Verkehr
Schweizerische Bundesbahnen belegen zweiten Platz in europäischer Qualitätsstudie
Eine unabhängige Evaluation stuft die Schweizerischen Bundesbahnen als zweitbestes Bahnunternehmen Europas ein. Besonders gut schneiden sie bei der Servicequalität und Zuverlässigkeit ab.

Die Schweiz hat auf den Schienen erneut ihre Stärke unter Beweis gestellt: Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) belegen den zweiten Platz in einem neuen grossen Ranking europäischer Bahnunternehmen. In einer umfassenden Evaluation von 27 Unternehmen durch die NGO Transport and Environment (T&E) liess das Schweizer Bahnunternehmen fast alle Konkurrenten auf dem Kontinent hinter sich. Während der italienische Betreiber Trenitalia den ersten Platz belegte, festigt die Silbermedaille den Ruf der SBB als weltweit führendes Unternehmen in den Bereichen Infrastruktur und Service.
Die am Montag veröffentlichte Studie ist ein wichtiger Belastungstest für die europäische Mobilität. Victor Thévenet, Bahnkoordinator bei T&E, bezeichnet den Zug als das «Rückgrat der Mobilität» auf dem Kontinent. Der hohe Rang der SBB kommt nicht von ungefähr: Er spiegelt das unermüdliche Engagement für Zuverlässigkeit wider, das die Schweizer Bevölkerung erwartet. Während andere Länder mit maroder Infrastruktur kämpfen, setzt die Schweiz weiterhin den Massstab. Der tschechische Betreiber RegioJet liegt auf dem dritten Platz. Das Ranking bestätigt das Schweizer Modell: Präzision, Vernetzung und gleichbleibend hohe Qualität.
Trenitalia legt zu, Eurostar stürzt ab
Während die Schweiz Silber feiert, hat sich zwischen den besten und schlechtesten Bahnunternehmen des Kontinents eine deutliche Kluft aufgetan. Trenitalia ist an die Spitze vorgerückt und bietet der Studie zufolge das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in Europa. Das staatliche italienische Unternehmen schneidet in fast allen Kategorien hervorragend ab und setzt damit für die Konkurrenz einen hohen Massstab. Im Gegensatz dazu hat Eurostar eine ernüchternde Niederlage erlitten und wurde in der gesamten Studie als schlechtestes Bahnunternehmen eingestuft.
Die Daten zu Eurostar sind vernichtend. Das Unternehmen bietet nicht nur einen schlechten Service, sondern verlangt auch überhöhte Preise. Laut T&E sind die Preise bei Eurostar erstaunliche doppelt so hoch wie der europäische Durchschnitt. Trotz dieser hohen Kosten leidet der Service unter einer «mangelnden Zuverlässigkeit» und bietet keinerlei Qualitätsgarantie für den exorbitanten Preis. Dieser grosse Unterschied macht eine entscheidende Kluft im europäischen Reiseverkehr sichtbar: Während Südeuropa mit erschwinglichen Verbindungen hoher Qualität innoviert, wird die Reise durch den Ärmelkanal zu einem teuren Glücksspiel.
Entscheidende Kriterien: Preis und Zuverlässigkeit
Dabei handelte es sich nicht um eine oberflächliche Umfrage. T&E untersuchte die Leistung von Betreibern im Mittel- und Fernverkehr anhand von acht strengen Kriterien, wobei der Ticketpreis am stärksten ins Gewicht fiel. Diese Gewichtung der Kosten dürfte Trenitalia gegenüber dem hochpreisigen Schweizer Netz einen Vorteil verschafft haben. Die Evaluation ging jedoch weit über die Kosten hinaus und prüfte auch die Zuverlässigkeit, Rabattangebote, Entschädigungsregelungen und das Angebot an Nachtzügen.
Besonders hob die Studie Lücken bei den Anforderungen an einen modernen Service hervor, etwa bei den Angeboten für Velofahrende. Trenitalia dominierte zwar die meisten Kategorien, schnitt aber bei ihrem Angebot für Reisende mit Velos schlechter ab. In diesem Bereich können andere Betreiber Boden gutmachen. Der umfassende Kriterienkatalog soll mehr bewirken als nur eine Rangliste: Er ist ein Aufruf zum Handeln. Indem T&E diese Kennzahlen offenlegt, fordert die Organisation die Unternehmen auf, «gute Praktiken zu übernehmen», und drängt die Staaten dazu, Vorschriften einzuführen, bei denen das Reiseerlebnis der Fahrgäste Vorrang vor Monopolgewinnen hat.
Die Schweizer Bahn bleibt führend
Für die Schweiz ist der zweite Platz mehr als eine Statistik, er spiegelt die nationale Identität wider. Die Schweizerinnen und Schweizer sind bereits die eifrigsten Bahnreisenden Europas und stehen für ein System, das sich nahtlos in den Alltag einfügt. Der zweite Platz unterstreicht die Stärke des SBB-Netzes, auch wenn es unter Druck steht, sich weiterzuentwickeln. Nun gilt es, diese Dynamik beizubehalten und zugleich jene Kriterien anzugehen, bei denen die Konkurrenz aufholt.
Da Nachtzüge eine Renaissance erleben und die Nachhaltigkeit die Politik prägt, ist die hohe Platzierung der SBB eine gute Ausgangslage, um die nächste Generation des europäischen Reiseverkehrs anzuführen. Der Erfolg von Trenitalia ist jedoch eine Warnung: Qualität darf nicht mit untragbaren Kosten einhergehen. Während Europa auf eine grünere Zukunft zusteuert, bleibt die Schweiz eine starke Kraft und beweist einmal mehr: Wenn es um die Bahn geht, ist die Schweiz nicht nur dabei, sondern gibt den Takt vor.