Schweizer Politik
Schweizer Parlament uneinig über Milliardenkürzungen im Bundeshaushalt
Eine parlamentarische Kommission fordert tiefere Kürzungen im Bundeshaushalt als der Ständerat. Sie schlägt Einsparungen von knapp 6 Milliarden Franken über drei Jahre vor und macht damit die tiefgreifende politische Spaltung über die Zukunft der Staatsausgaben und öffentlichen Dienstleistungen deutlich.

Im Bundeshaus werden die Samthandschuhe ausgezogen: Die Finanzkommission des Nationalrats fordert massive Kürzungen im Umfang von 5,9 Milliarden Franken und zeigt damit eine entschlossene Haltung, den Gürtel enger zu schnallen. Während der Ständerat für Mässigung plädiert hat, will die Kommission des Nationalrats nicht nachgeben und fordert ein Sparpaket, das deutlich einschneidender ist als jenes der anderen Kammer. Das ist nicht einfach eine Anpassung des Budgets, sondern eine klare Absichtserklärung.
Die Kommission hat ihre Haltung unmissverständlich deutlich gemacht: Das Sparpaket soll nicht weiter abgespeckt werden. Indem sie eine Lockerung ablehnt, bereitet sie den Weg für eine politische Auseinandersetzung mit hohem Einsatz über die Zukunft der Bundesausgaben. Während sich die Regierung mit den wirtschaftlichen Realitäten nach der Pandemie auseinandersetzt, verdeutlicht dieser mutige Schritt die zunehmende Spaltung in Bern. Die Botschaft ist laut und unmissverständlich: Haushaltsdisziplin hat oberste Priorität, und die Kommission ist bereit, dafür noch tiefer und stärker zu kürzen.
Zunehmende Sparmassnahmen: der Dreijahresplan
Die vorgeschlagenen Sparmassnahmen zeigen eine dramatische Verschärfung der finanziellen Einschnitte, die von Jahr zu Jahr zunimmt. Der Plan beginnt 2027 mit einer massiven Kürzung um 1,714 Milliarden Franken, doch der Druck nimmt danach weiter zu. 2028 steigen die Kürzungen auf 2,067 Milliarden Franken und erreichen 2029 mit 2,149 Milliarden Franken ihren Höchststand. Diese Entwicklung bedeutet einen unerbittlichen Zugriff auf die Bundesmittel, mit dem in nur 36 Monaten knapp 6 Milliarden Franken eingespart werden sollen.
Diese schrittweise Verschärfung lässt vermuten, dass kein Departement verschont bleibt. Die Strategie besteht nicht aus einem einmaligen Kahlschlag, sondern aus einer anhaltenden Kampagne zur Verkleinerung des Bundes. Während der Bund nach der Vernehmlassung zunächst ein bescheideneres Sparvolumen von rund 2,4 bis 3,1 Milliarden Franken ermittelt hatte, verdoppelt die Roadmap der Kommission diese Beträge praktisch. Diese aggressive Ausweitung der Kürzungen erfordert die sofortige Aufmerksamkeit aller Bereiche, die auf Bundesmittel angewiesen sind, denn der finanzielle Handlungsspielraum der Schweiz dürfte drastisch schrumpfen.
Nationalrat gegen Ständerat: die Differenz von 363 Millionen Franken
Zwischen den beiden Parlamentskammern ist ein erheblicher Konflikt aufgeflammt, der sich in einer Differenz von 363 Millionen Franken beziffern lässt. Die Finanzkommission des Nationalrats fordert Kürzungen, die über die bereits strengen Beschlüsse des Ständerats hinausgehen. Das zeigt, wie unterschiedlich gross die Bereitschaft zum Sparen unter der Bundeshauskuppel ist. Während sich der Ständerat auf ein Sparvolumen von insgesamt rund 5,5 Milliarden Franken geeinigt hat, treibt die Kommission des Nationalrats diesen Betrag auf knapp 5,9 Milliarden Franken hoch.
Dabei geht es nicht bloss um einen Rundungsfehler, sondern um einen grundlegenden Streit über die Notwendigkeit staatlicher Dienstleistungen im Verhältnis zur Dringlichkeit des Schuldenabbaus. Der Plan des Ständerats, der jährliche Einsparungen von 1,4 bis 2,1 Milliarden Franken vorsah, war bereits umstritten. Mit der Forderung nach einer zusätzlichen Drittelmilliarde signalisiert die Kommission des Nationalrats, dass die Massnahmen des Ständerats nicht weit genug gehen. Im weiteren Verlauf der Beratungen wird diese Differenz von mehreren hundert Millionen Franken zum Schauplatz, an dem politische Allianzen auf die Probe gestellt und Kompromisse geschmiedet oder zunichtegemacht werden.
Sparpotenzial der Fachleute und politische Realität
Trotz der Schockwellen, die der Vorschlag über 5,9 Milliarden Franken ausgelöst hat, zeigt der Kontext, dass die Kürzungen noch deutlich einschneidender hätten ausfallen können. Im Herbst 2024 ermittelte eine Expertengruppe ein enormes Sparpotenzial von 4 bis 5 Milliarden Franken pro Jahr. Demgegenüber wird derzeit politisch über ein Paket gerungen, das dieses Volumen erst über einen ganzen Dreijahreszeitraum erreicht. Das verdeutlicht eine erhebliche Kluft zwischen theoretischer wirtschaftlicher Effizienz und politischer Umsetzbarkeit.
Die vom Bund nach der Vernehmlassung ermittelten 2,4 bis 3,1 Milliarden Franken blieben sowohl hinter den Empfehlungen der Expertinnen und Experten als auch hinter den aktuellen Forderungen des Parlaments zurück. Das politische System steht vor einer unbequemen Erkenntnis: Während Fachleute ein grosses Sparpotenzial sehen, kann die politische Maschinerie nur einen Bruchteil davon ausschöpfen. Da die Kommission des Nationalrats mit ihren Forderungen nun näher an die Vorstellungen der Expertengruppe heranrückt als der ursprüngliche Plan des Bundes, scheint die Ära der «sanften» Budgetpolitik endgültig vorbei zu sein.