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Swiss Observer

Krise bei Schweizer Anlagefonds lässt Kundinnen und Kunden in der Schwebe

Tausende Schweizer Anlegerinnen und Anleger sind verunsichert, während der Handel mit Fonds in den fünften Monat der Aussetzung geht. Der Fall wirft Fragen zur Regulierung der 1,6 Billionen Franken schweren Branche auf.

Krise bei Schweizer Anlagefonds lässt Kundinnen und Kunden in der Schwebe
AISWI swissinfo.ch

Eine gewaltige Branche mit einem Volumen von 1,6 Billionen Franken steht im Fokus, während sich für Schweizer Kleinanlegerinnen und Kleinanleger ein Albtraumszenario abspielt. Seit mehr als fünf Monaten ist der Handel mit beliebten Fonds wie dem Alpina Best Select Equity vollständig blockiert. Dadurch können möglicherweise Tausende Kundinnen und Kunden nicht auf ihre Ersparnisse zugreifen, die sie fürs Leben zurückgelegt haben. Dabei handelt es sich nicht um eine kleinere technische Störung, sondern um einen systemischen Stillstand, der das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten in das Schweizer Finanzökosystem erschüttert.

Nehmen wir den Fall von «Markus», einem pflichtbewussten Sparer, der über zwei Jahrzehnte ein Guthaben von 70'000 Franken angespart hat, um die Ausbildung seiner Kinder zu finanzieren. Heute ist dieses Kapital faktisch in Geiselhaft. Als er versuchte, Geld abzuheben, stiess er auf eine Mauer des Schweigens und erhielt die Mitteilung, seine Vermögenswerte seien wegen «Bewertungsproblemen» gesperrt. Der Schweizer Fondsmarkt ist zwar ein Kraftpaket mit einem Volumen von 2 Billionen Dollar, doch dieser Vorfall legt schonungslos offen, wie verletzlich einzelne Anleger sind. Wenn die Finanzmaschinerie zum Stillstand kommt, sind es die Kleinsparer, die zurückbleiben und hilflos zusehen müssen, wie ihre finanzielle Zukunft in der Schwebe hängt.

Die Luxemburger Lücke: Stillstand bei der Aufsicht

Schweizer Anlegerinnen und Anleger sehen sich mit einer harten Realität konfrontiert: Ihr Geld mag schweizerisch sein, die Aufsicht aber ist ausländisch. Die betreffenden Fonds werden von Ci Fund Services in Munsbach, Luxemburg, verwaltet. Dadurch entsteht eine kritische Lücke in der Zuständigkeit. Folglich sind die Schweizer Behörden machtlos und können nicht eingreifen. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) hat hier keine Zuständigkeit. Die Aufsicht liegt vollständig bei den luxemburgischen Behörden.

Diese grenzüberschreitende Struktur lässt Anleger wie Markus im Regen stehen. Wenn Probleme auftauchen, löst sich die Verantwortlichkeitskette in einem bürokratischen Labyrinth auf, das von Zürich bis nach Luxemburg reicht. Der CEO der Fondsleitung verweist auf den Verwaltungsrat, der sich seinerseits hinter einer Kommunikationsagentur versteckt. Dieser Mangel an direkter Rechenschaftspflicht ist beunruhigend. Schweizer Sparerinnen und Sparer stellen fest, dass «Swiss Banking» im globalisierten Finanzgeflecht nicht immer Schweizer Schutz garantiert. Zwischen Anleger und Aufsichtsbehörde klafft eine gefährliche Lücke, in der die Verantwortung verschwindet.

Warnsignale: Das Rätsel um 16 Prozent illiquide Anlagen

Wegen der Zusammensetzung dieser Fonds schrillen die Alarmglocken. Fachleute sind ratlos angesichts der Erkenntnis, dass ein Aktienfonds 16 Prozent seines Portfolios in illiquiden Anlagen hält. Für diese Produktkategorie ist dies eine höchst ungewöhnliche und riskante Aufteilung. Noch beunruhigender ist das Marktverhalten unmittelbar vor dem Handelsstopp: Der Fondspreis stürzte wenige Tage vor der Aussetzung des Handels um mehr als 10 Prozent ab.

Eine solche Volatilität deutet darauf hin, dass der Portfoliomanager möglicherweise auf Anlagen spekuliert hat, die sich nun nicht mehr verkaufen lassen. Anders als bei Immobilienfonds, bei denen Verzögerungen bei der Bewertung üblich sind, sind Aktienfonds auf Liquidität angewiesen. Dass sich diese Vermögenswerte nicht bewerten lassen, deutet auf schwerwiegendes Missmanagement oder eine gescheiterte Spekulation hin. Die Anleger sitzen nun in der Warteschleife und hoffen, dass sich ein Käufer für diese problematischen Vermögenswerte finden lässt. Bis dahin bleibt der tatsächliche Wert ihres verbliebenen Kapitals ein Rätsel, und mit jedem Tag des Schweigens schwindet das Vertrauen weiter.

Die Verteidigung durch Nichtstun: Banken weisen Haftung zurück

Während die Kundinnen und Kunden mit der Ungewissheit ringen, waschen die Institutionen, die ihnen diese Produkte verkauft haben, ihre Hände in Unschuld. Cash – banking by bank zweiplus, ein Gemeinschaftsunternehmen des Medienkonzerns Ringier und der Bank Zweiplus (Sarasin), beschränkt sich auf eine reine «Vermittlerrolle». Obwohl die Plattform für diese Anlagen genutzt wurde, erklärt die Bank, sie habe ihren Kundinnen und Kunden weder zum Kauf dieser bestimmten Fonds geraten noch sie dabei beraten.

Diese Verteidigung zeigt eine wesentliche Schwachstelle für moderne digitale Anlegerinnen und Anleger auf. Rechtsexperten bestätigen, dass die Plattform im Rahmen der derzeitigen Execution-only-Mandate nicht verpflichtet ist, aktiv einzugreifen. Sie ist lediglich der Vermittlungskanal, nicht die Beschützerin. Damit sind die Kundinnen und Kunden völlig ungeschützt. Die Haltung der Bank ist klar: Sie hat den Zugang ermöglicht, das Risiko liegt aber vollständig bei den Kundinnen und Kunden. Für Anleger, die den mit der Plattform verbundenen Markennamen vertrauten, wirkt diese bürokratische Distanzierung wie ein Verrat. Die Botschaft ist eindeutig: Wenn das Schiff sinkt, übernimmt der Ticketverkäufer keine Verantwortung für die Reise.

Ein Weckruf für Schweizer Sparerinnen und Sparer

Diese Krise ist ein schonungsloser Weckruf für die Schweizer Anlagebranche. Für diejenigen, die vom Alpina-Handelsstopp betroffen sind, ist die Illusion der Sicherheit am 1,6 Billionen Franken schweren Fondsmarkt zerbrochen. Der Fall zeigt, dass Kleinanlegerinnen und Kleinanleger selbst in der Schweiz, einem Land, das für finanzielle Stabilität steht, grenzüberschreitenden Komplikationen und den Risiken illiquider Anlagen schutzlos ausgeliefert sein können.

Dieser Vorfall verlangt von den Sparerinnen und Sparern künftig mehr Wachsamkeit. Die Haltung «einrichten und vergessen» ist nicht mehr tragbar, wenn Fonds ohne Vorwarnung auf illiquide Spekulationen setzen können. Anleger müssen den Fondsdomizil und die tatsächliche Zusammensetzung ihres Portfolios genau prüfen. Wenn ein Fondsmanager in Luxemburg mit Schweizer Ersparnissen spekuliert, gibt es kein Sicherheitsnetz. Während Markus und Tausende andere auf Antworten warten, ist die Lehre klar: In der komplexen Welt der modernen Vermögensverwaltung ist Besitz neun Zehntel des Rechts, und derzeit besitzen diese Anleger nichts als Ungewissheit.