Politik
Schweizer Regierung kündigt umfangreiche Budgetkürzungen bis 2029 an
Der Bundesrat legt einen ambitionierten Sparplan vor: 2027 sollen 2,4 Milliarden CHF und 2028 bis 2029 jährlich 3 Milliarden CHF eingespart werden.

Der Bundesrat zieht bei den ausufernden Ausgaben die Notbremse. Mit einem entschlossenen Schritt, um die Kontrolle über die Staatsfinanzen zurückzugewinnen, hat die Regierung einen einschneidenden Sparplan vorgestellt, der allein für 2027 Einsparungen von sage und schreibe 2,4 Milliarden CHF vorsieht. Das ist kein Vorschlag, sondern eine finanzielle Notwendigkeit. Die Sparmassnahmen werden rasch verschärft: Für 2028 und 2029 steigen die Ziele auf jährlich 3 Milliarden CHF.
Die öffentlichen Finanzen der Schweiz befinden sich faktisch in einem Ausnahmezustand. Nachdem die Ausgaben jahrelang schneller gestiegen sind als die Einnahmen, tritt die Regierung auf die Bremse. Am Freitag überwies der Bundesrat dem Parlament diesen ehrgeizigen Fahrplan und bereitete damit den Boden für eine hitzige politische Auseinandersetzung. Der Ständerat wird sich in der Wintersession mit den Massnahmen befassen, gefolgt vom Nationalrat in der Frühjahrssession. Die Botschaft der Exekutive ist unmissverständlich: Die Zeit der unkontrollierten Ausgaben ist vorbei, und finanzielle Disziplin ist jetzt gefragt.
Die Krise des strukturellen Defizits
Über 2 Milliarden CHF strukturelles Defizit drohen 2027, und nur zwei Jahre später könnte es sich auf katastrophale 4 Milliarden CHF ausweiten. Trotz früherer Versuche, die Ausgaben in den Budgets 2024 und 2025 zu begrenzen, ist der finanzielle Aderlass nicht gestoppt. Die Regierung steht vor der Realität, dass die prognostizierten Einnahmen, die bis 2029 voraussichtlich 98 Milliarden CHF erreichen, mit dem explosiven Wachstum der Verpflichtungen des Bundes schlicht nicht Schritt halten können.
Diese wachsende Lücke hat eine vollständige Neubewertung der Ausgabenplanung für 2027 erforderlich gemacht. Nach intensiven Konsultationen reduzierte die Regierung ihr ursprüngliches, radikales Sparziel von 2,7 Milliarden CHF auf etwas moderatere 2,4 Milliarden CHF. Diese Anpassung ist jedoch kein Zeichen von Schwäche. Der Plan bleibt eine rigorose Überarbeitung und umfasst fast 60 Einzelmassnahmen, die die Löcher im Bundesschiff stopfen sollen, bevor es zu viel Wasser aufnimmt. Ohne diesen Eingriff ist die finanzielle Stabilität des Bundes stark gefährdet.
Die Verwaltung unter Druck
Die Verwaltung nimmt sich selbst ins Visier. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, sieht der Plan vor, die Betriebskosten des Bundes bis 2028 um 300 Millionen CHF zu senken. Die Bundesangestellten tragen die Hauptlast dieser Einsparungen: Rund 190 Millionen CHF sollen direkt bei den Personalausgaben gekürzt werden. Mindestens 100 Millionen CHF davon sollen durch einschneidende Änderungen der Anstellungsbedingungen eingespart werden.
Das ist ein komplexes Gesetzgebungsvorhaben. Mehr als die Hälfte der vorgeschlagenen 60 Massnahmen erfordert eine Anpassung bestehender Gesetze. Um dies zu beschleunigen, wird die Regierung diese Änderungen in einer einzigen, umfassenden Gesetzesvorlage bündeln. So soll verhindert werden, dass Gegnerinnen und Gegner den Plan Stück für Stück auseinandernehmen. Massnahmen, für die keine neuen Gesetze nötig sind, sollen im ordentlichen Budgetverfahren rasch umgesetzt werden. Die Verwaltung muss mit deutlich weniger Mitteln mehr leisten. Damit soll Schluss sein mit einem aufgeblähten Verwaltungsapparat in Bern.
Das Ultimatum mit hohem Einsatz
Der Bundesrat hat dem Parlament ein unmissverständliches Ultimatum gestellt: Es soll diesen Plan genehmigen oder mit etwas weit Schlimmerem rechnen. Wenn das Parlament die Vorschläge ablehnt oder verwässert, droht die Regierung als Alternative mit der groben Kelle: einer pauschalen Kürzung um 10 Prozent in wichtigen Bereichen. Dieser «Plan B» würde Bildung, Forschung, Entwicklungszusammenarbeit, Landwirtschaft und Verteidigung unterschiedslos treffen.
Es steht enorm viel auf dem Spiel. Sollte die Armee von diesen weiteren Kürzungen ausgenommen werden, würden Bildung und Landwirtschaft noch stärker getroffen. Mit diesem kalkulierten politischen Schritt zwingt die Regierung die Parlamentarierinnen und Parlamentarier, zwischen den strukturierten, gebündelten Kürzungen des aktuellen Plans und dem chaotischen Streichen von Mitteln für die wichtigsten Institutionen der Schweiz zu wählen. Die Regierung argumentiert, dass die Schweiz ohne diese budgetäre Straffung in eine Spirale der Verschuldung geraten würde, um die ausufernden Ausgaben zu finanzieren. Diesen Weg wolle sie nicht einschlagen.
Ein Berg von Schulden
Die Schweiz kämpft mit einer Schuldenlast, die alarmierende Ausmasse angenommen hat. Ende 2024 beliefen sich die Schulden des Bundes auf sage und schreibe 141 Milliarden CHF, rund 17 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Zum Vergleich: 1990 betrugen die Bundesschulden lediglich 40 Milliarden CHF. Die Entwicklung ist eindeutig und nicht nachhaltig.
Werden die Schulden der Kantone und Gemeinden zu den Bundesschulden hinzugerechnet, verschärft sich das Bild weiter. Die gesamte öffentliche Verschuldung der Schweiz steigt damit auf rund 37 Prozent des BIP. Zwar steht die Schweiz finanziell weiterhin besser da als viele ihrer europäischen Nachbarn, doch die Entwicklung ist problematisch. Mit seinem entschlossenen Vorgehen will der Bundesrat verhindern, dass dieser Schuldenberg künftig eine Lawine auslöst. Die Zeiten des einfachen Geldes sind vorbei. Nun stehen Zahlungsfähigkeit und Stabilität im Zentrum.