Verkehr
Ausbau des Schienennetzes mit neuen Direktzügen nach Deutschland und Nachtverbindungen
Ab Mitte Dezember wird das Schweizer Schienennetz deutlich ausgebaut. Dazu gehören neue Direktverbindungen von Brig in deutsche Städte wie Berlin und Frankfurt sowie ein neuer «Nightjet»-Service ab Zürich.

Der grenzüberschreitende Bahnverkehr ist im vergangenen Jahrzehnt um satte 50 Prozent gestiegen. Das zwingt zu einer grundlegenden Neuausrichtung der Bahnverbindungen der Schweiz. Mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember passt die Schweizerische Bundesbahnen (SBB) nicht einfach nur die Fahrpläne an: Sie reagieren auf einen beispiellosen Nachfrageboom zwischen der Schweiz und Deutschland. Mit inzwischen mehr als 50 täglichen Direktverbindungen pro Richtung baut das Bahnunternehmen seine Kapazitäten gezielt aus, um der wachsenden Nachfrage nach nachhaltigem und schnellem Reisen gerecht zu werden.
Es handelt sich nicht um einen schrittweisen Wandel, sondern um eine Transformation. Die schiere Zahl der Reisenden zwischen den beiden Ländern hat frühere Prognosen übertroffen und zwingt die SBB, leistungsfähigere Direktverbindungen anzubieten. Umständliche Umstiege gehören zunehmend der Vergangenheit an, während sich das Netz auf eine neue Ära der europäischen Mobilität einstellt. Mit dem Ausbau dieser wichtigen Verbindungen festigt die Schweiz ihre Stellung als zentraler Knotenpunkt des europäischen Bahnverkehrs und sorgt dafür, dass die Infrastruktur mit der weiterhin steigenden Zahl der Fahrgäste Schritt hält.
Das Wallis rückt näher: direkt nach Berlin
Erstmals ist das alpine Brig im Kanton Wallis direkt mit den deutschen Grossstädten verbunden. Ab Mitte Dezember können Reisende am Fuss der Alpen in den Zug steigen und ohne Umsteigen in den geschäftigen Zentren von Berlin, Frankfurt, Hamburg, Dortmund oder Köln aussteigen. Das ist ein grosser Gewinn für den Alpentourismus. Die SBB haben Reisehindernisse gezielt beseitigt und richten sich an deutsche Skibegeisterte, die ihre Ausrüstung nun so einfach wie nie zuvor aus dem Flachland auf die Pisten bringen können.
«Touristinnen und Touristen, die mit Gepäck reisen, schätzen diese Direktverbindungen», erklärte die SBB und verwies auf die logistischen Schwierigkeiten, die das Umsteigen für Skifahrende oft mit sich bringt. Der Ausbau hebt die Grenzen für Ferienreisende praktisch auf und macht die Fahrt von der Rhein-Ruhr-Region in die Walliser Berge zu einer nahtlosen Reise ohne Umsteigen. Dank dieser Direktverbindungen dürfte das Wallis deutlich mehr Gäste verzeichnen und seinen wichtigen Wintertourismussektor mit einer besseren Infrastruktur stärken.
Die Nightjet-Revolution
Mit dem neuen «Nightjet» der nächsten Generation erlebt das Reisen über Nacht eine Renaissance. Der Zug, der wie ein rollendes Hotel neue Massstäbe für Nachtverbindungen setzt, wurde am 4. Dezember in Zürich eingeweiht. Das Gemeinschaftsprojekt der SBB und der österreichischen ÖBB verbindet zunächst Zürich mit Hamburg, die Pläne gehen jedoch deutlich weiter. Bis 2026 soll das Netz mit Verbindungen nach Wien und Amsterdam ausgebaut werden. Der erste Zug dieser modernen Flotte trägt den Namen «City of Zurich» und unterscheidet sich deutlich von den engen Schlafwagen früherer Zeiten.
Das Innere ist konsequent auf das 21. Jahrhundert ausgerichtet. Die neue Flotte bietet «Mini Cabins», innovative private Kabinen für Alleinreisende, sowie Schlafwagen der Kategorie «Comfort Plus» mit eigener Dusche. Die Ausstattung reicht von NFC-Kartenzugang und Induktionsladen bis zu leistungsstarkem WLAN. Stadtrat Andreas Hauri erklärte: «Dieser Zug wird den Namen unserer Stadt durch ganz Europa tragen.» Damit unterstrich er die diplomatische und kulturelle Bedeutung des Angebots. Mit diesen Neuerungen bietet die SBB nicht einfach eine Zugfahrt, sondern eine komfortable und konkurrenzfähige Alternative zu Kurzstreckenflügen.
Moderne Flotte, traditionsreiche Namen
Als Zeichen für diesen grundlegenden Wandel bei den Verbindungen erhält auch das Rollmaterial eine symbolische Identität. Ein neuer ICE-Hochgeschwindigkeitszug wird am 14. Dezember offiziell auf den Namen «Matterhorn» getauft und als rollender Botschafter des bekanntesten Schweizer Gipfels unterwegs sein. Gleichzeitig wurde ein Giruno auf den Namen «Freie und Hansestadt Hamburg» getauft. Damit werden die wichtigen neuen Verbindungen zwischen Basel und der deutschen Hafenstadt eröffnet.
Diese Taufen sind mehr als blosse Zeremonien. Sie stehen für die engeren Beziehungen zwischen der Schweiz und ihrem nördlichen Nachbarland, die sich sowohl in der Praxis als auch symbolisch zeigen. Mit modernen Zügen, die über einen stufenlosen Einstieg und fortschrittliche Fahrgastinformationssysteme verfügen, macht die SBB das Netz zukunftsfähig. Die Einbindung dieser Züge in den täglichen Fahrplan erinnert daran, dass nun eine nahtlose Hochgeschwindigkeitsverbindung die Distanz zwischen dem mediterranen Klima der Südschweiz und den windigen Küsten Norddeutschlands überbrückt.