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Swiss Observer

Schweizer Parlament berät über das Ende der staatsbürgerschaftsbasierten Besteuerung von Amerikanern

US-Gesetzgeber dürften über einen Gesetzesentwurf beraten, der Amerikanerinnen und Amerikaner mit Wohnsitz in der Schweiz von der Pflicht zur jährlichen Einreichung einer US-Steuererklärung befreien könnte. Dies wäre ein möglicher Kurswechsel in der internationalen Steuerpolitik.

Schweizer Parlament berät über das Ende der staatsbürgerschaftsbasierten Besteuerung von Amerikanern
AIThe Local Switzerland

Die Vereinigten Staaten stehen auf der Weltbühne praktisch allein da: Sie setzen ein drakonisches System der staatsbürgerschaftsbasierten Besteuerung durch, das ihre Staatsangehörigen unabhängig davon erfasst, wo sie leben. Nun steht dieses überholte Paradigma vor seiner bisher grössten Herausforderung. Der republikanische Abgeordnete Darin LaHood hat den Fehdehandschuh offiziell aufgenommen und dem Kongress den Gesetzesentwurf «Residence-Based Taxation for Americans Abroad» vorgelegt. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine bürokratische Anpassung, sondern um ein mögliches legislatives Erdbeben. Es soll Amerikanerinnen und Amerikaner mit Wohnsitz in der Schweiz von der Pflicht befreien, jährlich US-Steuererklärungen für im Ausland erzielte Einkünfte einzureichen.

Seit Jahrzehnten kämpfen US-Amerikanerinnen und -Amerikaner im Ausland mit einem System, das von ihnen verlangt, dem IRS allein deshalb Rechenschaft abzulegen, weil sie ausserhalb der US-Grenzen leben. Viele vermeiden zwar mithilfe komplexer Steuergutschriften und Ausnahmen eine Doppelbesteuerung, doch der enorme Verwaltungsaufwand und der Stress bei der Einhaltung der Vorschriften sind erheblich. LaHoods erst letzte Woche eingebrachter Gesetzesentwurf soll dieses System auflösen. Nachdem der gewählte Präsident Donald Trump im Oktober ausdrücklich seine Unterstützung dafür bekundet hat, «die Doppelbesteuerung von im Ausland lebenden Amerikanerinnen und Amerikanern zu beenden», ist die politische Dynamik unübersehbar. Der Vorschlag ist strategisch so positioniert, dass er in ein umfassendes Steuerpaket aufgenommen werden könnte, das für 2025 vorgesehen ist. Damit könnte Trumps zweite Amtszeit mit einem entschiedenen Bruch mit der Vergangenheit beginnen.

Wohnsitz neu definiert: Das Modell der «nicht ansässigen Bürger»

Der Gesetzesentwurf führt eine radikal neue Kategorie ein: die «nicht ansässige Bürgerin» beziehungsweise den «nicht ansässigen Bürger». Damit könnte die US-Politik endlich an internationale Standards angeglichen werden. Nach diesem System könnten Amerikanerinnen und Amerikaner mit Wohnsitz in der Schweiz ein «Wohnsitzlosigkeitszertifikat» beantragen und so den Anspruch des IRS auf ihre im Ausland erzielten Einkünfte wirksam beenden. Der Wandel wäre tiefgreifend: In der Schweiz erzielte Einkünfte würden ausschliesslich von den Schweizer Behörden besteuert, entsprechend dem Wohnsitzprinzip, das in den meisten Industrieländern gilt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die USA vollständig auf ihre Steuerhoheit verzichten würden. Der Gesetzesentwurf hält ausdrücklich fest, dass Einkünfte aus US-Quellen weiterhin der amerikanischen Besteuerung unterliegen. Diese Unterscheidung ist entscheidend: Sie richtet sich gegen die Ungerechtigkeit, im Ausland erzielte Einkünfte aus Arbeit und Kapital zu besteuern, wahrt aber zugleich das Recht der USA, Tätigkeiten innerhalb der eigenen Grenzen zu besteuern. Indem der Gesetzesentwurf Amerikanerinnen und Amerikanern die Wahl dieses Status ermöglicht, erkennt er eine Realität an, die Washington lange ignoriert hat: Für Menschen, die seit Langem in der Schweiz leben, ist ihr wirtschaftliches Leben an den Franken gebunden, nicht an den Dollar.

Die Türen öffnen: Das Ende des FATCA-Albtraums für Banken

Für Amerikanerinnen und Amerikaner in der Schweiz geht es oft weniger um Steuern als um die finanzielle Existenzsicherung. Seit 2010 hat das Gesetz zur Steuerehrlichkeit bei Auslandskonten (Foreign Account Tax Compliance Act, FATCA) US-Staatsangehörige zu finanziellen Paria gemacht. Aus Angst vor empfindlichen US-Strafen haben Schweizer Banken amerikanischen Kundinnen und Kunden häufig Dienstleistungen, Hypotheken und Anlagekonten verweigert. LaHoods Büro hat bestätigt, dass sich der Gesetzesentwurf direkt mit diesen Hürden im Bankgeschäft befasst und das schädliche Erbe von FATCA beseitigen soll.

Mit der Einführung eines klar definierten Status als «nicht ansässig» könnte der Gesetzesentwurf den Druck auf ausländische Finanzinstitute endlich verringern, als faktische Vertreter des IRS zu agieren. Derzeit ist der Verwaltungsaufwand für Schweizer Banken, die Informationen über amerikanische Kundinnen und Kunden melden müssen, enorm. Deshalb verweigern viele US-Personen schlicht den Zugang zu ihren Dienstleistungen. Wird der Gesetzesentwurf verabschiedet, könnte er nicht nur die Besteuerung vereinfachen, sondern auch die Türen der Schweizer Banken für Amerikanerinnen und Amerikaner wieder öffnen, die seit über einem Jahrzehnt systematisch vom lokalen Finanzsystem ausgeschlossen wurden.

Der Wegzug: Steuerkonformität, Bedingungen und «Wegzugssteuer»

Die Befreiung vom IRS ist an strenge Bedingungen geknüpft. Der Gesetzesentwurf soll Missbrauch durch wohlhabende Steuerflüchtige verhindern und sieht dafür eine solide «Wegzugssteuer» vor. Die Ausnahmen sind jedoch erheblich. Personen mit einem Nettovermögen von weniger als 13,61 Millionen Dollar (Stand 2024) wären weitgehend von dieser Ausreisesteuer befreit. Ebenfalls davon ausgenommen wären Personen, die während drei der letzten fünf Jahre ausserhalb der USA gelebt haben oder seit ihrem 25. Geburtstag nicht mehr in den USA wohnhaft waren.

Wer den neuen Status erhalten will, muss nachweisen, dass die eigenen steuerlichen Angelegenheiten in Ordnung sind. Der Gesetzesentwurf verlangt den Nachweis, dass die US-Steuervorschriften während der fünf Jahre vor der Wahl des Status vollständig eingehalten wurden. Dadurch entsteht eine Art «Zahlen, um mitspielen zu dürfen»: Nur gesetzestreue Bürgerinnen und Bürger können die Vorteile nutzen. Zudem enthält der Gesetzesentwurf eine Rückfallklausel: Kehrt eine «nicht ansässige Bürgerin» oder ein «nicht ansässiger Bürger» innerhalb von drei Jahren in die USA zurück, wird der Status vollständig aufgehoben und eine rückwirkende Besteuerung fällig. So soll sichergestellt werden, dass das System jenen vorbehalten bleibt, die sich tatsächlich für ein langfristiges Leben im Ausland entschieden haben, und nicht für vorübergehende Steuervorteile genutzt wird.

Die Entscheidungsschlacht 2025: Ein neuer Aufbruch für Schweizer Amerikaner?

Mit Blick auf 2025 steht für die schweizerisch-amerikanische Gemeinschaft mehr auf dem Spiel als je zuvor. Während sich die Gesetzgebungsmaschinerie auf die zweite Amtszeit des gewählten Präsidenten Trump vorbereitet, stellt dieser Gesetzesentwurf den aussichtsreichsten Weg zu mehr Steuergerechtigkeit seit Generationen dar. Seit Jahren beobachten wir, wie immer mehr Amerikanerinnen und Amerikaner ihre Staatsbürgerschaft aufgeben. Dieser drastische, emotionale und kostspielige Schritt erfolgt oft aus purer Verzweiflung, um der weltweiten Reichweite des IRS zu entkommen. Der Gesetzesentwurf bietet einen Rettungsanker, der diesen Trend bremsen könnte.

Wird das Gesetz «Residence-Based Taxation for Americans Abroad» verabschiedet, wird es das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und ihrer Diaspora grundlegend verändern. Es erkennt an, dass ein Leben in der Schweiz nicht mit einer Strafsteuer aus Washington einhergehen sollte. Die Beratungen im Kongress stehen zwar erst am Anfang, doch die Botschaft ist klar: Die staatsbürgerschaftsbasierte Besteuerung gerät unter Druck, und für die Tausenden Amerikanerinnen und Amerikaner, die zur Schweizer Wirtschaft beitragen, könnte endlich Entlastung in Sicht sein.