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Swiss Observer

Leerwohnungsziffer in der Schweiz sinkt angesichts zunehmender Wohnungsnot auf 1 Prozent

Die Wohnungsnot in der Schweiz verschärft sich: Die Leerwohnungsziffer sinkt landesweit auf 1 Prozent. Genf verzeichnet mit 0,34 Prozent die geringste Verfügbarkeit, und in 19 Kantonen ist ein deutlicher Rückgang zu beobachten.

Leerwohnungsziffer in der Schweiz sinkt angesichts zunehmender Wohnungsnot auf 1 Prozent
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz hat offiziell eine kritische psychologische und physische Grenze erreicht. Im Juni 2025 ist die Leerwohnungsziffer landesweit auf den alarmierend tiefen Wert von 1 Prozent gesunken. Damit bestätigt sich, dass das Land mit einer schweren und sich verschärfenden Wohnungsnot zu kämpfen hat. Das Bundesamt für Statistik (BFS) gab am Dienstag bekannt, dass schweizweit nur noch 48 455 Wohnungen leer stehen, ein deutlicher Rückgang von 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das ist kein vorübergehender Ausreisser, sondern ein struktureller Rückgang. Die Verfügbarkeit ist nun das fünfte Jahr in Folge gesunken und hat seit 2021 um 0,72 Prozentpunkte abgenommen. Der Markt zieht sich in beispiellosem Tempo zusammen und lässt Wohnungssuchenden und Kaufinteressierten weniger Möglichkeiten als je zuvor. Da fast 3 500 Wohnungen weniger verfügbar sind als im Vorjahr, schliesst sich das Zeitfenster für die Suche nach einem Zuhause in der Schweiz rasch. Die Zeit einfacher Umzüge ist vorbei, die Zeit der Knappheit ist angebrochen.

Stillstand in den Städten: Genf und Zürich ersticken an der Nachfrage

Wer in den Wirtschaftszentren der Schweiz eine Wohnung sucht, findet in den Statistiken kaum Anlass zur Hoffnung. Genf verzeichnet mit einer Leerwohnungsziffer von nur 0,34 Prozent die geringste Verfügbarkeit im Land. Das kommt einer Vollbelegung gleich, der Markt ist praktisch blockiert. Dahinter folgen die Finanzzentren Zug mit 0,42 Prozent und Zürich mit 0,48 Prozent.

In diesen Städten ist der Wohnungsmangel kein Risiko mehr, sondern Realität. Insgesamt stehen in 15 Kantonen weniger als 1 Prozent der Wohnungen leer. Damit entsteht eine «rote Zone» mit kaum verfügbaren Wohnungen, die den Grossteil der Wirtschaftszentren des Landes umfasst. Der Wettbewerb ist hart, unmittelbar und unerbittlich. Zürich, oft für seine Lebensqualität gelobt, festigt nun seinen Ruf als Welthauptstadt des Wohnungsmangels. Bei Besichtigungen müssen sich Wohnungssuchende um die wenigen verbleibenden Wohnungen drängen.

Die Mietfalle: Das Angebot sinkt um 8 Prozent

Für die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung, die zur Miete wohnt, verschlechtert sich die Lage in alarmierendem Tempo. Die Zahl der leer stehenden Wohnungen, die zur Miete angeboten werden, ist innerhalb eines Jahres um 8 Prozent eingebrochen. Am 1. Juni 2025 waren nur noch 37 194 Mietwohnungen auf dem Markt, über 3 200 weniger als im Vorjahr.

Diese Verknappung trifft Familien besonders hart. Laut BFS sind die meisten leer stehenden Wohnungen Drei- oder Vierzimmerwohnungen, doch auch dieses Angebot schwindet. Zudem versiegt der Nachschub. Die Verfügbarkeit von Neubauwohnungen, die weniger als zwei Jahre alt sind, ist ebenfalls um 6 Prozent gesunken. Landesweit sind nur noch 3 959 moderne Wohnungen verfügbar. Die Botschaft an den Markt ist klar: Der Bau hält mit der Nachfrage nicht Schritt, und die Mietfalle zieht sich zu.

Der kantonale Gegensatz: Wo noch Platz ist

Während die grossen Städte unter dem Druck ersticken, zeigt sich in der Schweizer Landschaft ein deutlicher Gegensatz. Anders als in den Städten überschreiten nur die Kantone Jura und Solothurn eine Leerwohnungsziffer von 2 Prozent. Der Jura liegt mit 3,03 Prozent an der Spitze, gefolgt von Solothurn mit 2,05 Prozent.

Diese Ausnahmen sind jedoch nicht die Regel. In 19 Kantonen ist die Leerwohnungsziffer gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunken, während sie in nur sechs Kantonen leicht gestiegen ist. Graubünden verzeichnet keine Veränderung. Die Daten zeichnen das Bild einer Schweiz mit zwei Geschwindigkeiten: ein hektisches, überfülltes Zentrum und eine Peripherie, in der noch Luft zum Atmen bleibt. Wie lange das so bleibt, ist allerdings fraglich, denn der Druck aus den Städten breitet sich unweigerlich nach aussen aus.