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Swiss Observer

Wandel in der Schweizer Medienlandschaft: Lokale Sender erhalten mehr Fördermittel

Der Ständerat stimmt einer Ausweitung der Verteilung der Radio- und Fernsehabgabe an lokale Radio- und Fernsehsender zu. Damit vollzieht sich ein bedeutender Wandel in der Schweizer Medienförderung.

Wandel in der Schweizer Medienlandschaft: Lokale Sender erhalten mehr Fördermittel
AISWI swissinfo.ch

Der Schweizer Ständerat hat mit unmissverständlicher Klarheit entschieden und einer bedeutenden Ausweitung der Medienförderung mit 131 zu 40 Stimmen deutlich zugestimmt. Dieser Entscheid markiert einen wichtigen Wandel darin, wie die Schweiz ihre Informationsinfrastruktur unterstützt: Die Debatte wird durch eine konkrete gesetzgeberische Stärkung ergänzt. Die Zustimmung des Ständerats zum überarbeiteten Entwurf, der mit jenem des Nationalrats übereinstimmt, signalisiert in Bern eine geschlossene Front zum Schutz der regionalen Rundfunklandschaft.

Es handelt sich nicht um eine geringfügige Anpassung, sondern um ein deutliches Bekenntnis zum Wert, den lokale Medien für die Kantone haben. Mit der klaren Unterstützung dieser Massnahme gehen die Gesetzgeber direkt auf die finanzielle Unsicherheit kleinerer Sender ein. Die Abstimmung schafft unmittelbar Auftrieb und überwindet bürokratische Trägheit, damit die Stimmen der lokalen Gemeinschaften auf Sendung und hörbar bleiben. Die Dringlichkeit dieses Entscheids spiegelt die breitere Erkenntnis wider, dass die vielfältige Schweizer Rundfunklandschaft ohne substanzielle Unterstützung existenziell bedroht ist.

Obergrenze der Förderung steigt auf 8 Prozent

Im Rahmen einer bedeutenden finanziellen Neuausrichtung soll der Anteil der Abgabenerträge, der regionalen Service-public-Sendern zugutekommt, von derzeit 4 bis 6 Prozent auf 6 bis 8 Prozent steigen. Diese Erhöhung bringt dringend benötigte Mittel in die lokalen Radio- und Fernsehsender ein, die einen Leistungsauftrag erfüllen. Das Gesetz beschränkt sich nicht auf Rundfunkveranstalter, sondern gewährt auch Bildungsinstitutionen, dem Schweizer Presserat und der wichtigen Nachrichtenagentur Keystone-ATS finanzielle Unterstützung.

Mit dieser deutlichen Aufstockung soll mehr erreicht werden, als lediglich den Betrieb aufrechtzuerhalten: Sie soll die Qualität der landesweit produzierten Inhalte steigern. Indem die Obergrenze auf 8 Prozent angehoben wird, anerkennt der Staat, dass Qualitätsjournalismus finanzielle Mittel benötigt. Dieser Schritt wirkt dem finanziellen Druck entgegen, der regionale Medien seit Langem belastet, und ermöglicht ihnen Investitionen in eine bessere Berichterstattung, vertiefte Recherchen und eine stärkere Einbindung der Gemeinschaften. Die Botschaft ist klar: Lokale Medien sind ein öffentliches Gut, dem ein grösserer Anteil der Bundesmittel zusteht.

Strategische Neuausrichtung nach der Niederlage von 2022

Bern hat aus der Vergangenheit eine wichtige Lehre gezogen. Die aktuelle Revision ist eine gezielte strategische Neuausrichtung: Sie streicht die umstrittenen Elemente, an denen das Medienpaket in der Volksabstimmung vom 13. Februar 2022 gescheitert war. Besonders wichtig ist, dass der neue Entwurf Verweise auf die Unterstützung von Online-Medien vollständig entfernt, also genau jenen Punkt, der während des früheren Referendumskampfs den Widerstand angefacht hatte. Indem sich die Befürworter auf unbestrittene Elemente konzentrieren, haben sie eine Vorlage ausgearbeitet, die einer öffentlichen Prüfung standhalten soll.

Dieser pragmatische Ansatz stellt den Erhalt des Vorhabens über weitergehende Ambitionen. Der Ausschluss der Online-Medien ist ein deutliches Eingeständnis, dass die Schweizer Stimmberechtigten staatlicher Förderung ausschliesslich digitaler Plattformen weiterhin skeptisch gegenüberstehen. Dieser Verzicht ebnet jedoch den Weg, damit traditionelle lokale Rundfunkveranstalter die dringend benötigte Unterstützung erhalten. Die Gesetzgebung konzentriert sich auf die «unbestrittenen Elemente» des früheren Pakets und stellt so sicher, dass nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Das ist politisches Geschick: Die wesentlichen Bestandteile der Medienförderung werden aus den Trümmern der Niederlage von 2022 gerettet.

Stärkung der Schweizer Demokratie

«Die Massnahmen müssen der Qualität der Schweizer Medien als Ganzes dienen», erklärte Marie-France Roth-Pasquier und unterstrich damit den demokratischen Auftrag hinter dieser Aufstockung der Förderung. Die Debatte im Ständerat ging über rein wirtschaftliche Fragen hinaus und berührte die grundlegende Rolle unabhängiger Medien dabei, der Bevölkerung eine fundierte Meinungsbildung zu ermöglichen. Eine pluralistische Medienlandschaft ist kein Luxus, sondern das Fundament der direkten Demokratie der Schweiz.

Der unmittelbare Erfolg sichert zwar die Finanzierung lokaler Sender, doch die Debatte im Rat löste eine breitere, kritische Diskussion darüber aus, wie die Abgabe künftig zwischen privaten Medien und der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) verteilt werden soll. Während sich die Medienlandschaft wandelt, wird das Spannungsfeld zwischen einem starken nationalen Rundfunk und der Unterstützung privater regionaler Medien das nächste Kapitel der Schweizer Medienpolitik prägen. Vorläufig steht jedoch der unmittelbare Erfolg im Vordergrund: die vielfältigen, unabhängigen Stimmen zu stärken, die in den Kantonen die Mächtigen zur Rechenschaft ziehen.