Wissenschaft
Schweizer Weltraumteleskop entdeckt Planeten, der sich selbst zerstört
Das CHEOPS-Teleskop hat den ersten Hinweis auf einen «suizidalen» Planeten entdeckt, der Sonneneruptionen auslöst, welche seine eigene Atmosphäre zerstören. Dies ist ein bedeutender astronomischer Durchbruch.

In einer beeindruckenden Demonstration astronomischer Präzision hat das Schweizer Weltraumteleskop CHEOPS den ersten eindeutigen Hinweis auf einen «suizidalen» Planeten eingefangen. Diese bahnbrechende Entdeckung, die in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde, zeigt eine kosmische Katastrophe in Echtzeit: Der Exoplanet HIP 67522 b trägt aktiv zu seinem eigenen Untergang bei. Dabei handelt es sich nicht einfach um einen passiven Umlauf, sondern um eine heftige Wechselwirkung, bei der der Planet seinen Heimatstern zu heftigen Ausbrüchen reizt und so seine eigenen Schutzschichten abträgt.
Mit diesem wichtigen Fund festigt die Schweiz ihre führende Rolle in der Weltraumforschung. Die CHEOPS-Mission, die von der Universität Bern und der Universität Genf geleitet wird, hat ein Phänomen nachgewiesen, über das Astronominnen und Astronomen seit den 1990er-Jahren nur Theorien aufgestellt hatten. Der Planet befindet sich in einer engen, gefährlichen Umklammerung mit seinem Stern und stört dessen Magnetfeld. Dadurch wird eine Kette von Ereignissen ausgelöst, die seine Atmosphäre buchstäblich ins All hinausbläst. Diese Entdeckung markiert einen Wendepunkt für die europäische Weltraumwissenschaft und verändert unser Verständnis davon, wie Planetensysteme entstehen und sich entwickeln, und wie sie sich selbst zerstören.
Auslöser eines heftigen Zusammenbruchs der Atmosphäre
Die Daten zeichnen ein düsteres Bild für HIP 67522 b. Der Planet umkreist seinen Stern in rasantem Tempo und vollendet einen Umlauf in nur sieben Tagen. Er ist viel zu nah, um sicher zu sein. Diese Nähe verursacht einen magnetischen Kurzschluss, der den Stern zu heftigen Sonneneruptionen veranlasst. Dabei handelt es sich nicht um gewöhnliche Sternereignisse, sondern um gezielte Angriffe, die die Gashülle des Planeten systematisch zerstören.
Laut der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) sind die Folgen katastrophal. In den nächsten 100 Millionen Jahren wird diese unablässige Bombardierung den Planeten stark schrumpfen lassen: Er wird von der enormen Grösse des Jupiter auf die Grösse des Neptun zusammenfallen. Sonneneruptionen auf unserer eigenen Sonne können auf der Erde zwar wunderschöne Polarlichter hervorrufen, doch die von HIP 67522 b ausgelösten Eruptionen sind zerstörerische Kräfte. Der Planet verdampft sich gewissermassen selbst und ermöglicht Astronominnen und Astronomen eine seltene Beobachtung der durch magnetische Wechselwirkungen verursachten Planetenverdampfung in Echtzeit.
Entfesselung beispielloser Sternenwut
Die heftigen Vorgänge in diesem System sind auf das extrem junge Alter des Heimatsterns zurückzuführen. Mit gerade einmal 17 Millionen Jahren ist dieser Stern ein Säugling im Vergleich zu unserer 4,5 Milliarden Jahre alten Sonne. Junge Sterne sind von Natur aus unbeständig und verfügen über enorme Energiereserven sowie starke magnetische Aktivität. Die von CHEOPS beobachtete Intensität hat die wissenschaftliche Gemeinschaft jedoch überrascht.
Die während dieser Forschung aufgezeichneten Eruptionen sind erstaunliche 100-mal energiereicher als von theoretischen Modellen vorhergesagt. Diese Abweichung deutet darauf hin, dass die Wechselwirkung zwischen einem jungen, magnetisch aktiven Stern und einem Gasriesen auf engem Orbit weit explosiver ist als bisher berechnet. Der Planet wirkt als Katalysator und verstärkt die natürliche Instabilität des Sterns, wodurch Supereruptionen von erschreckender Stärke entstehen. Dieser Befund zwingt dazu, die Sternphysik in jungen Systemen neu zu bewerten. Er zeigt, dass die frühen Phasen im Leben eines Sonnensystems viel chaotischer und energiereicher sind, als wir uns vorzustellen gewagt haben.
Neudefinition astronomischer Theorien dank Innovation
Diese Entdeckung bestätigt jahrzehntelange Vermutungen. Seit den 1990er-Jahren haben Astronominnen und Astronomen die Hypothese aufgestellt, dass «heisse Jupiter» die Magnetfelder von Sternen stören könnten. Ein Beweis blieb jedoch aus, bis CHEOPS HIP 67522 b ins Visier nahm. Der Erfolg dieser Beobachtung zeugt von der Wirksamkeit des CHEOPS-Programms für Gastbeobachtende, das Forschenden ausserhalb des Kernteams Zugang zu den Möglichkeiten des Teleskops bietet und die weltweite Zusammenarbeit unter Schweizer Leitung fördert.
Die Folgen reichen weit über einen einzelnen sterbenden Planeten hinaus. Das Forschungsteam plant nun, die Galaxie nach ähnlichen Stern-Planeten-Systemen zu durchkämmen, um festzustellen, ob dieses suizidale Verhalten eine häufige Entwicklungsphase oder eine seltene kosmische Anomalie ist. Während wir die Geheimnisse des Universums weiter entschlüsseln, bleibt die Schweizer Innovation an vorderster Front und stellt die nötigen Werkzeuge bereit, um die dramatischsten Ereignisse im Kosmos zu beobachten. Wir schauen nicht länger nur die Sterne an, sondern beobachten, wie sie das Schicksal von Welten prägen.