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Swiss Observer

Kürzungen bei der Schweizer Kulturförderung bedrohen ab 2029 wichtige Veranstaltungen

Die Schweizerische Agentur für Entwicklung und Zusammenarbeit kündigt erhebliche Kürzungen bei der Kulturförderung an. Betroffen sind ab 2029 wichtige Veranstaltungen wie das Filmfestival Locarno und weitere renommierte Kulturinstitutionen.

Kürzungen bei der Schweizer Kulturförderung bedrohen ab 2029 wichtige Veranstaltungen
AISWI swissinfo.ch

Für die bekanntesten Kulturinstitutionen der Schweiz läuft die Zeit ab. In einem einschneidenden Schritt, der in der Kunstszene für Schockwellen sorgt, hat die Schweizerische Agentur für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) angekündigt, dass sie ihre Partnerschaften mit wichtigen Veranstaltungen ab 2029 vollständig auflösen wird. Dabei geht es nicht um geringfügige Kürzungen, sondern um einen grundlegenden Abbau der staatlichen Unterstützung für bedeutende internationale Kulturakteure. Das Filmfestival Locarno, ein Juwel der Schweizer Kulturlandschaft, steht direkt im Visier dieses aggressiven Sparprogramms.

Die Strategie der Verwaltung bedeutet eine dramatische Abkehr von der langjährigen Kulturdiplomatie. Mit der Festlegung einer harten Frist bis 2029 hat der Bund den finanziellen Grundlagen dieser Grossveranstaltungen faktisch die Kündigung ausgesprochen. Die Folgen sind gravierend: Ohne diese wichtige staatliche Unterstützung ist die Fähigkeit der Schweizer Festivals, ihren Weltklasse-Status und ihre internationale Ausstrahlung zu bewahren, unmittelbar gefährdet. Die Botschaft aus Bern ist unmissverständlich: Die Ära der garantierten Unterstützung des Bundes für diese grossen Kulturveranstaltungen geht abrupt zu Ende.

Massive Budgetkürzung: 45 Prozent weniger

Während 2029 als endgültiger Schlag näher rückt, haben die finanziellen Einschnitte bereits mit alarmierender Wucht begonnen. Seit 2025 hat die DEZA ihre Förderung der kulturellen Zusammenarbeit um massive 45 Prozent gekürzt. Die Zahlen zeichnen ein düsteres Bild der aktuellen Lage: Das Jahresbudget ist von 3,7 Millionen Franken auf gerade einmal 2 Millionen Franken gesunken. Der unmittelbare Wegfall von 1,7 Millionen Franken bedeutet einen kritischen Verlust von Mitteln, auf die Festivals und Organisationen für ihre finanzielle Stabilität angewiesen sind.

Diese drastische Kürzung ist keine theoretische Prognose, sondern die harte Realität, mit der die Schweizer Kunstszene heute zu kämpfen hat. Das Tempo und das Ausmass der Kürzungen haben die Institutionen dazu gezwungen, fieberhaft nach Ersatz für die fehlenden Mittel zu suchen. Da fast die Hälfte der verfügbaren Gelder auf einen Schlag weggefallen ist, steht die Branche vor einer beispiellosen Liquiditätskrise. Zudem hat die Verwaltung signalisiert, dass auch die verbleibenden, bereits stark gekürzten Mittel weiteren Sparmassnahmen zum Opfer fallen könnten. Dadurch herrscht grosse finanzielle Unsicherheit.

Renommierte Festivals verlieren ihre Unterstützung

Die Liste der Betroffenen liest sich wie ein Who’s Who der Schweizer Kultur. Neben Locarno treffen die Kürzungen das Dokumentarfilmfestival Visions du Réel und das renommierte Festival Culturescapes. Dabei handelt es sich nicht um Randerscheinungen, sondern um wichtige Motoren des kulturellen Dialogs der Schweiz mit der Welt. Betroffen sind auch das Internationale Filmfestival Freiburg (FIFF), die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur und das Zürcher Theater Spektakel. Sie alle müssen nun mit einer Zukunft ohne diese konkrete Form der Bundeshilfe rechnen.

Die Sparmassnahmen zielen auch auf die Infrastruktur, die Vielfalt und Produktion fördert. Zu den wichtigen Organisationen, die Unterstützung verlieren, zählen Artlink, der Filmverleih Trigon-Film und der Produktionsfonds Visions Sud Est. Auch der Südkulturfonds und der Unesco Fonds international pour la diversité culturelle stehen auf der Streichliste. Dieser systematische Abbau droht, die Schweizer Kulturlandschaft zu vereinheitlichen und ihr die Mittel zu entziehen, dank derer vielfältige internationale Erzählungen in der Schweiz ihren Platz finden.

Parlament verschärft Sparkurs bei der internationalen Zusammenarbeit

Diese Sparpolitik im Kulturbereich ist ein direktes Symptom des umfassenderen politischen Kurswechsels in Bern. Im Dezember kürzte das Schweizer Parlament das Budget für internationale Zusammenarbeit um 110 Millionen Franken allein für das Jahr 2025. Damit setzte es sich über die ursprünglichen Anträge der Regierung hinweg und signalisierte eine härtere, stärker isolationistisch geprägte Finanzpolitik. Der konsequente Kurs des Parlaments reicht weit in die Zukunft: Eine Kürzung von insgesamt 321 Millionen Franken ist im Finanzplan für die Jahre 2026 bis 2028 bereits festgeschrieben.

Der politische Wille, den internationalen Kulturaustausch aufrechtzuerhalten, schwindet rasch. Diese Parlamentsbeschlüsse haben die DEZA zum Handeln gezwungen und die Auflösung langjähriger Partnerschaften notwendig gemacht. Während die Entwicklungshilfe für Länder wie Albanien, Bangladesch und Sambia eingestellt wird, gerät der Kulturbereich als Kollateralschaden in den Sog eines umfassenderen Sparkurses. Die Schweizer Kunstszene muss sich nun auf eine neue Ära einstellen, in der die Unterstützung des Bundes nicht mehr garantiert ist, sondern zu einem immer knapperen Privileg wird.