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Schweizer Sportgeschichte: Odermatt übertrifft Federers Auszeichnungsrekord

Skifahrer Marco Odermatt schreibt Schweizer Sportgeschichte: Mit seinem vierten Sieg in Folge als Schweizer Sportler des Jahres übertrifft er den Rekord des Tennis-Idols Roger Federer für aufeinanderfolgende Siege.

Schweizer Sportgeschichte: Odermatt übertrifft Federers Auszeichnungsrekord
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Der König des Tennis ist entthront worden, zumindest in einer historischen Kategorie. Marco Odermatt hat seinen Status als Sportler für die Ewigkeit gefestigt und Roger Federer überholt: Er gewinnt zum vierten Mal in Folge die Auszeichnung als Schweizer Sportler des Jahres, ein Rekord. Federer hält zwar weiterhin den Allzeitrekord mit insgesamt sieben Siegen, doch Odermatts anhaltende Dominanz hat ihm eine Siegesserie beschert, die selbst der Tennismeister nie erreicht hat.

Der 27-jährige Nidwaldner liess die Konkurrenz weit hinter sich und erhielt beeindruckende 44,5 Prozent der Stimmen. Schwimmer Noè Ponti (25,4 Prozent) und Leichtathlet Simon Ehammer (8,7 Prozent) folgten mit grossem Abstand. Die Auszeichnung ist der krönende Abschluss einer Saison 2024, die neue Massstäbe für Perfektion setzte: 13 Rennsiege, der Gesamtweltcup-Titel sowie die Kristallkugeln in der Abfahrt, im Super-G und im Riesenslalom. Besonders verblüffend: In der Gesamtwertung stellte er mit 874 Punkten Vorsprung auf seinen nächsten Konkurrenten einen neuen Weltrekord auf.

«Eine Saison wie diese lässt sich kaum wiederholen», räumte Odermatt ein und würdigte damit die enorme Bedeutung seines Erfolgs. Doch solange die Abfahrt in Kitzbühel noch auf seiner Wunschliste steht, gibt der Skifahrer keinerlei Anzeichen, langsamer zu werden.

Gut-Behrami an der Spitze

Der alpine Skisport gewann nicht nur den Abend, er beherrschte ihn. Lara Gut-Behrami holte sich zum dritten Mal den Titel als Schweizer Sportlerin des Jahres. Die Tessinerin ergänzte ihre Siege von 2016 und 2023 um die Auszeichnung für 2024. Mit 32,2 Prozent der Stimmen setzte sie sich gegen die starke Konkurrenz der Stabhochspringerin Angelica Moser und der Schützin Chiara Leone durch.

Gut-Behramis Saison war eine Meisterleistung an Widerstandskraft und Präzision. Sie gewann den Gesamtweltcup sowie die kleinen Kristallkugeln im Riesenslalom und im Super-G und erreichte 16 Podestplätze sowie acht Siege. Hinter dem Glanz der Trophäe steckt jedoch ein harter, menschlicher Kampf. «Nach der letzten Saison war ich völlig leer und fragte mich, wofür ich das alles eigentlich mache», sagte sie in einer offenen Videobotschaft.

Trotz der Erschöpfung bleibt ihre Leistung auf der Piste beeindruckend. Mit ihrem dritten Titel reiht sie sich neben den Schweizer Legenden Lise-Marie Morerod und Simone Niggli ein. Nur die ikonische Vreni Schneider, die fünf Titel hält, liegt noch vor ihr. Gut-Behrami hat bewiesen, dass sie selbst im Kampf mit inneren Zweifeln die unbestrittene Königin der Pisten bleibt.

Goldregen bei den Paralympics

Paris 2024 gehörte einer Frau: Catherine Debrunner. Die Rollstuhlsportlerin aus dem Thurgau nahm nicht einfach nur teil, sie dominierte und holte fünf Gold- und eine Silbermedaille. Über Distanzen von 400 Metern bis zum Marathon war Debrunner unschlagbar. Sie war die klare Wahl zur Paralympischen Sportlerin des Jahres und setzte sich gegen den neunfachen Titelträger Marcel Hug durch.

«Ich kann es kaum in Worte fassen, dass ich hier oben stehe. Diese Auszeichnung ist das Tüpfelchen auf dem i einer unglaublichen Saison 2024», sagte Debrunner strahlend. Ihr Sieg unterstreicht eine goldene Ära der Schweizer Para-Leichtathletik, die auch durch die bewegende Würdigung von Heinz Frei deutlich wurde.

Frei, eine Ikone des Sports, erhielt für eine beispiellose Karriere den Ehrenpreis. In mehr als vier Jahrzehnten sammelte der 66-Jährige 27 paralympische Medaillen. Nachdem er erst vor wenigen Monaten an den Weltmeisterschaften in Zürich seine letzte WM bestritten hatte, ist Freis Vermächtnis nun neben jenem früherer Legenden wie Adolf Ogi und Peter Sauber verewigt. «Bei solchen Überraschungen muss man ein wenig auf mein Herz achten», scherzte Frei, sichtlich bewegt vom stehenden Applaus.

Teamerfolge und MVP-Auszeichnungen

Während individuelle Glanzleistungen im Mittelpunkt standen, wurde auch der gemeinsame Einsatz gefeiert. Granit Xhaka, das Herz der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft und von Bayer Leverkusen, wurde zum MVP des Jahres gekürt. Xhakas Jahr 2024 war historisch: deutscher Meister, DFB-Pokalsieger und im Final der Europa League, während er die Schweiz als Captain bis in den EM-Viertelfinal führte. Mit 38,9 Prozent der Stimmen setzte er sich gegen NHL-Star Kevin Fiala durch.

«Hinter einer solchen Auszeichnung stecken viel Arbeit und Ehrgeiz», sagte Xhaka und betonte, wie viel unermüdlicher Einsatz nötig sei, um im europäischen Fussball an der Spitze zu bleiben.

Der Preis für das Team des Jahres sorgte unterdessen beim Beachvolleyball-Duo Tanja Hüberli und Nina Brunner für einen bittersüssen Moment. Nach einer neun Jahre dauernden Partnerschaft, die mit einer olympischen Bronzemedaille in Paris ihren Höhepunkt fand, trennen sich die beiden. Ihr Sieg war ein passender Abschied für eine der erfolgreichsten Sportpartnerschaften der Schweiz. «Dass wir hier sind, zeigt, dass es sich gelohnt hat, an uns selbst zu glauben», sagte Brunner und markierte mit der höchsten nationalen Anerkennung das Ende einer Ära.

Eine goldene Ära für den Schweizer Skisport

Die Sports Awards 2024 bestätigen eine unbestreitbare Tatsache: Der Schweizer Skisport erlebt eine goldene Ära, die mit jeder früheren mithalten kann. Mit Odermatt und Gut-Behrami, die die wichtigsten Auszeichnungen abräumten, ist die Schweizer Dominanz im Schnee unbestritten. Es geht nicht nur darum, Rennen zu gewinnen, sondern Massstäbe zu setzen, die der Rest der Welt kaum begreifen kann.

Dass Odermatt Federers Rekord für aufeinanderfolgende Siege übertroffen hat, signalisiert einen Wandel im Schweizer Sport-Olymp. Federer bleibt zwar die globale Ikone Schweizer Spitzenleistungen, doch Odermatt verkörpert nun deren unermüdlichen Wettkampfgeist. Die Messlatte liegt in schwindelerregender Höhe. Mit Blick auf die Saison 2025 stellt sich für diese Athletinnen und Athleten nicht die Frage, wer sie schlagen kann, sondern wie weit sie die Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit noch verschieben können. Für die Schweiz war der Blick von der Spitze noch nie schöner.