgeber wird zunehmend zum Relikt der Vergangenheit. Eine parallel durchgeführte BFS-Studie zeigt eine mobile Arbeitnehmerschaft: Zwei Drittel der Hochschulabsolventinnen und -absolventen wechseln innerhalb von fünf Jahren ihre Stelle. Am mobilsten sind Personen mit Masterabschluss oder Doktorat: 72% von ihnen suchen kurz nach dem Abschluss eine neue Stelle. Dahinter stehen der Wunsch nach neuen Herausforderungen und, entscheidend, nach einer besseren Entlöhnung.
Am selben Arbeitsplatz zu bleiben bedeutet nicht zwangsläufig Stillstand, sofern man die Karriereleiter hinaufsteigt. Fast ein Viertel der Befragten wurde innerhalb von fünf Jahren befördert und erzielte dadurch unmittelbar einen Einkommenszuwachs von 13% bis 18%. Dieser Zusammenhang zwischen Mobilität, Beförderung und Lohn zeigt einen dynamischen Arbeitsmarkt, in dem kalkulierte Risiken und berufliche Veränderungen reich belohnt werden. Für Berufstätige in der Schweiz ist die Botschaft klar: Wer seinen Wert steigern will, muss bereit sein, sich zu verändern, sei es durch einen Aufstieg oder einen Stellenwechsel.