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Swiss Observer

Schweizer Forschende lösen das Rätsel um die rote Farbe des Mars

Eine Studie der Universität Bern legt nahe, dass der charakteristische rote Staub auf eine viel weiter verbreitete Präsenz von Wasser auf dem Mars in der Vergangenheit hinweist.

Schweizer Forschende lösen das Rätsel um die rote Farbe des Mars
AISWI swissinfo.ch

Der Mars hat endlich eines seiner hartnäckigsten Geheimnisse preisgegeben, und der Schlüssel dazu liegt im Schweizer Erfindergeist. In einer bahnbrechenden Entdeckung, die die Grundlagen der Planetenforschung erschüttert, haben Forschende der Universität Bern die Ursache für die ikonische rote Färbung des Mars eindeutig identifiziert. Jahrzehntelang hat der «Rote Planet» Astronominnen und Astronomen mit seiner staubigen, rötlichen Oberfläche vor ein Rätsel gestellt, doch der konkrete Mechanismus hinter dieser Färbung blieb heftig umstritten. Nun ist das Rätsel gelöst. Die Antwort liegt nicht in trockener, lebensfeindlicher Chemie, sondern in einer feuchten, dynamischen Vergangenheit, die alles infrage stellt, was wir über unseren kosmischen Nachbarn zu wissen glaubten.

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Forschenden aus Bern hat seine bahnbrechenden Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht. Es handelt sich nicht bloss um eine akademische Randnotiz, sondern um eine grundlegende Neuschreibung der Geschichte des Mars. Durch die Analyse der spektralen Signatur des Marsstaubs hat das Team das Eisenmineral Ferrihydrit als Ursache ausgemacht. Diese Entdeckung erklärt nicht nur eine Farbe, sie funktioniert auch wie eine geologische Zeitmaschine, die uns in eine Epoche zurückversetzt, in der der Mars keine tote Welt, sondern eine chemisch aktive Umgebung war, die zu massiven Veränderungen an der Oberfläche fähig war. Die Schweiz spielt in der Weltraumforschung weiterhin eine bedeutende Rolle und festigt ihren Ruf als weltweit führend darin, die Geheimnisse des Kosmos zu entschlüsseln.

Der Durchbruch bei Ferrihydrit

Der Übeltäter ist Ferrihydrit, und seine Präsenz verändert alles. Es handelt sich nicht einfach um beliebigen Weltraumstaub, sondern um ein spezifisches Nebenprodukt eines Planeten, der einen tiefgreifenden chemischen Wandel durchläuft. Die Studie der Universität Bern identifiziert dieses instabile Eisenmineral als Hauptursache für den roten Marsstaub, der den Planeten bedeckt. Eisenoxid, allgemein als Rost bekannt, stand zwar schon lange unter Verdacht, doch die genaue Identifizierung von Ferrihydrit liefert den entscheidenden Beweis, um die Umweltbedingungen der Vergangenheit zu verstehen.

Die Identifizierung dieses Minerals ist ein Triumph moderner Spektroskopie und geologischer Spurensuche. Ferrihydrit lässt sich wegen seiner geringen Kristallinität bekanntermassen nur schwer nachweisen und bleibt oft zwischen anderen Eisenoxiden verborgen. Die Präzision des von der Schweiz geleiteten Teams hat jedoch das Störrauschen durchdrungen. Mit der Isolierung dieses Minerals haben die Forschenden einen unwiderlegbaren Beleg dafür erbracht, dass die Oberfläche des Mars nicht einfach durch Wind und Erosion über lange Zeiträume austrocknete und rot wurde. Stattdessen «rostete» die Oberfläche aktiv durch chemische Reaktionen, die im Vakuum unmöglich sind. Diese spezifische mineralogische Signatur ist ein dauerhaftes Zeugnis der atmosphärischen Bedingungen und der Oberflächenverhältnisse des Planeten. Sie belegt, dass der rote Staub das Vermächtnis einer weitaus wechselhafteren und reaktiveren Vergangenheit ist als bisher angenommen.

Ein Planet, der im Wasser rostete

Die weitreichendste Schlussfolgerung dieser Studie ist eindeutig: Der Mars rostete, weil er nass war. «Das Ergebnis zeigt, dass der Mars rostete, als es auf dem Planeten reichlich flüssiges Wasser gab», sagt der Erstautor Adomas Valantinas. Diese Aussage stellt die vorsichtigen Schätzungen zur Wassergeschichte des Mars infrage. Ferrihydrit bildet sich nicht in trockenen Einöden, sondern benötigt flüssiges Wasser, um zu kristallisieren. Die weite Verbreitung dieses roten Staubs deutet deshalb darauf hin, dass flüssiges Wasser nicht auf vereinzelte Gebiete oder kurze Zeiträume beschränkt war, sondern wahrscheinlich ein globales Phänomen darstellte.

Wir blicken auf einen Planeten, der einst von der Substanz des Lebens geprägt war. Ferrihydrit weist darauf hin, dass die Oberfläche des Mars über längere Zeit Feuchtigkeit ausgesetzt war. Dadurch konnte das Eisen in den Gesteinen grossflächig oxidieren. Das stellt die Vorstellung eines durchgehend trockenen Mars infrage und legt stattdessen eine ausreichend lange feuchte Epoche nahe, die die gesamte Farbpalette des Planeten veränderte. Wenn der Staub überall vorkommt und für seine Entstehung Wasser benötigt, muss das Wasser viel weiter verbreitet gewesen sein als bisher angenommen. Diese geologischen Belege stimmen mit jüngeren Erkenntnissen über Spuren von uraltem Wasser überein und zeichnen das Bild einer feuchten, aktiven Welt, die vor Milliarden von Jahren existierte.

Bedeutung für uraltes Leben

Wo Wasser ist, besteht auch die Möglichkeit für Leben. Die Bedeutung dieser Entdeckung reicht weit über die Geologie hinaus: Sie betrifft den Kern der Suche nach ausserirdischem Leben. «Das ist eine wesentliche Voraussetzung für Leben», sagt Valantinas und verbindet damit die mineralogischen Hinweise mit der grundsätzlichen Frage nach unserer Stellung im Universum. Wenn flüssiges Wasser weit genug verbreitet war, um den ganzen Planeten rosten zu lassen, waren die bewohnbaren Gebiete auf dem frühen Mars wahrscheinlich viel ausgedehnter, als wir uns vorzustellen wagten.

Diese Studie liefert den nötigen Umweltkontext dafür, dass Leben möglicherweise entstehen konnte. Wir suchen nicht länger nach der Nadel im Heuhaufen, sondern betrachten einen planetengrossen Versuchsraum, in dem das Licht eingeschaltet war und Wasser floss. Das beweist zwar nicht, dass es Leben gab, bestätigt aber, dass die Voraussetzungen gegeben waren. Die Bedingungen, die mikrobielles Leben benötigt, flüssiges Wasser, chemische Energie und Rohstoffe, waren reichlich vorhanden. Während Schweizer Forschende weiterhin bei der Untersuchung dieser kosmischen Hinweise eine führende Rolle spielen, wird die Möglichkeit, dass wir in der Geschichte des Sonnensystems nicht allein sind, zunehmend weniger zu einer Science-Fiction-Fantasie und mehr zu einer wissenschaftlichen Möglichkeit, deren Bestätigung noch aussteht.