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Swiss Observer

Schweizerische Nationalbank belässt den Leitzins bei null

Die Nationalbank hält trotz globaler wirtschaftlicher Unsicherheiten an ihrer Geldpolitik fest

Schweizerische Nationalbank belässt den Leitzins bei null
AISWI swissinfo.ch

Die Serie ist zu Ende. Nach sechs aufeinanderfolgenden Zinssenkungen hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre geldpolitische Lockerung abrupt gestoppt. Am Donnerstag, 25. September 2025, gab die Nationalbank bekannt, dass sie den Leitzins unverändert bei 0,00 Prozent belässt. Dieser entschiedene Schritt signalisiert einen Strategiewechsel: Die Hüter des Schweizer Frankens gehen von aggressiven Zinssenkungen zu einer abwartenden Haltung über.

Während die grosse Mehrheit der Ökonominnen und Ökonomen diese Pause vorausgesagt hatte, ist die Realität eines Nullzinsumfelds nun gefestigt. Die SNB erklärt, der Inflationsdruck sei gegenüber dem Vorquartal «praktisch unverändert» geblieben. Das verschaffe ihr Spielraum, die Lage zu beurteilen. Doch dies ist kein Anlass zur Entspannung. Die Nationalbank stellte ausdrücklich fest, dass die wirtschaftlichen Aussichten für die Schweiz weiterhin von Unsicherheit geprägt sind. Indem sie den Leitzins bei null belässt, bewegt sich die SNB auf einem schmalen Grat: Sie will die Binnenwirtschaft stützen, ohne den volatilen Strömungen des Weltmarkts nachzugeben.

Erschütterung aus den USA: Zölle setzen die Wirtschaft unter Druck

Eine Zollmauer von gewaltigen 39 Prozent steht nun zwischen Schweizer Exporteuren und den Vereinigten Staaten. Diese Entwicklung hat die alpine Wirtschaft erschüttert. Die am 7. August 2025 eingeführten Strafzölle sind weit mehr als ein diplomatischer Streit: Sie sind ein direkter Angriff auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Industrie. SNB-Präsident Martin Schlegel fand deutliche Worte und warnte, die Zölle «stellen für die inländischen Unternehmen eine grosse Schwierigkeit dar».

Seit dem Sommer haben sich die Aussichten deutlich eingetrübt. Die US-Handelspolitik ist nun der grösste einzelne Risikofaktor, der die Schweizer Wirtschaftsprognose destabilisiert. Schlegel warnte, diese Zölle «sollten die Aktivität bremsen». Das zeichne ein düsteres Bild für Hersteller, die auf den transatlantischen Handel angewiesen sind. In diesem schwierigen Umfeld ist der Entscheid der SNB, den Leitzins bei null zu belassen, ein kalkulierter Abwehrschritt. Die Nationalbank verfolgt weiterhin eine «expansive» Geldpolitik, die gezielt die Auswirkungen dieses externen Handelskriegs abfedern soll. So versucht sie, die Schweizer Industrie über Wasser zu halten, während diese mit einer beispiellosen Hürde auf ihrem wichtigsten Exportmarkt konfrontiert ist.

Geldpolitische Achterbahnfahrt: Der Weg zurück auf null

Um die Tragweite der heutigen Ankündigung eines Leitzinses von 0,00 Prozent zu verstehen, muss man auf den turbulenten Verlauf der vergangenen drei Jahre blicken. Die SNB hat die Wirtschaft auf eine geldpolitische Achterbahnfahrt mitgenommen. Noch vor wenigen Jahren erhöhte die Nationalbank die Zinsen kräftig: In fünf raschen Schritten hob sie sie von einem Tiefstand von minus 0,75 Prozent auf einen Höchststand von 1,75 Prozent an, um die rasant steigende Inflation einzudämmen. Nachdem dieser Kampf gewonnen war und die Inflation sogar in den negativen Bereich gesunken war, schwang das Pendel heftig zurück.

Seit März 2024 senkt die SNB die Zinsen rigoros. Im März, Juni und September 2024 senkte die Nationalbank den Leitzins jeweils um 25 Basispunkte, gefolgt von einer deutlichen Senkung um 50 Basispunkte im Dezember. Die Lockerung setzte sich 2025 mit zwei weiteren Senkungen um je 25 Basispunkte im März und Juni fort. Dieser rasche Rückgang war nötig, um auf die sinkenden Preise zu reagieren. Der abrupte Halt heute deutet jedoch darauf hin, dass der Tiefpunkt erreicht ist. Die Zeit automatischer Zinssenkungen ist vorbei: Die SNB hält nun an der Nullmarke fest.

Wachsame Verteidigung: Den Franken im Chaos schützen

Die SNB hat eines unmissverständlich klargemacht: Sie beobachtet die Lage und ist gewappnet. Zwar bleibt der Leitzins unverändert, doch die Haltung der Nationalbank ist alles andere als passiv. Da die Unsicherheiten bezüglich Inflation und Wachstum weiterhin «hoch» sind, betonte Schlegel, die Nationalbank sei «bereit, bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv zu werden». Dies ist ein klares Signal an Währungsspekulanten, dass die SNB nicht zögern wird einzugreifen, um die Preisstabilität zu gewährleisten.

Während die Schweiz durch die schwierigen Gewässer des Spätjahrs 2025 navigiert, dient die Nullzinspolitik als Anker. Die Nationalbank hat sich verpflichtet, die Geldpolitik «bei Bedarf» anzupassen, und lässt damit die Tür für künftige Schritte offen, falls sich die Weltwirtschaft weiter verschlechtern sollte. Vorerst lautet die Botschaft an die Märkte und die Schweizer Bevölkerung: wachsame Stabilität. Die SNB hält Kurs. Doch während der Handelskrieg mit den USA tobt und sich das globale Wachstum verlangsamt, bleibt das Instrumentarium der Nationalbank einsatzbereit und kann jederzeit aktiviert werden.